Filmkritik

“Die Hochzeit unserer dicksten Freundin” von Leslye Headland

0

© STUDIOCANAL GmbH Filmverleih / Isla Fisher (links), Kirsten Dunst (in weiß) und Lizzy Caplan (unten)

Deutsche Filmübersetzungen können manchmal zu vernichtenden Ausschlusskriterien für die Auswahl eines Filmvergnügens werden. So vermutlich auch für „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“, impliziert der Fokus auf die wenig schlanke Darstellerin Rebel Wilson – die passenderweise in Filmen wie „Brautalarm“ und „Die Trauzeugen“ mitwirkte – eine ganze Reihe von körperbetonten Scherzen, wie sie allenfalls ein Adam Sandler über die Lippen bringen oder ein Kevin James über sich ergehen lassen kann. Nun muss hinter „Bachelorette“ – so der weitaus angenehmere Originaltitel – keine perfekte Komödie erwartet werden, aber Regisseurin Leslye Headland, ebenfalls verantwortlich für das Theaterstück, auf dem ihr Film basiert, hat zumindest eine „Brautalarm“-ähnliche Komik geschaffen, die vor allem durch die Schauspieler und ihr Miteinander unterhaltsam harmoniert. Dabei ist dem Film der größte Coup in der Wiederzusammenführung von Lizzy Caplan und Adam Scott gelungen, die sowohl hier als auch in der 2009/2010er Fernsehserie „Party Down“ das Liebespaar abgeben.

Caplan spielt in „Bachelorette“ an der Seite von Kirsten Dunst und Isla Fisher ein infernales Freundestrio, die ein ruiniertes Hochzeitsdinner, ein zerrissenes Brautkleid und allerhand andere Katastrophen für Braut Becky (Rebel Wilson) heraufbeschwören. Für Regan (Dunst), Gena (Caplan) und Katie (Fisher) bricht die totale Hektik aus, sie haben nur noch wenige Stunden bevor die Hochzeit beginnt, bevor das Brautkleid wieder funktionstüchtig der Braut übergeben werden muss. Sie haben eine wilde, schlaflose Nacht vor sich, voller Erinnerungen an ihre High School Zeit, voller Sex-Anekdoten und Drogen. Und ganz nebenbei muss nicht nur eine Hochzeit, sondern auch eine Freundschaft gerettet werden.

Gena, Regan und Katie (v.l.n.r.) haben eine lange Nacht hinter sich.

Dabei wurden die Zuschauer selten mit so traurigen Geschöpfen konfrontiert. Ganz gleich ob die „Hangover“-Filme oder die Frauengang aus „Brautalarm“, irgendwie waren es doch immer ganz nette Figuren, teils skurril, teils liebenswürdig, mal als Verlierer gebrandmarkt, dann wieder als normale Menschen, zur falschen Zeit am falschen Ort. Hier allerdings trifft man auf eine vom Brechreiz getriebene Zicke, auf eine drogensüchtige schrill quietschende Frutte und auf eine Dame, die nach jeder Nacht in einem anderen Bett aufwacht und ihre erste Abtreibung mit sechszehn Jahren hatte. Dass es ausgerechnet diesem Trio dennoch gelingt die Zuschauer durch eine chaotische Nacht zu begleiten, ist gänzlich den drei Hauptdarstellerinnen zu verdanken. Dunst spielt mit stetiger Eifersucht im Gesicht, ist es doch ihre beste Freundin, die sie im heiraten überholt hat. Sie gönnt ihr nicht einmal ein neu gefundenes Kleid, welches das kaputte ersetzen soll, leckt lieber den dreckigen Bürgersteig als dies zuzulassen. Und der größte Spaß des Films kommt aus dem gemeinsamen Spiel von Lizzy Caplan und Isla Fisher, die eine immer auf Drogen, immer am torkeln, immer am Blödsinn reden – die andere ohne kommunikative Skrupel, immer eine ihrer Sexgeschichten auf Lager.

Da wäre es eigentlich gar nicht nötig gewesen, jeder der Damen einen Mann zukommen zu lassen. Sicher, der Film steuert nicht das Happy End im klassischen Sinne an, gönnt den Frauen nicht einmal eine Läuterung, aber es kommt zu diesem einen Punkt, knapp vor der Ziellinie, an dem die Rasanz des Witzes nachlässt, damit Regan, Gena und Katie ihren männlichen Gegenstücken ihr Leid klagen und Liebe erfahren können. Dass das bei allen unterschiedlich ausgeht, ist abzusehen. Diese Episoden hätten dennoch fallen gelassen werden können, bringen der Handlung nur eine unnötige Verzögerung ein, bevor noch einmal die Hochzeitshektik ausbricht: Hier muss Regan den Gesamtüberblick behalten, beweist sich in größter Not als organisatorisches Mastermind, Gena rettet in letzter Sekunde das Kleid – so gut es geht – und Katie muss derweil von Drogen benommen in der Badewanne betreut werden. Das alles geschieht zeitgleich, die Männer kommen hinzu, die Braut wird ungeduldig, ihre Mutter noch viel mehr. Hier kehrt dann die Rasanz zurück, die „Bachelorette“ einen Platz unter den amüsanten Hochzeitsgeschichten beschert, die dieser Tage das Ja-Wort so chaotisch wie schön wirken lassen.

Die Männerclique

Dahinter steckt dann dennoch auch etwas Trauriges, wenn die drei Brautfreundinnen am Ende auf einer Bank verweilen, während in der Ferne die Hochzeitsfeierlichkeiten stattfinden, sich einen kurzen Moment schwören, dass alles anders wird, man erst einmal die Finger vom Alkohol und sonstigen bewusstseinserweiternden Drogen lässt, nur um dann in der nächsten Sekunde zum Alkohol greifen zu wollen um den ganzen Stress der vergangenen Nacht wegzuspülen. Niemand weiß, ob diese drei Damen wirklich von nun an ein besseres Leben führen werden, sie haben eine wertvolle Erfahrung gemacht, sich dennoch im Kreis gedreht. Das ist was der Film am Ende zu vermitteln vermag: Du bleibst immer der, der du auch immer schon warst. Traurig ist das allemal, aber in „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“ kann man getrost darüber lachen.

Denis Sasse

“Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“

Originaltitel: Bachelorette
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 87 Minuten
Regie: Leslye Headland
Darsteller: Kirsten Dunst, Lizzy Caplan, Isla Fisher, Rebel Wilson, Hayes MacArthur, Kyle Bornheimer, James Marsden, Adam Scott

Deutschlandstart: 25. Oktober 2012
Offizielle Homepage: diehochzeitunsererdickstenfreundin.studiocanal.de

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up