Filmkritik

“World War Z” von Marc Forster

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In Israel stürmen die Zombies einen meterhohen Schutzwall.

In Israel stürmen die Zombies einen meterhohen Schutzwall.

Es ist kein sonderlich verheißungsvoller Zukunftsausblick, den die Nachrichten auf allen Kanälen uns zu Beginn von World War Z geben, dem Brad Pitt-Zombievehikel. Während der Zuschauer hier die Zeichen zu deuten verstehen wird, bleibt die Kleinfamilie um Pitt und nicht nennenswerter Frau mit Kindern unwissend, konsumieren die Medien neben ihrem Alltag, achten eigentlich gar nicht darauf, was in der Welt geschieht. Ob das nun symptomatisch für das amerikanische Menschenbild oder einfach nur für den Handlungsstart des Films von Nutzen ist, darf jeder selbst interpretieren. Aber nicht einmal als die Lanes im Stau stehend das Radio anschalten, wo von einer apokalyptischen Angst gesprochen wird, einer Seuche die die ganze Welt befällt, scheinen sich Brad Pitt und Anhang Sorgen zu machen. Massenhafte Helikopter am Himmel und eine Motorradstreife, die den Seitenspiegel ihres Autos abfährt, ändern auch noch nichts an der immensen Ruhe und Gelassenheit dieser Familie. Um sie aus der Reserve zu locken benötigt es dann schon einen ausgewachsenen LKW, der sich seinen Weg geradewegs durch die kleinen Autos sucht, die hier ausweglos im Stau verharren.

Das wiederum mag das derzeitige Blockbusterkino symbolisieren, bei der man sich nicht mehr lumpen lassen darf. Bigger is better, sonst wird ein Film schon gar nicht mehr als Effektspektakel wahrgenommen. Entweder also, die Welt geht unter, oder aber der Film gehört ins Arthouse Kino. Eine harte Formulierung, die durch Produktionen wie Melancholia oder Another Earth auch nicht getragen werden kann, hat hier das Weltuntergangskino doch seinen Weg auch in die kleinen Kinos gefunden. World War Z von Marc Forster aber macht schon hier, in den ersten zehn Minuten des Films alles richtig, um sich als Blockbuster darzustellen. Der besagte LKW räumt unzählige Kleinwagen zur Seite. Die Schicksale der Insassen bleiben verborgen. Kollateralschaden. Außerdem dauert es dann auch nur noch wenige Sekunden, bis Horden von infizierten Menschen, Zombies, über die Straße stürmen um sich auf die Lebenden zu stürzen, die sich machtlos der Anzahl der sie überfallenden Wesen gegenüber sieht.

Brad Pitt versucht seine Familie in Sicherheit zu bringen.

Brad Pitt versucht seine Familie in Sicherheit zu bringen.

Wofür andere Filme eine halbe Stunde benötigen, die allgemeingültige Drehbuchstruktur befiehlt es ihnen oftmals so, zieht Marc Forster (James Bond: Ein Quantum Trost) den herkömmlichen Zombiefilm in den ersten zehn Minuten ab. Er zeigt seine Kleinfamilie, der wir folgen werden. Er lässt die Zombies die Welt übernehmen und die Familie erfolgreich auf einen weit draußen auf dem Meer liegenden Flugzeugträger flüchten. Anderer Film: Ende. Hier: Erst der Anfang. Denn die Seuche geht um die ganze Welt und Brad Pitt wäre nicht Brad Pitt, wollte er nicht herausfinden wo die Zombiebedrohung ihre Wurzel versteckt hält.

Die Zombies gelten insgeheim, wie eins bei George A. Romeros Dawn of the Dead immer noch als Kritik auf die moderne Konsumgesellschaft, hier vielleicht durch ein Update auf die digitale Schnelllebigkeit der Menschen übertragen. „Diese Dinger werden von Geräuschen angezogen“ heißt es, und schon klingelt ein Mobiltelefon und schreckt sie auf. Die Welt ist viel zu laut geworden, mit all ihren technischen Spielereien, als dass ein Toter noch seinen Schlaf genießen könnte. Also aufstehen und als Zombies diejenigen bestrafen, die sich der Ruhestörung schuldig machen.

Brad Pitt flüchtet vor den Zombies.

Brad Pitt flüchtet vor den Zombies.

Blockbuster-Momente gibt es derweil mehr als nur den einen, der bereits im Trailer vorweg genommen wurde. Im Direktvergleich ist es dann auch weniger imposant, wie die von Gier getriebenen Zombies eine gigantische Schutzmauer Israels überwinden, indem sie sich zu einer Pyramide auftürmen, als wie sie auf der anderen Seite wieder hinunter kommen. Da purzeln die Körper ohne Sinn und Verstand, wie es sich für ordentliche Untote gehört, die hier nur von ihrer Fresslaune gesteuert, vor Wände knallen, Abgründe hinunter stürzen, keine Rücksicht auf sich selbst nehmen, was sie ja auch nicht müssen, denn tot sind sie immerhin ja schon. Darüber hinaus entwickelt der Film eine faszinierende Dynamik allein dadurch, dass sich die Zombies immer in Bewegung halten. Hier wird nicht geschlurft, gestöhnt oder ähnliche sinnfreie Handlungen. Wie eine Herde aufgestachelter Stiere überrennen die Zombierudel alles, was sich in ihr Sichtfeld begibt.

Für eine Großproduktion mit Brad Pitt im Hinter- und Vordergrund funktioniert das alles erstaunlich gut. Nur Fans des gleichnamigen Buchs, das als Vorlage dienlich war, sollten nicht erwarten eine werkgetreue Adaption zu Gesicht zu bekommen. Denn eigentlich ist außer dem Filmtitel nicht viel von dem Roman, der Oral History of an Zombie War von Autor Max Brooks übrig geblieben. Keine Augenzeugenberichte, keine episodenhafte Erzählstruktur, kein Reporter der nach und nach das Puzzle des Zombiekrieges zusammen setzen möchte. Im Grunde kann man es auf zwei Dinge reduzieren: World War Z sind Zombies und es ist Brad Pitt.

 


World War Z_Filmplakat

“World War Z“

Originaltitel: World War Z
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 117 Minuten
Regie: Marc Foster
Darsteller: Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz, James Badge Dale, Matthew Fox, David Morse, Peter Capaldi, Moritz Bleibtreu

Heimmedienstart: 7. November 2013
Im Netz: worldwarz-film.de


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