Filmkritik

“Wolverine – Weg des Kriegers” von James Mangold

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH // Hugh Jackman ist Wolverine

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH // Hugh Jackman ist Wolverine

Er sitzt eingepfercht in einem tiefen Brunnen, während über seinem Kopf die Sirenen heulen. Er war dabei, im August 1945, als die Vereinigten Staaten ihre Atombomben auf Hiroshima und in diesem Fall Nagasaki abwarfen. Und noch heute lebt Logan kerngesund, unbeschadet von der radioaktiven Verseuchung unter seinesgleichen. Seinesgleichen sind jedoch nicht die Menschen, sondern Mutanten wie die X-Men, zu denen er einmal gehörte. Regisseur James Mangold lässt den unsagbar furchtbaren Versuch eines Stand-Alone Films namens „X-Men Origins: Wolverine“ (2009) im Nirvana des Vergessens verschwinden, schlägt mit seinem eigenen „Wolverine: Weg des Kriegers“ nun eine Brücke zwischen der X-Men-Trilogie von Bryan Singer, beendet durch Brett Ratners „X-Men: Der letzte Widerstand“ und der kommenden „Erste Entscheidung“-Fortsetzung „X-Men: Days of Future Past“.

Der inzwischen zurückgezogen lebende Logan fungiert mit seinen Regenerationskräften und dem damit einhergehenden langsameren Alterungsprozess als prädestinierte Brücke zweier Generationen. Dabei behält Mangold aber immer im Auge, dass es sich um Wolverine drehen soll, nicht um zahlreiche Nebenfiguren, wie sie noch in „X-Men Origins: Wolverine“ der Fall. Der Rückbezug zu „X-Men 3“ tritt immer nur dann in Erscheinung, wenn Logan von seiner verstorbenen Flamme Jean Grey träumt, von ihm selbst umgebracht, als sie als Phoenix ihre Kräfte nicht weiter unter Kontrolle halten konnte. Dies ist nun Wolverines seelische Last, wie sie inzwischen jeder Filmsuperheld zu tragen hat. Wer wiederum einen Bezug zu „X-Men: Days of Future Past“ sucht, wird dies im Film selbst vergeblich tun. Mangold versteht die inzwischen gängige Marvel-Regel, dem Publikum auch nach dem Abspann noch eine Szene zu schenken, die im besten Serienformat als Cliffhanger zu einem kommenden Marvel-Projekt funktioniert.

Rila Fukushima als Yukio

Rila Fukushima als Yukio

Bis zu diesem Punkt hat Mangold eine umfangreiche Geschichte gesponnen, die Hugh Jackman zum sechsten Mal die Rolle Wolverines ausleben lässt, vielleicht so gut wie nie zuvor – obwohl ihm sein Gastauftritt in „X-Men: Erste Entscheidung“ hoch angerechnet werden muss. Hier nun lebt er zurückgezogen in den kanadischen Wäldern und schützt mehr oder weniger hilflose Bären sich gegen die örtlichen Möchtegern-Jäger zu behaupten. Bei einer Auseinandersetzung in einer Kneipe, stößt die Mutantin Yukio zu ihm, die den Tod voraussehen kann. Sie repräsentiert Yashida, das Oberhaupt eines Technologiekonzerns. Dieser wurde einst in Nagasaki von Wolverine vor der Atombombe gerettet und möchte ihm nun seinen größten Wunsch erfüllen: Logan soll sterblich werden, seine seelischen Qualen ein Ende finden. Hierfür will der an Krebs erkrankte und im Sterben liegende Yashida die Heilkräfte des Mutanten auf sich selbst übertragen.

Wolverine verneint, wird des Nachts jedoch von der giftigen Mutantin Viper, einer Doktorin im Dienste Yashidas, aufgesucht, die ihm ein Transplantat einpflanzt, dass seine Kräfte unterdrückt. Ausgerechnet jetzt wird er in einen Familienkrieg involviert, bei dem es um die Erbschaft der Firma Yashidas geht und bei dem Samuraikrieger und Ninjas Wolverine nach dem Leben trachten.

Damit hat James Mangold diesen „Wolverine“ zu dem Stand-Alone-Film gemacht, den man als Comicfreund beruhigt konsumieren kann. Im Fokus steht Logan, der von Darsteller Hugh Jackman im Laufe der Jahre immer tiefgründiger gestaltet wurde. Er ist der harte Einzelkämpfer, der immer im richtigen Moment einen lockeren Spruch parat hat, der scheinbar perfekt in das Drehbuch hinein gesetzt wurde, weder wie ein Lückenfüller, noch wie ein zwanghafter One-Liner wirkt. Hugh Jackman spielt diese Figur inzwischen mit routinierter Lockerheit.

Svetlana Khodchenkova als Viper

Svetlana Khodchenkova als Viper

Eine starke Ergänzung fürs X-Universum bildet dabei die kleine, extravagant anmutende Yukio, als kleines Manga-Mädchen vom japanischen Modemodell Rila Fukushima dargestellt. Man mag es sich als äußerst schwer vorstellen, als Spielfilm-Debütantin neben Hugh Jackman zu bestehen, wenn dieser sich gerade zum wiederholten Male in Wolverine-Laune spielt. Aber Fukushima gelingt es eine Form von besonderer Eigenpräsenz zu entwickeln, die auch neben Jackman Bestand hat. Weniger trifft das auf die Russin Svetlana Khodchenkova zu, die als Viper viel zu wenig Leinwandzeit zugeschrieben bekommen hat, als dass sie ihre Figur wirklich ausleben könnte. Woher genau die Bedrohung für Wolverine kommt, dass mag man nie genau ausmachen. Mal ist es Viper, dann seine eigene vermeintlich erzeugte Sterblichkeit, dann wieder ein riesiger Samurai-Roboter, der Wolverine nach seinen Krallen trachtet. Der größte Antagonist bleibt Logan selbst. Man merkt wie das Drehbuch ihm die verschiedenen Gegner nur serviert, um das Publikum zu bedienen. Hier wird immer wieder Action eingestreut, die gar nicht nötig gewesen wäre. Eigentlich möchte „Wolverine: Weg des Kriegers“ viel kleiner sein, viel intimer, viel persönlicher. Dass hätte aber vermutlich der Finanzabteilung des Produktionsstudios nicht sonderlich gemundet.

Dennoch bleibt „Wolverine“ ein zurückhaltender Film. Wenn der Man of Steel ganze Städte in Schutt und Asche legt, die Avengers ebenso auf Zerstörungskurs gehen, dann ist Wolverine das innere Kammerspiel eines Superhelden. Für Actionerwartungen werden dann kleine Häppchen geliefert. Ein Kampf auf einem Hochgeschwindigkeitszug, bei dem Wolverine mit Hilfe von Fliehkräften das Fliegen lernt. Oder sein Sturm auf eine Pagode, bei dem er von mehreren Bogenschützen im Zaum gehalten werden soll. Nach solchen kurzen Adrenalinschüben widmet sich Mangold aber immer wieder seinem Protagonisten.

Und am Ende, wenn sein Abenteuer durchstanden ist, dann wartet wieder eine Atombomben-ähnliche Bedrohung auf ihn, angedeutet durch den Namen einer Firma, die in der Zukunft für den Bau der Mutanten bedrohenden Sentinels verantwortlich ist. Dann findet sich Wolverine ganz schnell wieder unter seinesgleichen wieder, wenn zwei besonders starke Vertreter der Gattung Mutant ihn aufsuchen und um Hilfe bitten.

 


Wolverine_Hauptplakat

“Wolverine: Weg des Kriegers“

Originaltitel: The Wolverine
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 126 Minuten
Regie: James Mangold
Darsteller: Hugh Jackman, Tao Okamoto, Rila Fukushima, Hiroyuki Sanada, Svetlana Khodchenkova, Brian Tee, Hal Yamanouchi, Will Yun Lee, Famke Janssen

Deutschlandstart: 25. Juli 2013
Im Netz: wolverine-wegdeskriegers.de


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