Filmkritik

“Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2” von Cody Cameron & Kris Pearn

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Flint Lockwood traut der kleinen Erdbeere nicht, die sich recht schnell mit Reporterin Sam Sparks angefreundet hat.

Flint traut der kleinen Erdbeere nicht, die sich recht schnell mit Reporterin Sam Sparks angefreundet hat.

Steve Jobs war sicherlich kein böser Mann. Man mag ihn als Visionär und/oder Geschäftsmann mit einem Blick für die Zukunft sehen, aber nicht als spitzbärtiges Schurkenindividuum. Das sehen die beiden Regisseure Cody Cameron (Jagdfieber 3) und Kris Pearn aber wohl etwas anders. Sie haben ihren Wolkig mit Aussicht für Fleischbällchen 2 Gegenspieler Henry V, ein Schokoriegel-Business-Genie mit Hang zu holografischen Selbstbildnissen, ganz dem Apple-Mitbegründer nachempfunden, ihm einen Spitzbart verpasst und zur Personifizierten Darstellung der freundlosen Digitalgesellschaft gemacht. Das kommt der Handlung zu Gute, die ähnlich wie James Camerons Avatar oder der Ur-Sage von Pocahontas und John Smith vom Kampf der Natur (in diesem Fall Lebensformkreuzungen aus Tier/Nahrungsmittel) gegen eine technologische Übermacht erzählt.

Das ist eine besondere Herausforderung für den Technik-affinen Erfinder Flint Lockwood, die Hauptfigur der Wolkig-Filmabenteuer, die auf der amerikanischen Kinderbuchreihe von Judi und Ron Barrett basieren. Gerade hat er die Strapazen des ersten Teils hinter sich gelassen, die Welt gerettet und seine Wasser-zu-Essen-Maschine zerstört, schon ereilt ihn die Erkenntnis, dass seine Erfindung noch irgendwo in der alten Heimat verborgen liegt und aus Nahrung lebende Geschöpfe erschafft. Als dann sein großes Idol aus Kindheitstagen, eben jener Chester V, mit gespielter Freundlichkeit an ihn herantritt und ihn bittet, die Maschine zu bergen, macht sich Flint, hin und weg von dem ihm entgegen gebrachten Vertrauen, mit seinen Freunden – Reporterin Sam Sparks, Kameramann Manny, Vater Tim Lockwood, Hühnchenmann Brent McHale, Polizeimann Earl Devereaux und Affe Steve – auf den Weg in einen Dschungel voller Naschtiere (Foodimals im Original).

Flint mit seinen Freunden im Urwald, der einmal ihr Zuhause war und jetzt von Naschtieren bevölkert wird.

Flint mit seinen Freunden im Urwald, der einmal ihr Zuhause war und jetzt von Naschtieren bevölkert wird.

Jener Chester V ist wohlmöglich auch der größte Störfaktor des Films, der ansonsten auf die bunt-grelle Hyperaktivität, selbst kommentiert durch den überhöhten Kaffeekonsum Flints, des ersten Teils setzt, hinter dessen Qualitäten er zwar ein wenig zurückbleibt, dennoch aber beste Unterhaltung bietet. Chester V ist leider omnipräsent, nicht nur durch zahlreiche Hologramme, die er unentwegt von sich selbst um sich herum schwirren lässt. Die Handlung hätte auch ebenso ohne diese Randfigur, die sich in den Vordergrund drängt, vorangetrieben werden können, mit all den Shrimpansen, Nilpfertoffeln, Wassermelofanten, einer Frittantula oder den Tacodilen geht die eigentliche Faszination von der Beschaffenheit dieser außergewöhnlichen Naturbilder aus, die Jurassic Park in Erinnerung rufen, vor allem den Moment, in dem zum ersten Mal die ungewöhnlichen Geschöpfe erblickt werden. Sowohl in Steven Spielbergs Dino-Abenteuer als auch in der Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen-Fortsetzung ein Augenblick, der die Münder offen stehen lässt.

Der Humor ist ebenso überdreht, keine Szene kommt ohne eine Grimasse, eine komische Bemerkung oder ähnlichem aus. Selbst wenn die moralische Nachricht formuliert wird: Freundschaft und Familie sind die wichtigsten Güter der Welt, weiß der Film dies noch theatralisch-lustig, nicht die Geschwindigkeit der Erzählung unterbrechend, zu zeigen. Das macht Wolkig 2 zu einer weitaus schöneren und schnelleren Geschichte als manch anderen Film.

Flint trifft auf sein Idol Chester V und dessen Primat Barb.

Flint trifft auf sein Idol Chester V und dessen Primat Barb.

Dann ist da noch das Übermaß an Niedlichkeit, dem man sich nun wirklich nicht mehr entziehen kann. Mit großen Kulleraugen schaffte es schon der gestiefelte Kater in den Shrek-Filmen von seiner kratzbürstigen Seite abzulenken, die Minions in Ich – Einfach Unverbesserlich sind so putzig, dass sie gar einen eigenen Film spendiert bekommen sollen. Hier nun gibt es traurige Tomaten, die einfach nur Tomaten sind. Erdbeeren die im wahrsten Sinne des Wortes die pure Süße verkörpern, und ein Eingeborenenstamm von Sardinen-süchtigen Gewürzgurken scheint den Minions gar den Rang ablaufen zu wollen – aber da behalten dann doch die Erdnusswesen die Oberhand. Auch ein riesiges Spinnen-Hamburger-Ding, dass sich wie ein Hund auf die Seite wirft um sich am Bauch kraulen zu lassen, erschleicht sich hier die Uuhs und Oohs der Zuschauerschaft.

Dass diese putzigen Geschöpfe dann von Chester V ausgelöscht werden sollen, wirkt nicht nur wie ein Kampf Natur gegen Technik, sondern sogleich auch wie das Aufzeigen des Wertes von gutem Essen. Während der Oberschurke eine schlichte Verarbeitung dieser liebreizenden und gut schmeckenden Nahrungslebewesen vorsieht um seine Schokoriegen aufzuwerten, möchte man selbst lieber eine Erdbeere umarmen und adoptieren als sie zu vernaschen.

 


Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2_Filmposter

“Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“

Originaltitel: Cloudy with a Chance of Meatballs 2
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 95 Minuten
Regie: Cody Cameron & Kris Pearn
Synchronstimmen: Robin Kahnmeyer, Palina Rojinski, Sebastian Schulz, Thomas Nero Wolff, Karl Schulz, Bernhard Völger, Leo Vornberger, Axel Lutter, Cindy aus Marzahn

Kinostart: 24.Oktober 2013
Im Netz: fleischbällchen2.de


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