Filmkritik

Whiplash

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Noch nie hat die Phrase „mit Blut, Schweiß und Tränen“ besser gepasst als in Whiplash. Der Film erzählt von einem begeisterten Schlagzeuger, der auf einen Lehrer trifft, der ihm alles – aber wirklich alles – abverlangt. Und damit ist keine bloße Überforderung des Schülers gemeint, sondern ein sadistisches Machtspiel, bei dem weder Schüler noch Lehrer klein beigeben wollen. J. K. Simmons, der schon in Sam Raimis Spiderman-Trilogie als kolerischer J. Jonah Jameson brüllen, schreien und toben durfte, überbietet dies noch einmal mit manisch-irrwitzigen Zügen. Wenn er schreit, dann wollen selbst wir uns vor ihm verstecken.

Wenn dieser Mann näher kommt, dem Teenager den er unterrichtet oder uns auf der Kinoleinwand, dann möchte man zurückweichen. Wenn er Miles Teller, der diesen Teenie spielt, die Tränen in die Augen treibt, wollen wir den Jungen bei der Hand packen und ihn aus dem Umfeld dieses Mannes herausziehen. Und wenn Teller dann mit seinen blutigen Händen trotzdem weiter auf den Drums spielt um seinem Lehrer den Beweis abzuliefern, dass er ein begnadeter Spieler ist, dann sitzen und starren wir, dann pocht unser Herz im Rhythmus des Getrommels. Und das Pochen wird schneller und schneller.

Miles Teller spielt Andrew, ein Junge der ganz nach seinem Vater kommt. Bei gemeinsamen Kinoabenden wird diesem schon mal eine Popcorn-Tüte gegen den Kopf geschlagen, woraufhin der kleine Mann sich eher innerlich ärgernd sitzen bleibt ohne auch nur ansatzweise die Konfrontation zu suchen. Sein Sohn ist ähnlich ausweichend, zeigt sich konfliktscheu und nimmt lieber Umwege in Kauf um möglichst leise und ungesehen zu irgendeinem Ziel zu gelangen. Dagegen steht schon bald J. K. Simmons als Fletcher, der geradeheraus sagt was er meint, der von oben bis unten in schwarz gekleidet ist und keinerlei Gesichtszüge zeigt, bis er ausflippt und wütend wird – was nicht selten vorkommt. Er ist autoritär, ein Perfektionist, präzise und die meiste Zeit verbringt er damit, die Menschen in seinem Umfeld zu beleidigen und zu schikanieren.

J. K. Simmons erschafft hier eine Figur, durch die man sich auch als Zuschauer unter Druck gesetzt fühlt. Man möchte seine Erwartungen erfüllen, baut zugleich aber diesen unermesslichen Hass auf. Aufstehen und wegrennen ist ein Gedanke, der immerzu präsent ist. Aber Miles Tellers Andrew bleibt stark, widersetzt sich diesem vermutlich äußerst starken Drang einfach zu verschwinden. Er möchte sich seine Leidenschaft nicht nehmen lassen, setzt seinen Widerwillen gegen sich selbst ein um hier standhaft zu bleiben und auszuharren.

Whiplash zeigt uns dann auch, wie wichtig doch der Abspann eines Films ist. Nicht, weil dort all die talentierten Menschen aufgeführt werden, die diesen Film erschaffen haben, sondern weil wir einfach diese Zeit benötigen, um das rasend-pochende Herz wieder runterkommen zu lassen.

Whiplash läuft ab dem 19. Februar 2015 in den Kinos.

Habt ihr den Film gesehen oder noch vor ihn zu sehen? Kennt ihr vielleicht wirklich solche Lehrer, die fast sadistische Maßnahmen ergreifen um euch zum Äußersten zu treiben? Hinterlasst eure Gedanken in den Kommentaren und auf geht’s zur heiteren Diskussion. Ihr könnt mir auch gerne auf @Facebook oder @Twitter schreiben.

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