Filmkritik

“Rock of Ages” von Adam Shankman

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© Warner Bros. / Julianne Hough als Sherrie Christian und Diego Boneta als Drew Boley in “Rock of Ages”

I love rock ‘n’ roll, I wanna rock, rock you like a hurricane, we built this city…on rock ‘n’ roll. Any way you want it…die Nachricht von Regisseur Adam Shankman ist eindeutig: der Rock lebt in seiner Broadway-Musical Verfilmung „Rock of Ages“ weiter. Mit Musikstücken von Def Leppard, Foreigner, Journey, Poison oder den Twisted Sisters katapultiert der „Hairspray“-Remake Regisseur die Zuschauer mit seiner Ode an die Rockmusik – und einem Seitenhieb gegen den 90er Jahre Boyband-Hype – die Zuschauer zurück ins Ende der 80er Jahre, wo der Glam-Rock seinen Höhepunkt erlebte.

Und es beginnt mit dem Kleinstadtmädchen Sherrie (Julianne Hough), die 1987 am Sunset Strip in Los Angeles ihr Glück versuchen möchte. Kurz nach ihrer Ankunft wird sie bereits ausgeraubt, trifft dadurch aber auf den Musiker Drew (Diego Boneta). Gemeinsam träumen sie von einer Karriere auf der Rockbühne des Bourbon Room, der vom Alt-Rocker Dennis Dupree (Alec Baldwin) geleitet wird. Während Sherrie und Drew hier ihre Zeit genießen, wird vor den Türen des Clubs gegen die teuflische Rock-Musik demonstriert. Angeführt von der Bürgermeistersfrau Patricia Whitmore (Catherine Zeta-Jones), ist diese konservative Gruppierung der Meinung, dass der Bourbon Room ein schlechtes Beispiel für die Jugend der Stadt wäre. Dupree fürchtet um den Fortbestand seines Clubs, will aber mit dem letzten Auftritt der Rock-Legende Stacee Jaxx (Tom Cruise) das nötige Geld reinholen, um die Schließung abzuwenden.

Alec Baldwin (links) und Russell Brand (rechts)

Die Handlung weicht natürlich nicht von anderen Paradebeispielen wie „Coyote Ugly“ oder „Burlesque“ ab, wird aber durch Alec Baldwins Dennis Dupree schön karikiert, wenn dieser der Drehbuchzeile folgt und fragt, ob denn niemand mehr einfach nur in einer Bar arbeiten wollen würde. Denn auch in seinem Bourbon Room tummeln sich mehr als nur ein Nachwuchstalent, dass es auf die Bühne eben dieses Rockschuppens schaffen möchte. So melden sich gleich eine Handvoll Putzkräfte und brechen in Jubelgeschrei aus, als Dupree dem Jungmusiker Drew und seiner Band – eben diese Putzkolonne – als Vorband von Stacee Jaxx engagiert. Aber wozu auch eine besonders einfallsreiche Handlung abliefern, wenn das Hauptaugenmerk doch auf der Musik liegen soll. Und die ist bei Regisseur Adam Shankman immer ganz besonders ausgeprägt. Ähnlich wie in seinem „Hairspray“-Remake von 2007 wird mehr gesungen als geredet, schon allein die Eröffnungsnummer von Hough, Boneta sowie Baldwin und Russell Brand erzählt in Gesangsform von diesen vier Figuren, dem Sunset Strip, der Rockmusik und dem Bourbon Room. Da bedarf es dann keiner unnötigen Dialoge mehr, hier wird fröhlich vor sich hin gerockt. Auch darüber hinaus werden schnell Ähnlichkeiten zu „Hairspray“ deutlich: Shankman verstrickt erneut ein Zeitalter mit seiner musikalischen Identität, treibt die Verfechter eines Genres in den Kampf gegen die ablehnende Gesellschaft und erschafft damit eine wunderbar herrliche Atmosphäre, in der sich die Rock- und Musical-Fans wohl fühlen werden.

Den kleinsten Beitrag hierzu leistet Schauspieler Bryan Cranston. Das soll aber keine Kritik an seiner Arbeit sein, sondern nur die merkliche Tatsache, dass seine Figur des Bürgermeisters Mike Whitmore, gestraft mit einer manischen Ehefrau, keinen Gesangston hervorbringt. Die einzige Soundkulisse die von ihm ausgeht, ist das Klatschen einer Peitsche auf seinen Po, womit er beim Sexspiel zumindest einen musikalischen Hintergrundsound abliefert. Ansonsten haben sich alle Darsteller vor das Mikro getraut. Alec Baldwin und Paul Giamatti trauen sich weniger, werden aber immer wieder gut durch ihre Gesangspartner aufgefangen und nicht mit ihren stimmlichen Leistungen allein gelassen. Natürlich bringen Russell Brand, der selbst eine Musikkarriere vorzuweisen hat, Catherine Zeta-Jones („Chicago“) und Hauptdarstellerin Julianne Hough, eine Country-Musikerin die ihre ersten Schauspielerfahrungen in „Burlesque“ und im „Footlose“-Remake machen durfte, schon Vorerfahrung beim Gesang mit in den Film. Aber auch Tom Cruise, Malin Akerman und Diego Boneta liefern hörbare Gesangsstücke ab.

Catherine Zeta-Jones mit ihrer Tanzgruppe Rock-hassender Frauen

Dabei versucht sie niemand in den Vordergrund zu spielen, als alleiniger Megastar da zu stehen, obwohl Cruise durch die Rocklegende Stacee Jaxx natürlich die Möglichkeit hierzu geboten bekommen hat. Er nutzt seine Rolle natürlich aus um eine exzentrisch, erinnerungswürdige Darstellung abzuliefern, beweist sich nach dem vierten „Mission: Impossible“-Film aber erneut als Team-Player. So teilt er sich auch hier die Rockbühne mit seinen beiden Jungstars, bekommt aber – zugegeben – die längsten, aber auch langatmigsten, Szenen zugeschoben, bei denen er nicht singen darf, sondern seiner Figur Stacee Jaxx im Interview mit Malin Akermans „Rolling Stone“-Reporterin etwas Tiefe verleihen soll. Die konsequente Antwort ist Akermanns Zunge in Cruises Ohr, die zweite von drei amüsanten Liebesgeschichten in „Rock of Ages“. Die dritte Love-Story soll nicht verraten werden, sie ist zu amüsant um sie achtlos vorweg zu nehmen.

„Rock of Ages“ ist Wohlfühl-Kino in seiner besten Form. Adam Shankman nimmt sich Zeit, seine Figuren in der Musik baden zu lassen. Die Auswahl reicht von „Paradise City“ gesungen von Tom Cruise, über Catherine Zeta-Jones‘ „Hit Me With Your Best Shot“ bis hin zu Julianne Hough und Diego Bonetas „Waiting For A Girl Like You“. Dabei werden Songs vermischt, neu interpretiert aber auch in ihrer ursprünglichen Form gerockt. Dabei haben die „Großen“ immer ein Auge auf den Film: Constantine Maroulis, der die Figur Drew im Original-Broadway-Stück spielt, singt einen Teil von „Any Way You Want It“ und Skid Row-Frontmann Sebastian Bach sowie Musikerin Debbie Gibson tauchen in dem Mix-Up von „We Build This City“ und „We’re Not Gonna Take It“ auf – und Extreme-Gitarrist Nuno Bettencourt, die Singer-Songwriterin Porcelain Black und REO Speedwagon-Mitglied Kevin Cronin sind in weiteren Gastauftritten zu sehen. Der Film entführt erfolgreich in die schillernde Rockwelt des Sunset Strips Ende der 80er Jahre. Es macht Spaß den Darstellern beim rocken zuzusehen, ein jeder scheint hier eine großartige Zeit gehabt zu haben. Da verzeiht man es Tom Cruise auch, wenn er mit vergoldeten Metall-Drachenkopf-Höschen seine Scham bedeckt und ein unschönes Bild ins Gedächtnis brennt. Shankman will dem Rock Ehrerbietung erweisen. Das schafft er und die Zuschauer haben auch noch Spaß dabei.

Denis Sasse

”Rock of Ages”

Originaltitel: Rock of Ages
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 123 Minuten
Regie: Adam Shankman
Darsteller: Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise, Malin Akerman, Paul Giamatti, Alec Baldwin, Russell Brand, Bryan Cranston, Catherine Zeta-Jones, Will Forte, Mary J. Blige, Eli Roth, T. J. Miller

Deutschlandstart: 14. Juni 2012
Offizielle Homepage: rockofagesmovie.warnerbros.com

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