Filmkritik

“Warm Bodies” von Jonathan Levine

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© Concorde Filmverleih GmbH / Nicholas Hoult und Teresa Palmer

© Concorde Filmverleih GmbH / Nicholas Hoult und Teresa Palmer

„O Romeo! Warum denn Romeo? Verleugne deinen Vater, deinen Namen!“…so steht es bei William Shakespeare geschrieben. Zugegeben, die beiden Protagonisten in Regisseur Jonathan Levines („50/50 – Freunde fürs (Über)leben“) neuem Film „Warm Bodies“ tragen nur ähnliche Namen wie Shakespeares Vorbilder: Julie und kurz R, letztgenannter muss seinen Namen gar nicht weiter verleugnen, hat er ihn doch schlicht vergessen. Aber immerhin kommt es auch zu dieser schnulzigen Balkonszene, in der die Ursprungsworte fallen, eine Reminiszenz auf die wohl tragischste Liebesgeschichte der Literatur. Im Film ist die Tragik derweil ganz woanders begründet. Denn der moderne Romeo muss sich nicht erst noch Gift einflößen, er ist bereits von Beginn an tot, schlurft als lebender Leichnam durch seinen höchst untoten Alltag, immer begleitet von seinem eigenen inneren Monolog, den er zwar nicht artikulieren kann, mit dem er dennoch seinen eigenen, verwesten Zustand ironisch kommentiert.

R (Nicholas Hoult) lebt in einer post-apokalyptischen Welt und hat es mit seiner Zombie-Clique auf die letzten überlebenden Menschen abgesehen, die sich hinter einem riesigen Schutzwall versteckt halten. Dann kommt es aber zu einer folgenschweren Begegnung mit einer Gruppe von Teenagern. Er verliebt sich in Julie (Teresa Palmer), deren Ex-Freunds Gehirn soeben auf seiner Speisekarte stand. Kurzerhand entführt er die Angebetete und bringt sie in seinen Unterschlupf, ein ausrangiertes Flugzeug auf dem nahegelegenen Flughafen. In den folgenden Tagen wird Julie klar, dass R kein normaler Zombie ist, sondern immer mehr menschliche Züge entwickelt. Jedoch muss sie flüchten, als die widerwärtigen Knochen, vor denen selbst die Zombies Respekt haben, ihr auf die Schliche kommen. So schlägt sie sich allein zu ihrer Kolonie durch, wo General Grigio (John Malkovich) mit eiserner Hand die Tötung aller Untoten vorantreibt. Damit begibt sich R in höchste Gefahr, denn natürlich macht sich der verliebte Leichnam auf den Weg zu Julie.

Teresa Palmer und Nicholas Hoult in "Warm Bodies"

Teresa Palmer und Nicholas Hoult in “Warm Bodies”

Nun mag man als geneigter Zombie-Film-Gucker vermutlich vor Angst erzittern, was denn aus den sonst so brutal-gehirnlosen Untoten hier gemacht wurde? Aber für die Verharmlosung dieser Wesen, die man wohl kaum verleugnen kann, setzt der Film dann noch die Knochen ein. Dabei handelt es sich um hoffnungslose Fälle, um Zombies die auch ihren letzten Lebenswillen verloren haben, sich die Resthaut vom Leib reißen und damit nicht nur den Menschen Angst einflößen, sondern eben auch der Zombie-Kommune. Diese Knochen ändern sich dann natürlich nicht zum Guten, sind das pure Böse, denn so sagt der Film, wer keinen Willen zum Leben vorzuweisen hat, der verspielt auch seine letzte Chance auf die großen Gefühle. Auf der anderen Seite stehen nun die Zombies, gar nicht mehr so böse. Die beiden ersten Vertreter dieser neuen Form von Untoten werden von Nicholas Hoult und Rob Corddry gespielt, sie verbreiten unter Ihresgleichen die Nachricht, dass „wir“ uns ändern können. Mit einem Restgefühl verbleibend, sind nun also auch diese Problemfälle in der Lage, zu besseren Menschen – oder Wesen – zu werden, wenn sie sich nur ordentlich anstrengen. Oder im Falle von R, wenn man sich ordentlich verliebt, sich Erinnerungen und Träumen hingibt, ganz untypische Dinge für einen Zombie.

Kritik darf berechtigt geäußert werden, denn wie schon „Twilight“ zuvor entmonstert der Film eine klassische Filmfigur, die schon viele Jahrzehnte für eine Horrorfilmkultur verantwortlich ist, die sich jüngst auch mit „The Walking Dead“ auf die Fernsehbildschirme ausbreitete. Dann aber kann man sich beruhigt auf diese Zombie-Version einlassen, denn Jonathan Levine vollführt diese Sinneswandlung wunderbar, kommentiert das Genre selbstironisch und hält sich nicht zurück gängige Zombie-Klischees umzukrempeln. Damit kommt dann auch der Gedanke an Edgar Wrights „Shaun of the Dead“ auf, nur eben mit einem romantischen Hintergrund. Das entwickelt sich unter der Obhut von Levine dennoch zu einer ordentlichen Verfilmung des gleichnamigen Romans von Isaac Marion, bei dem die Geschichte eben nicht so sehr ins schnulzig romantische abdriftet, als dass ein Direktvergleich mit den Verfilmungen der Stephenie Meyer Vampir/Werwolf-Schmonzette gegeben wäre.

Nicholas Hoult mit Rob Corddry

Nicholas Hoult mit Rob Corddry

Zudem holt Levine aus seinen Darstellern weitaus bessere Leistungen hervor, als es beim Glitzer-Vampir und Schmuse-Wolf der Fall war. Hoult verleiht seinem Zombie R mit seinen stets unkontrolliert umher wippenden Armen ein illustres Schlurfspiel, während Teresa Palmer in dieser Postapokalyptischen Welt aus dem netten Blondchen eine willensstarke junge Frau macht. Beide Protagonisten bekommen unterstützende Freunde an die Seite gestellt (Rob Corddry („Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“) für Hoult und Analeigh Tipton („Crazy, Stupid, Love“) für Palmer) und John Malkovich darf sich nach eher komödiantischen Auftritten á la „R.E.D.“ und „Transformers 3“ endlich mal wieder in der Rolle des knallharten Kerls zeigen, trifft damit genau den richtigen Ton um dem Film auch noch ein Anti-Zombie-Arschloch hinzuzufügen, ein „Alles-wird-gut“-Gegengewicht.

Was der Film nicht braucht ist derweil ein definitiver Grund für die Zombie-Apokalypse. In einer kurzen Rückblick-Sequenz schwärmt sich R nur kurz in die Welt zur Zeit der Lebenden zurück, stellt sich bildlich vor wie diese wohl gewesen sein muss. Dann schwirren sie dort herum, all die Menschen, die sich gegenseitig ignorierend, wie Zombies auf ihre kleinen elektronischen Geräte starren. In einem weiteren Moment erklärt R seiner Julie, dass Schallplatten weitaus schöner sind als die digitale Moderne, weil sie schlicht lebendiger klingen. Und wenn sich der Film dann dem Ende nähert, den Zombies wieder beigebracht wurde, das Leben zu leben, dann sieht das bei Jonathan Levine wie folgt aus: Baseball oder Fangen spielen, sich miteinander unterhalten. Hier ist kein iPod in Sicht, womit dem Film dann noch der Dreh hin zum klassischen Zombiefilm gelingt, der bereits in seiner Frühzeit als Kritik auf die damals konsumgierige Gesellschaft verstanden wurde.

 


Warm Bodies_Hauptplakat

“Warm Bodies“

Originaltitel: Warm Bodies
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 98 Minuten
Regie: Jonathan Levine
Darsteller: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, Analeigh Tipton, Rob Corddry, Dave Franco, John Malkovich

Deutschlandstart: 21. Februar 2013
Offizielle Homepage: warmbodies-derfilm.de


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