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Grimassen schneiden in Spielfilmlänge in WAR MACHINE mit Brad Pitt

Wenn man sich Brad Pitt im Netflix Original War Machine anschaut, muss man unweigerlich zuerst – sofern bekannt – an den amerikanischen Comic-Strip Beetle Bailey denken, in dem Cartoonist Mort Walker von einem trotteligen Soldaten erzählt. Vielleicht steckt auch ein bisschen Elmar Fudd in Vier-Sterne-General Glen McMahon, den Pitt hier unter der Regie von David Michôd (Königreich des Verbrechens) verkörpert.

Basierend auf dem realen General Stanley McChrystal, soll McMahon als Mann mit Auszeichnungen aus West Point und Yale nach Afghanistan geschickt werden, um dem dort tobenden Krieg ein Ende zu setzen. Das Drehbuch stammt ebenfalls von Michôd, der sich hierfür das Sachbuch “The Operators” von Michael Hastings als Vorlage genommen hat.

Neben Brad Pitt spielen Ben Kingsley (als ehemaliger Präsident von Afghanistan Hamid Karzai), Topher Grace (als Presseberater Matt Little), Anthony Michael Hall (als Major General Greg Pulver), Scoot McNairy (als Rolling Stone-Journalist Sean Cullen), Will Poulter (als Sgt. Ricky Ortega), Alan Ruck (als amerikanischer Botschafter Pat McKinnon in Afghanistan), Tilda Swinton (als deutsche Politikerin) und Russell Crowe (als General Bob White).

War Machine
Brad Pitt als General Glen McMahon in WAR MACHINE

So groß und beeindruckend die Namen auf der Besetzungsliste auch erscheinen mögen, War Machine ist gänzlich um Brad Pitt herum aufgebaut, der seinen Hardliner-General spielt, als habe er nichts zu verlieren – und damit ist Pitt als Schauspieler gemeint. Es fehlt seiner Figur an jeder Ernsthaftigkeit. In jedem Moment könnte ihm aus dem Himmel ein Amboss auf den Kopf fallen und es würde uns als Zuschauer kaum verwundern.

Wäre Brad Pitts General McMahon ein Seemann, würde er Spinat in sich hinein schaufeln und Popeye-stark nach Afghanistan gehen. Seine Gesichtszüge reichen niemals an die reale Welt heran, an die uns der Film erinnern soll – oder von der er uns zumindest erzählen möchte.

Dann kommt auch noch Ben Kingsley hinzu, der zwar durchdringende dramatische Rollen spielen kann (man nehme natürlich seine 1982er Performance als Gandhi), hier aber viel mehr wie der Trottel-Schauspieler Trevor Slattery aus Iron Man 3 wirkt, der nur vorgibt ein Evil Genius zu sein.

Wäre der ganze Film von solchen Over-the-Top Cartoon-Figuren durchzogen, könnte man es als Muster auslegen, aber es bleibt bei Pitt und Kingsley – allenfalls der deutsche Akzent von Tilda Swinton darf noch als cartoony bezeichnet werden.

War Machine
Tilda Swinton in WAR MACHINE

Gerne möchte man nämlich all das in die Satire-Schublade stecken, aber es gelingt dem Film nicht, diesen Ton durchzuhalten. Manchmal macht er uns glauben, wir würden eine Vollblut-Komödie anschauen, im nächsten Moment finden wir uns in bedrohlicher Kriegslage wieder und sehen ein Drama.

Das mag bei anderen Filmen funktionieren, wo diese beiden Genres aufeinander abgestimmt sind. In War Machine wirkt es allerdings, als habe man zwei unterschiedliche Herangehensweisen an dieselbe Geschichte in einem Film verpackt.

Auch wenn Pitt versucht ein wenig Aldo Raine aus Inglourious Basterds in diese Rolle zu bringen, fühlt man sich allenfalls durch den Darsteller unterhalten, da er seit langer Zeit mal wieder eine etwas andere Figur verkörpert als all seine Durchschnittstypen aus By the Sea, The Big Short oder Allied.

Allerdings steckt er in einem Film fest, der gerne Männer, die auf Ziegen starren wäre, aber niemals an dessen satirische Raffinesse heranreicht. Stattdessen langweilt er uns durch Brad Pitts Grimassen schneiden in Spielfilmlänge.

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