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In dem Blumhouse Sci-Fi/Horror VIRAL infiziert ein Wurm die Menschheit

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In 2010 starteten die Filmemacher Ariel Schulman und Henry Joost mit ihrer Sundance Dokumentation Catfish ihre Karrieren als Regisseure. Die Doku war auf besagtem Festival durchaus umstritten, da einige Journalisten die Vermutung äußerten, es handele sich um gar keine reale Dokumentation, was von den Filmemachern dankend begrüßt wurde, da man sie damit zugleich großartige Drehbuchautoren nennen würde und die Darsteller dann wohl eine oscarreife Leistung abgeliefert hätten. Was auch immer hinter diesem Debüt wirklich steckt, es brachte Schulman und Joost in Hollywood voran: Paranormal Activity 3 und 4, als auch die Young Adult Sci-Fi Nerve stammen von ihnen, jetzt legen sie mit Viral nach.

In dem Horror Sci-Fi bricht ein Wurm-Virus aus, der einen Großteil der Menschheit dahinrafft. Die Schwestern Emma (Sofia Black-D’Elia) und Stacey (Analeigh Tipton) könnten unterschiedlicher nicht sein, müssen sich aber zusammenraufen, als die Wurm-Infektion die Menschen in Zombie-ähnliche Wesen verwandelt, denen es nach Fleisch dürstet. Als ihr kleines Dorf unter Quarantäne gestellt wird, verbarrikadieren sie sich zu Hause und hoffen die Apokalypse irgendwie zu überstehen.

Viral

Emma (Sofia Black-D’Elia) versucht zu überleben.

Wie bei so vielen Horrorfilmen dieser Tage, wurde auch Viral von Jason Blum und seiner Blumhouse Produktionsfirma auf den Markt geworfen, wo sich auch lukrative Reihen wie Paranormal Activity, The Purge oder Insidious wiederfinden lassen. Derweil haben Schulman und Joost nach einem Drehbuch von Barbara Marshall (Triple Dog, Wish Upon) und Christopher B. Landon gearbeitet, der denn auch Paranormal Activity 2 bis 4 sowie den Ableger Die Gezeichneten auf seiner Vita stehen hat.

Was bei Viral auffällt, sind die hervorragenden Darstellerinnen, die so in kaum einer anderen Horrorfilm-Produktion zu finden sind, die sich nach “schnell mal eben abgefilmt” anfühlt.

Analeigh Tipton – bekannt geworden durch Crazy, Stupid, Love – spielt wunderbar die bitchy Schwester, die zwar etwas zu Stereotyp-Badass geraten ist (Scheißegal-Haltung, lauter Sex, das Leben bedingungslos und ohne einen Gedanken an Konsequenzen verschwendet am genießen), aber gerade in der zweiten Hälfte des Films ihre Qualitäten als gute Schauspielerin vorzeigen darf, wenn ihre Rolle einen Zwiespalt erfordert, den die übliche Fließband-Darstellerinnen des Genres kaum glaubhaft hätten bewältigen können.

Viral

Emma (Sofia Black-D’Elia) hat eine unschöne Begegnung.

Besonders hervorstechen tut dann aber Sofia Black-D’Elia, durch deren Augen wir die komplette Handlung des Films erleben. Der Film wechselt nicht zwischen verschiedensten Figuren, zeigt uns das Ausmaß der Katastrophe an unterschiedlichen Punkten, aus unterschiedlichen Perspektiven, sondern hält sich an Emma, wodurch eine Personalisierung geschieht, die uns bis zu einem gewissen Grad emotional an ihre Familientragödie unter dieser Infektion teilhaben lässt.

Durch das Casting dieser beiden Damen wird der recht simpel gestrickte Film qualitativ aufgewertet, da sich die handelsübliche Menschheit-wird-dezimiert-Story in eine Geschichte verwandelt, in dessen Kern es um die Beziehung zwischen zwei Schwestern geht, die sich in einer Extremsituation beweisen müssen – also nicht nur sinnfreier Horror, sondern auch ein wenig Tragödie, die Schauspieltalent abverlangt.

Ohne mit großen Action-Momenten auszukommen, erinnert Viral damit ein wenig an den viel zu wenig beachteten Arnold Schwarzenegger/Abigail Breslin Zombiefilm Maggie, in dem sich ein sorgender Papa nicht von seiner Tochter trennen kann, die sich langsam in eine Untote verwandelt.

Mit eingepflegten Interview-Ausschnitten des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama möchte man dann noch einen gewissen Realitätsanspruch inszenieren, der absolut nicht notwendig gewesen wäre, wo an anderen Stellen dann wieder der widerwärtige Austausch von Körperflüssigkeiten praktiziert wird, wo man sich gegenseitig mit Blut ankotzt.

Die Kameraarbeit von Magdalena Górka kann sich mehr als sehen lassen, die Darstellerinnen liefert Leistungen ab, die uns in den Film ziehen, der zwar wenig originell daherkommt und ebenso wenig Horror-Momente zu bieten hat (ein paar unsinnige Jump Scares vielleicht), aber immer noch weitaus besser abschneidet als eine Vielzahl von heutigen Sequels, Prequels und günstigen Friss-und-Stirb-Produktionen.

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