Filmkritik

“Veronica Mars” von Rob Thomas

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Veronica Mars (Kristen Bell, rechts) hilft ihrer Jugendliebe Logan (Jason Dohring, links)

Veronica Mars (Kristen Bell, rechts) hilft ihrer Jugendliebe Logan (Jason Dohring, links)

Kein anderer Film als Veronica Mars beweist dieser Tage wohl mehr, das Fans die Macht über eine geliebte Fernsehserie übernehmen können. Nach drei Staffeln wurde die Serie um eine Detektiv-Teenagerin in 2007 von dem amerikanischen TV-Sender The CW für beendet erklärt, gefolgt von einer immensen Protestaktion, bei der Fans, die „Marshmallows“, dem Sender über 10.000 Mars-Riegel zukommen ließen, um ihre Sympathien für die gecancelte TV-Serie zu bekunden. Aber die Entscheidung wurde nicht rückgängig gemacht, Veronica Mars war beendet. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt als Serienschöpfer Rob Thomas die Fans dazu aufrief, über Kickstarter Geld für einen auf der Serie basierenden Film zu spenden, der dann völlig studiounabhängig produziert werden könnte. Zwei Millionen US Dollar, gab Thomas an, wären nötig um den Film zu realisieren. Dieses Ziel hatte er innerhalb von weniger als zehn Stunden erreicht. Am Ende seiner Kampagne waren es 5, 7 Millionen US Dollar, die er für die Auferstehung von Veronica Mars zur Verfügung hatte.

Und nun der Ausflug ins Kino (als der Film bereits fast fertig gestellt war, übernahm Warner Bros. den Kinovertrieb), in den USA zeitgleich auch per Onlinestream, als ob man beleidigt das Fernsehen umgehen möchte, das die Serie einst einstellte. Zu Recht! Natürlich hätte man über ein TV Special nachdenken können, es hätte die Fans vermutlich ebenso zufrieden gestellt, aber wo kein Sender ist, da ist auch kein Weg. Dieser Weg wurde nun von den Serienverantwortlichen selbst beschritten, wobei sie ihr Ursprungsmedium geschickt umschifft und den Fans dennoch das geben konnten, was sie so lange verlangt haben. Aber auch die Nicht-Serienkenner werden mitgenommen, es bleibt kein schlichter Liebhaberfilm. Es bleibt zwar nur ein kleiner Moment, aber die Kurzzusammenfassung der Serie zu Beginn, hilft zumindest ein wenig um in die Serienwelt einzutauchen. Manch ein Nichtkenner wird sich zwar erst einmal verwirrt fühlen, von den auftauchenden Figuren, die anfangs nicht weiter erklärt werden, doch die Verhältnisse werden sich im Verlauf des Films noch weiter verdeutlichen.

Kristen Bell kehrt als Veronica Mars nach Neptune zurück

Kristen Bell kehrt als Veronica Mars nach Neptune zurück

Da ist sie also wieder, Veronica Mars, gespielt von Kristen Bell, die in diesem Jahr auch Prinzessin Anna in Disneys Die Eiskönigin sprechen durfte, die ihre Zeit als Amateurdetektivin in ihrer fiktiven Heimat Neptune in Kalifornien eigentlich an den Nagel gehangen hatte. Inzwischen steht sie kurz vor ihrem Jura-Abschluss, hat bereits ein Vorstellungsgespräch bei einer noblen Anwaltskanzlei, die Mars nur zu gern unter Vertrag nehmen möchte. Da holt sie ihre Vergangenheit jedoch ein, sie wird zurück gerissen nach Neptune, wo ihre Jugendliebe Logan (Jason Dohring) in Schwierigkeiten steckt, der am Mord seiner Freundin beschuldigt wird. Sehr schön der Moment, in dem Veronica von der Beschuldigung in der Zeitung liest, untermalt im Hintergrund von einem Straßenmusiker, klassisch für die Fans in Szene gesetzt, spielt er auf seiner Gitarre die markante Titelmelodie We used to be Friends der Dandy Warhols. Solcherlei Fanmomente mögen unbemerkt für den Laien bleiben, der sich aber vermutlich am mitwippenden Fuß des Mars-Kenners orientieren kann: dieser Song ist wichtig für einen Marshmallow.

2007 mag noch nicht allzu lange her sein, dennoch machen sich im Film die Veränderungen bemerkbar. Veronica arbeitet auf einmal mit Tablet und Smartphone, YouTube hat sich auch in Neptune etabliert, Kommunikation findet über What’s App statt. Der Film setzt alles daran, die moderne Jugend an Veronica Mars von einst anzuknüpfen. Ansonsten ist alles beim Alten geblieben. Veronica tätigt ihre investigativen Ermittlungen, hegt einige romantische Gedanken, gibt sich als das Smart Mouth, das frech und forsch ihre Welt im Griff hat. Damit hat sie sich schon zu Fernseh-Lebzeiten neben Buffy der Vampirjägerin aufgestellt, auch die Neptune High kein Ort der normalen jugendlichen Aktivitäten. „Was hältst du bisher von der Neptune High? Sie befindet sich tatsächlich auf einem Höllenschlund!“ heißt es im Film passenderweise.

Rob Thomas, nicht nur Schöpfer der Serie, sondern nun auch Drehbuchautor und Regisseur des Films, lässt zugleich ein Klassentreffen an eben jener Neptune High stattfinden, damit er einen gebührenden Anlass hat, um all die Figuren der Serie noch einmal auftreten zu lassen. Veronicas Kumpel Wallace (Percy Daggs III), der einst in der ersten Episode den Satz verlauten ließ „You’re a marshmallow, Veronica“ und dadurch den Fans ihren Namen gab, ist inzwischen als Lehrer tätig, Navaro (Francis Capra) ist vom Biker zum Familienmensch geworden und Papa Mars (Enrico Colantoni) führt immer noch die heimische Detektivkanzlei.

Ist Logan unschuldig? Das gilt es herauszufinden.

Ist Logan unschuldig? Das gilt es herauszufinden.

Aber Veronica Mars macht einen gewagten, gar nicht so üblichen Schritt in ihrem Leben und der ganze Film folgt. So sehr sich die Figuren seit dem Serienende weiterentwickelt haben, so sehr entwickeln sie sich hier doch eher zurück als das sie den Schritt nach vorn wagen. Veronica nimmt ihre Jugendliebe wieder auf, ebenso wie ihren Job, lässt dafür das Jurastudium und den in Aussicht gestellten Job sausen. Sie pfeift auf das Erwachsenwerden um das zu tun, was ihr nun einmal am besten liegt. Diese Aussage manifestiert sich auch in Francis Capras Navaro, der seiner Biker-Leidenschaft für die Familie abgeschworen hat, am Ende aber doch wieder auf seinem Motorrad sitzt und mit der Gang durch die Straßen Neptunes fährt. Veronica Mars als Plädoyer fürs Nicht-Erwachsenwerden, für die Nicht-Entwicklung, für den Stillstand als Opferung für die Leidenschaft. Vielleicht ist das symptomatisch für eine Generation, die lieber das tut, was sie mag und dafür nur zu gerne auf die große Karriere verzichtet.

Damit ist am Ende wieder alles beim Alten im Veronica Mars Universum und von hieraus bieten sich zahlreiche Möglichkeiten Kristen Bell erneut in Neptune aktiv werden zu lassen. Rob Thomas hat bereits angemerkt, dass es in diesem Film mehr um die Menschen ging, in einer durchaus möglichen Fortsetzung soll dann der zu lösenden Kriminalfall im Mittelpunkt stehen, der hier zugegebenermaßen wirklich nur wie eine faule Ausrede daher kommt, um all die Neptune Charaktere wieder zu versammeln. „A long time ago, we used to be friends, but I haven’t thought of you lately at all“ heißt es bei den Dandy Warhols. Mit der Filmversion von Veronica Mars wurde diese Freundschaft nun wieder aufgefrischt.


Veronica Mars”Veronica Mars”

Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 107 Minuten
Regie: Rob Thomas
Darsteller: Kristen Bell, Jason Dohring, Enrico Colantoni, Chris Lowell, Percy Daggs III, Tina Majorino, Krysten Ritter, Martin Starr, Gaby Hoffmann, Jerry O’Connell, Francis Capra, Ryan Hansen

Kinostart: 13. März 2014
Im Netz: warnerbros.de/veronica_mars

Bilder © Warner Bros. Pictures Germany


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