Zoey Deutch (links) als Dhampir Rose und Lucy Fry (rechts) als Moroi Lissa in "Vampire Academy"
Zoey Deutch (links) als Dhampir Rose und Lucy Fry (rechts) als Moroi Lissa in „Vampire Academy“

Inzwischen ist es durchaus eine Frage wert: Werden Romane für Teenies nur noch als Reihen angelegt, damit die Filmmaschinerie sich dieser annimmt um jede daher gekommene Neuausrichtung einer Schmonzette für Jugendliche, oftmals mit übernatürlichen Elementen versehen um mehr schlecht als recht die eigentliche Natur der Geschichte zu verschleiern, auf der Leinwand erscheinen zu lassen? Oder stürzen sich Produzenten auf gut Glück auf eben diese Teenie-Romane, die auch ohne Hintergedanken als groß angelegte Serien publiziert werden? Es dürfte jedenfalls kein Zufall sein, dass die letzten Monate gleich einen ganzen Haufen solcher Filme hervorgebracht haben: Beautiful Creatures, Chroniken der Unterwelt und bald schon startet mit Divergent – Die Bestimmung der nächste Ableger dieses neu geschaffenen Genres. Ganz gleich ob nun die Autoren auf eine Verfilmung hoffen oder die Produzenten die nächste Romanreihe suchen, das eine bedingt doch irgendwie das andere. Der ewige Kreislauf, der oftmals zumindest filmisch dadurch gebrochen wird, dass nur selten Fortsetzungen das Licht der Kinoprojektoren erblicken.

So dürfte es auch der Vampire Academy ergehen, die dieser Tage ihre Pforten der Kinolandschaft öffnet. Basierend auf den gleichnamigen Romanvorlagen (in Deutschland unter dem Titel Blutsschwestern veröffentlicht) der amerikanischen Schriftstellerin Richelle Mead, jetzt verfilmt von Mark Waters (Freaky Friday, Girls Club, Die Geheimnisse der Spiderwicks), nimmt der Film es sich heraus, am Ende einen Kameraschwenk über eine noch kommende Bedrohung zu machen, bevor der Abspann das Ende des ersten Teils und die Ungewissheit über ein Sequel folgen lässt. Der Cliffhanger wiederum ist schon lange kein Garant mehr für die Fortführung eines Films. Dass darf man gerne Dakota Blue Richards fragen, die 2007 die Hauptrolle in Der Goldene Kompass spielte, der Auftakt zur His Dark Materials Trilogie, dessen zweiter und dritter Teil jedoch bis heute nicht gesehen ward. Ähnlich erging es Noah Ringer, der als Avatar Aang in M. Night Shyamalans Cartoonverfilmung bis heute auf einen weiteren Einsatz wartet. Beide Filme endeten mit Cliffhangern, die wohl niemals aufgelöst werden.

Rose mit ihrem Trainer Dimitri (Danila Kozlovsky)
Rose mit ihrem Trainer Dimitri (Danila Kozlovsky)

In Vampire Academy ist aber nicht nur das Ende holprig geraten, schon am Anfang wird der Zuschauer herausgefordert, verliert vielleicht sogar schon hier den Anschluss und damit das Interesse. Denn es dauert nur etwa fünf Minuten bis man selbst auf dem Lehrstuhl der Akademie sitzt und ein ganzes Dutzend von Vokabeln zu lernen hat, die für das Verstehen dieser Welt von Nöten sind. Da gibt es Moroi und Strigoi, zwei unterschiedliche Vampir-Gattungen, sowie Dhampire, die als Wächter der „Guten“ Vampire dienen. Solche Begrifflichkeiten schweben immer wieder durchs Bild, wenn sie denn gerade wichtig sind, unterlegt mit Erklärungen von Zoey Deutch, die eine Hälfte der Hauptprotagonistinnen, die als Dhampir Rose ihre Freundin Lissa (Lucy Fry) beschützt. Diese soll nämlich schon bald als Oberhaupt der Moroi auftreten, die aktuelle Königin ablösen, was eine Reihe von Einschüchterungsversuchen und Mordanschlägen an der Akademie nach sich zieht.

Das taugt als schöner Mix aus Scooby Doo und Buffy, der Vampirjägerin, erinnert in seiner Durchführung allerdings eher an Liebeleien à la Gossip Girl. Sowohl Lissa als auch Rose führen ihre Ermittlungen nur ganz nebenher, sind Teenie-like eher mit ihrem Gefühlsleben beschäftigt als dass die Handlung von Relevanz wäre. Lissa schmachtet einem melancholisch zurückgezogenen Poeten hinterher, Rose hat es auf ihren Muskelbepackten Schönling von einem Trainer abgesehen – die herkömmlichen Stereotypen fernab jeder Realität.

Die Freundschaft der beiden Mädchen steht dabei im Mittelpunkt, muss mal leiden, dann wieder zusammen wachsen. Der Film, so erschreckend es ist, stellt die Freundlosen Wesen als Ritzer und baldige Tunichtgute der Vampirgesellschaft dar. Wenn ein Moroi ohne Dhampir ist, ergibt das einen Strigoi, bitte einmal auswendig lernen! Nur wer Freunde hat kann ein guter Mensch/Vampir sein, dem Rest dürstet es schlicht nach Blut. Zwischen diesen Welten der Moroi und Strigoi ist Lissa hin und hergerissen. Wie gut dass es eine uralte mystische Geschichte gibt, die an der Vampirakademie gelehrt wird, bei der ein alter Moroi aufgrund der Liebe zu seiner Frau den richtigen Weg wählte, während eine an der Schule unterrichtende Lehrerin als abschreckendes Beispiel dient, vom Moroi zum Strigoi mutiert, obwohl sie doch so nett erschien, aber eben keine Freunde und Vertraute hatte.

Lissa und die Noch-Königin der Moroi Tatiana (Joely Richardson)
Lissa und die Noch-Königin der Moroi Tatiana (Joely Richardson)

Zoey Deutch tut einem Leid, wenn man sieht, wie sehr sie sich hier tatsächlich anstrengt, dem Film noch eine charmante Note zu verpassen. Da rennt sie einmal unverhofft durchs Bild um ihren Trainer von den Füßen zu reißen und man hört nur den Kampfschrei kommend, da liegen die beiden schon am Boden. Eine Trainingsaufgabe ist das, die der Muskelmann ihr zuvor aufgetragen hat. Sie solle versuchen ihn jederzeit zu überrumpeln. So schlicht und einfach es ist, so gut funktioniert es dann aber auch. Überhaupt ist Zoey Deutchs Rose diejenige, die auch mal einen flapsig lockeren Spruch loslassen darf, womit sie wieder arg an bereits genannte Buffy erinnert – die nun einmal als Grundlage fast jeder Teenie-Dame mit großer Klappe herhalten darf.

Aber auch Vampire Academy macht den größten Fehler dieser Tage. Der Film will viel zu schnell viel zu viel erzählen, nimmt sich keine Zeit seine Welt zu zeigen, sondern lässt sie unablässig von Figuren erklären, ohne dass irgendwelche Hintergründe von Belang wären. Wir müssen alles als gegeben hinnehmen und bekommen noch eine Menge Unsinn obendrauf. Als Pilotfilm einer Fernsehserie wäre das vielleicht noch tragbar und vor allem ausbaufähig gewesen, als vermeintlich alleinstehender Film – trotz Cliffhanger-Ende ist eine Fortsetzung noch nicht bestätigt – fällt das Urteil allerdings härter aus: Nicht bestanden. Setzen. Sechs.


Vampire Academy_Plakat”Vampire Academy“

Originaltitel: Blood Sisters: Vampire Academy
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 105 Minuten
Regie: Mark Waters
Darsteller: Zoey Deutch, Lucy Fry, Danila Kozlovsky, Gabriel Byrne, Dominic Sherwood, Olga Kurylenko, Sarah Hyland, Cameron Monaghan, Sami Gayle, Ashley Charles, Claire Foy, Joely Richardson

Kinostart: 13. März 2014
Im Netz: vampireacademy-film.de

Bilder © Universum Film