Filmkritik

“Under the Skin” von Jonathan Glazer

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Scarlett Johansson als namenlose Frau in Jonathan Glazers "Under the Skin"

Scarlett Johansson als namenlose Frau in Jonathan Glazers “Under the Skin”

Es fallen keine Namen, nicht einmal im Abspann erfahren wir, wie die Protagonistin hieß. Ebenso wenige Worte werden gesprochen, eine bedrückende Melancholie wird erzeugt. Mit was genau wir es zu tun haben, sehen wir erst am Ende von Under The Skin, einem vermeintlichen Sci-Fi Film, der von Jonathan Glazer nach dem gleichnamigen Roman des Niederländers Michel Faber inszeniert wurde.

Scarlett Johansson spielt eine Frau in einem Van, die durch das schottische Glasgow fährt und Männer anspricht. Die Reaktionen sind größtenteils real, mit versteckter Kamera gefilmt. Johansson, mit schwarzer Perücke ausgestattet, wird von den irgendwie klobig wirkenden Schotten nicht erkannt – zumindest nicht von denen, die es in den Film geschafft haben. Nur manchmal darf sich einer dieser Schotten zu ihr in den Wagen gesellen. Dann aber ist es auch ein Schauspieler, der die nun folgende Surrealität durchleben muss.

In ihrem Van wartet die Frau auf Männer, die sie in die Falle locken kann

In ihrem Van wartet die Frau auf Männer, die sie in die Falle locken kann

Denn Scarlett Johansson ist hier so etwas wie eine schwarze Witwe, eine Gottesanbeterin, die zum Männer verschlingen durch die Landen fährt. Das filmt Glazer nicht martialisch und blutig, verzichtet auf Kopf abreißen oder Zähne fletschen. Er sieht es als künstlerische Zwischenspiele, bei denen Johansson im Rückwärtsschritt die Männerwelt in eine merkwürdig schwarze Suppe lockt, in der sie später schwebend ihre Innereien ausgesaugt bekommen, so dass nur noch die Haut übrig bleibt. Das alles, wie gesagt, nicht auf Körperhorror und Torture-Porn getrimmt, sondern fast schon einer audiovisuellen Installation einer makabren Kunstausstellung entsprungen.

Nebst den rar gesäten Unterhaltungen, man wartet eingangs bereits eine viertel Stunde, bevor Johansson ihr erstes Opfer adressiert, sind es klirrende Soundgebilde, die irgendwo zwischen besten 70er Jahre Science Fiction und einem Stimmengewirr aus Menschenmassen einzuordnen sind. Die Kamera verfolgt entweder Johansson oder ihre Opfer, macht den Zuschauer so oder so zum Beobachter dieser Szenerie. Entweder, wir sehen wie sich das Raubtier verhält, oder wie die Beute in die Falle läuft – Charakteristika einer Tier-Doku, die Jonathan Glazer hier auf seine äußerst stark und minimalistisch spielende Hauptakteurin anwendet. Damit beraubt er sie ihrer starken Stimme, die allein in Spike Jonzes Her für eine lebhaft vorstellbare virtuelle Präsenz einstand.

Hier nun diese Sci-Fi Verhaltensstudie, bei der Scarlett Johansson mit ihren grazilen Bewegungen, mit ihrer Beobachtungsgabe und Verführ-Akrobatik für eindringliche Anspannung sorgt. Jeder Moment wirkt dabei bedrohlich, unterstützt durch musikalische Themen. So etwa eine „Männer Mord Melodie“, die uns regelrecht in Panik versetzt, sobald sie eingespielt wird. Damit gehen Scarlett Johansson und Jonathan Glazer nicht nur den Schotten unter die Haut.

Under the Skin
108 Minuten, freigegeben ab 16 Jahren, Heimmedienstart: 10. Oktober 2014
im Netz: Offizielle Homepage zum Film
alle Bilder © Universum Film GmbH

1 Comment

  1. […] könnte ebenso als  Fatal durchgehen, die ihr weibliches Jagdverhalten wie Scarlett Johansson in Under The Skin einzusetzen versteht. Beeindruckend ist dabei, dass es sich um das Schauspieldebüt von Bucio […]

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