© Paramount Pictures Germany GmbH / Alex (Kathryn Newton) sollte mal einen Blick nach hinten werfen.

Seit 2007 macht Oren Pelis Horror-Ungetüm „Paranormal Activity“ in regelmäßigen Abständen die Kinosäle zu Treffpunkten Schrei- und Schock begeisterter Genreanhänger. Anfangs noch eine dem „Blair Witch Project“ gleichzusetzende Unternehmung, wurde vor allem durch den dritten Teil, für den Henry Joost und Ariel Schulman die Regie übernahmen, so viel Mythologie und originelle Kameraeinfälle zu der Reihe hinzugefügt, dass eine Neuverpflichtung der beiden Filmemacher für den vierten Teil Hoffnungen mit sich brachte, nun noch tiefer in die Hintergründe der „Paranormal Activity“-Dämonologie einzutauchen. Doch zurück gekehrt aus dem Jahre 1988, wo die Handlung von Teil 3 stattfand, quälen sich die beiden Männer mit der 2011er Moderne so sehr ab, dass sie nach der besten Episode der Reihe nun auch gleich noch die Langweiligste abliefern.

Nach den mythologischen Rückblicken kehrt „Paranormal Activity 4“ zum Ursprung zurück, zu Mutter Katie (Katie Featherston), die im ersten Teil so sehr von dem Dämon gebeutelt wurde. In der letzten Szene schleudert sie ihren Ehemann gegen die im Schlafzimmer aufgestellte Kamera, danach ward sie nicht mehr gesehen. Aber in einer neuen Nachbarschaft taucht sie mitsamt entführtem Sohnemann Robbie (Brady Allen) auf und plötzlich scheint sich im Hause der Nachbarsfamilie der Spuk fortzusetzen. Die junge Teenagerin Alex (Kathryn Newton) und ihr bester Kumpel Ben (Matt Shively) stellen recht schnell fest, dass unerklärliche Dinge vor sich gehen. Ausgestattet mit einer Vielzahl von Laptops gehen sie auf Dämonenjagd – was bisher noch niemandem gut bekommen ist.

Der männliche Alex (Matt Shively)

Und das gilt ebenso für die Zuschauerschaft. Gruseln tut man sich sicherlich, seit jeher versteht es die „Paranormal Activity“-Reihe die Grundängste der Menschen anzusprechen, im Schlaf, dann wenn man schutzlos ist, nichts mitbekommt – oder zu spät mitbekommt – geht hier ein Dämon umher, ein kleiner Junge oder eine besessene Frau, das wirkt natürlich unheimlich und wird von den Regisseuren mit den typisch dumpfen Brummlauten unterlegt, deren Bässe das Blut in Wallung bringen sollen. Die Kamerabilder sind starr auf ein Zimmer gerichtet, lange geschieht nichts, man verliert sich in den Bildern bis eine Bewegung, ganz gleich ob übernatürlichen Ursprungs oder nur eine ins Bild springende Katze – ja, auch dieser klischeehafteste aller Schock-Momente wurde eingebaut – die Nerven blank liegen lassen. Schocken, das konnte diese Filmreihe schon immer. Anspannung, Grusel, Horror ohne viel Blut dabei zu vergießen, dafür muss man „Paranormal Activity“ einfach loben.

Darüber hinaus bietet dieser vierte Teil allerdings wenig, verkommt eher zum Teenie-Horror der Serie, setzt auf zwei Teenager als Hauptprotagonisten, die natürlich den übernatürlichen Kräften, die hier am Werke sind, ebenso wenig Paroli bieten können wie die Opfer der vergangenen Filme. Dabei bleiben Joost und Schulman allerdings höchst brav, setzten hauptsächlich auf bekannte Szenarien, die der immer noch unsichtbare Dämon bereits dreimal zuvor einsetzen durfte um Terror und Schrecken zu verbreiten: Da wackeln Kronleuchter an der Decke, fallen auch schon mal herunter. In der Nacht hat das Ungetüm derweil seinen Spaß damit, die Teenagerin im Schlaf in der Luft schweben zu lassen, Schlaftabletten sei Dank, wacht sie dabei nicht auf. Natürlich werden auch wieder Menschen durch Zimmer gezogen, rutschen wie aus Geisterhand auf dem Boden entlang, werden durch die Gegend katapultiert, knarrende Türen, dumpfes Pochen – alles schon einmal dagewesen, wenig Innovation für „Paranormal Activity 4“.

Zaubertricks bei Nacht.

Das ist vor allem so enttäuschend, da man im dritten Teil Einfallsreichtum bewiesen hat. Man erinnere sich zurück an eine endlos grausame Schwenkkamera, die von der Küche ins Wohnzimmer schaute, dann wieder zurück. Minutenlang musste man sich diesen Vorgang mit ansehen, wurde immer tiefer in den Sitz gepresst. Nun aber die Verharmlosung, aber auch die nicht Fortführung. Wurde 2011 noch eine dämonische Sekte vorgeführt, die das teuflische Treiben unterstützte, sind in der aktuellsten Ausgabe nur noch einzelne Stückchen dieser Geschichte vorzufinden, die man recht einfach noch weiter hätte ausbauen können. Stattdessen versucht man eine Neurung durch zwischenmenschliche Erzählungen einzubinden: Ben steht auf Alex, deren Eltern haben Eheprobleme, der Vater verpasst offenbar regelmäßig Sportveranstaltungen seines Sohnes, das gesamte Familienleben scheint den Bach hinunter zu gehen. Alle haben ihre persönlichen Probleme, die aber keinesfalls dafür sorgen, dass die Zuschauer mit den Figuren mitfiebern – schafft es dieses Mal jemand zu überleben? Das ist doch ganz egal. Was interessant gewesen wäre, wäre mehr über diesen Kult zu erfahren, was haben sie vor, woher stammt der Dämon eigentlich? Aber am Ende spulen Joost und Schulman nur das bekannte Grundmuster der Reihe ab.

In den letzten fünf Minuten setzen sie die Geschwindigkeit dann noch einmal nach oben, die besessene, mordlustige Katie taucht vermehrt auf, ein längst fälliger Ausflug in ihr Haus, schreiende Opfer, monströse Fratzen. Damit hätte der Film eröffnen sollen. Ein fünfter Teil scheint unausweichlich, hoffentlich wird dann ein tieferer Einblick in die Hintergründe dieser übernatürlichen Machenschaften gewährt – oder es ruft endlich mal jemand die Geisterjäger.

Denis Sasse

“Paranormal Activity 4“

Originaltitel: Paranormal Activity 4
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 88 Minuten
Regie: Henry Joost & Ariel Schulman
Darsteller: Katie Featherston, Kathryn Newton, Matt Shively, Brady Allen, Alisha Boe, Tommy Miranda

Deutschlandstart: 18. Oktober 2012
Offizielle Homepage: paranormalactivity4.de