Keine Ruhepause für Regisseur Michael Bay, der binnen vier Jahren nunmehr den dritten Transformers-Film herausgebracht hat. Immerhin sind die Effekt-Spektakel mit mehr Aufwand verbunden als eine Romantic Comedy, weswegen die Output-Dichte schon enorm ist. Dann aber muss man auch sagen, dass er vermutlich nicht sehr viel Zeit in das Schreiben der Drehbücher investiert. So erscheint auch Transformers 3 – Die dunkle Seite des Mondes wie ein wild inszeniertes Stück Chaos ohne Sinn und Verstand.

Nun wagt er den Rücksprung in das Jahr 1969, in dem die Apollo 11-Mission der NASA stattfand und Neil Armstrong als erster Mensch den Fuß auf den Mond setzte. Dieses historische Ereignis fand natürlich nur auf der hellen Seite des Mondes statt. Derweil stoßen die Astronauten auf der dunklen Seite auf das Wrack eines außerirdischen Raumschiffes. Die Regierung konnte dieses Geheimnis für mehr als 40 Jahre unter Verschluss halten, dann aber überschlagen sich die Ereignisse. Ein uralter Autobot namens Sentinel Prime taucht auf, während Megatron erneut versucht die Erde ihrem Untergang näher zu bringen.

Transformers 3 - Die dunkle Seite des Mondes
Optimus trifft auf seinen Vorgänger Sentinel Prime

Derweil sucht Sam Witwicky (Shia LaBeouf) nach einem Job, was ihn die Zeit kostet, die er gerne mit den Autobots verbringen würde. Außerdem wächst in ihm die Eifersucht darüber, dass seine neue Freundin Carly (Rosie Huntington-Whiteley) offenbar mit ihrem neuen Boss Dylan Gould (Patrick Dempsey) anbandelt. Und als Sam dann endlich Arbeit findet, stellt sich sein Chef Bruce Brazos (John Malkovich) als exzentrisches Arschloch heraus.

Mit Ausnahme der Tatsache, dass es Bay sogar gelungen ist, Buzz Aldrin für einen Gastauftritt zu gewinnen um seiner hanebüchenen Mond-Geschichte ansatzweise credibility zu versehen, ist auch Transformers – Die dunkle Seite des Mondes nicht mehr als die Michael Bay typische Materialschlacht, die sich vor Bombast kaum retten kann.

Dieser wird allenfalls dann unterbrochen, wenn er Frances McDormand (Fargo) als zynisch-verklemmte Agentin auf John Malkovichs (Being John Malkovich) abgedrehten Arbeitgeber des Jung-Witwickys treffen lässt, eine Liaison, die für den vielleicht größten comic relief der gesamten Transformers-Reihe sorgt. Dann noch John Turturro (Oh Brother, Where Art Thou?) obendrauf und fertig ist der Mix der Oscar-Gewinnerin, des zweifach Oscar-Nominierten und des ebenso zweifach Golden Globe-Nominierten, die sich hier zu Affen machen.

Derweil übernimmt Rosey Huntington-Whiteley die Rolle von Megan Fox – die Damen, die in Michael Bay-Filmen dafür verantwortlich sind, uns als Eye Candy von der viel zu langen Laufzeit abzulenken. Wenn Bay also selbst gerade einmal während einer Actionsequenz Langeweile verspürt, lässt er seinen Kameramann Amir Mokri einfach auf die prallen Lippen oder den straffen Po seiner Ersatz-Megan Fox halten.

Damit verarbeitet Bay dann lediglich, dass Megan Fox mit der Zeit Interesse an der Stärkung der Gleichberechtigung der Frauen  und deren Darstellung in den Medien gefunden hat und nicht länger als Sexobjekt im Michael Bay-Universum zu sehen sein wollte. So hören wir in Transformers – Die dunkle Seite des Mondes dann auch Worte wie “Sie war ohnehin gemein” oder Sam, der zu seinen Eltern meint: “Sie hat mit mir Schluss gemacht und ich hab mir eben etwas besseres besorgt”. Ja, er spricht von Rosey Huntington-Whiteleys Carly tatsächlich in der Es-Form.

Transformers 3 - Die dunkle Seite des Mondes
Frances McDormand mit Optimus Prime

Was bleibt ist der Bombast und ein gigantischer Decepticon-Wurm, der ein ganzes Hochhaus zum Umsturz bringt, während der Angriff auf Chicago um die Figuren herum tobt, der ein Jahr später von Joss Whedon nach New York verlagert wird und in Avengers traurigerweise äußert diesem Transformers-Endfight ähnelt.

Natürlich wären da noch die unzähligen bekannten Namen, die uns in diesen Film hinein treiben sollen, während wir eigentlich nur die Autobots und Decepticons bräuchten, wenn sie doch nur in eine interessante Story verpackt werden würden. Ganz gleich ob ein Shia LaBeouf, eine Huntington-Whiteley, Malkovich, McDormand, Turturro, Tyrese Gibson oder Josh Duhamel und Patrick Dempsey, sie alle sind schlichtweg nicht wichtig, wenn es dann zum großen Endkampf kommt. Sie sind nur dazu da, um den Film mit ihren Nichtigkeiten in die Länge zu ziehen.

Transformers – Die dunkle Seite des Mondes merkt man noch mehr an, dass Michael Bay eigentlich nichts zu erzählen hat und schlicht mit großen Robotern wilde Kämpfe filmen möchte. Ja, man merkt dass der Herr seine Regie-Karriere mit Werbespots begonnen hat, in denen er vermutlich nicht allzu viel Story verkaufen musste. Würde er sich doch nur auch ebenso kurz halten.