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Trailer+Interview zum Kurzfilm “Cruelty”

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Chris Nachtigall in Tim Gerrit Augurzkes “Cruelty”.

Es ist immer schön einen Neu-Filmemacher in die Weiten des Filmgeschäfts abtauchen zu sehen. Dabei bieten die vielen klein produzierten Kurzfilme, die qualitativ dennoch hochwertig daher kommen, oftmals einen schönen Überblick über gescheite Köpfe, die noch nicht vom finanziellen Druck getrieben sind, sondern sich schlicht ihrer Kreativität und ihrem Tatendrang ergeben. Ein solcher Mensch ist auch Tim Gerrit Augurzke, der jüngst mit dem Kurzfilm Cruelty seinen Einstand in die Kurzfilmwelt gegeben hat. Ohne zu viel von der Story verraten zu wollen, sei die kurze Synopsis von der offiziellen Facebook-Seite zum Film zitiert: “Der Film “Cruelty” handelt von dem jungen englischen Soldaten Jones (Mitte-Ende 20), der das Grauen des 2. Weltkriegs mit seinen eigenen Augen erfährt.”

Was erst einmal banal klingt, ist umso schöner umgesetzt. Verschachtelt in Rückblenden und ästhetisch in Szene gesetzten Leichenbildern des Krieges, die auf Brutalität hinweisen, die in Cruelty nicht gezeigt, sondern gefühlt werden soll, spielt sich Hauptakteur Chris Nachtigall durch die französischen Wälder, die von dem Berliner Regisseur Augurzke herbstlich/winterlich-depressiv eingefangen werden. Hier einmal der Trailer zum Kurzfilm.

Außerdem stand Augurzke filmtogo.net für ein Interview zur Verfügung, in dem wir mit ihm über das Setting des zweiten Weltkriegs, über wenige Dialoge und hübsche Bilder bis hin zu ersten Langspielfilm-Ambitionen gesprochen haben.

Denis Sasse von filmtogo.net im Gespräch mit Cruelty-Regisseur Tim Gerrit Augurzke

filmtogo.net: Jetzt hat man ja schon durchaus das Vorurteil, dass die guten deutschen Filme oftmals vom Krieg handeln. Warum spielt auch Cruelty in diesem Szenario?

Tim Gerrit Augurzke: Mich interessiert es sehr, Filme zu drehen, die gewisse Welten zum Leben erwecken. Ich bin ein großer Fan des Kriegsfilms und fühle mich sehr zu diesem Genre hingezogen. Ich wollte jedoch an den Krieg anders herantreten und ihn nicht als Materialschlacht zelebrieren. Ebenso wollte ich mich nicht an gewisse historische Figuren oder spezifische Ereignisse binden. Ich wollte versuchen die Allgemeinheit des Phänomens “Krieg” einzufangen und zu zeigen, wie eben diese die Menschlichkeit zerrütten kann.

filmtogo.net: Nun heißt der Film Cruelty, aber es kommen eigentlich auch noch ganz viele andere Emotionen hinzu. Wie bist du zu genau diesem Titel für deinen Kurzfilm gekommen?

Tim Gerrit Augurzke: Um ehrlich zu sein, ist diese Entscheidung sehr schnell gefallen. Ich wollte einen Titel verwenden, der in einem Wort für mich zusammenfasst, was Krieg vor allem ausmacht. Grausamkeit, also “Cruelty”, erschien da am besten zu passen.

filmtogo.net: Du arbeitest ja eher mit starken Bildern als mit Worten. Cruelty hält nicht sonderlich viele Dialoge bereit. Wie kommt’s?

Tim Gerrit Augurzke: Die meisten meiner großen Regie-Vorbilder, wie zum Beispiel Ridley Scott und Nicolas Winding Refn, arbeiten viel mehr mit starken Bildern als mit Dialog. Ich empfinde es als gelungener, wenn man es schafft, durch Gesten und anderem Nonverbalen, eine Message rüberzubringen und eine Handlung am laufen zu halten, als andersherum. Ein anderer Grund ist, dass die ganze Machart von Cruelty sehr von Drive inspiriert ist. Ich vergöttere, wie Nicolas Winding Refn es in Drive geschafft hat, durch extrem lange Einstellungen und Ruhe eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Wir haben dieses Ziel bei Cruelty auch verfolgt. Wir haben den Film unter anderem sechs Wochen lang komplett gestoryboarded damit jede Einstellung sitzt.

filmtogo.net: Du hast die Bilder der Toten stark rot eingefärbt. Welcher Gedanke steckt dahinter?

Tim Gerrit Augurzke: Zum Einen wollten wir einen klaren Abstrich machen zwischen Flashbacks und Gegenwart und mit den eingefärbten Bildern dem Zuschauer noch einmal klar machen, dass ein Zeitsprung vollzogen wurde. Dennoch ist ja nicht die gesamte Grubenszene rot, sondern nur die POV’s von Jones. Das soll noch einmal hervorheben, dass Jones innerlich schon vollkommen durchgedreht ist und nicht mehr er selbst ist. Es war eine Entscheidung die wir erst sehr, sehr spät im Post-Production-Prozess getroffen haben, aber ich bin sehr froh das wir uns so entschieden haben. Die Bilder sehen toll aus!

filmtogo.net: Ebenso “hübsch” wie diese Todesbilder kommt der Abspann daher, den ich persönlich beeindruckend fand. Wer war der Künstler, die Künstlerin hinter diesen gezeichneten Portraits und wie kam es da zur Zusammenarbeit?

Tim Gerrit Augurzke: Der Name der Künstlerin ist Vanesa Morina und sie ist eine sehr gute Freundin von mir. Als die finale Schnittfassung fertig gestellt war und mein Cutter und ich uns das erste mal an den Abspann gesetzt haben, wollte ich etwas in den Abspann einbauen, was ihn noch einmal schön hervorhebt. Peter Jackson ist ebenfalls einer meiner großen Regievorbilder und ich habe es schon immer geliebt, wie er im Abspann von Return of the King die Darsteller mit wundervollen Zeichnungen illustriert hat. Ich kannte jedoch niemanden, der Zeichnungen auf einem hohen Niveau machen könnte und habe den Gedanken vorerst verworfen. Eines Tages habe ich dann bei Facebook eine Zeichnung von Vanesa gesehen und war vollkommen hin und weg. Ich hatte sie noch am selben Tag kontaktiert und so kam die Zusammenarbeit zustande.

filmtogo.net: Du hast jetzt diesen 30-minütigen Kurzfilm, deinen ersten Kurzfilm gedreht. Wie siehst du da deine Ambitionen für die Zukunft. Noch mehr Kurzfilme, auch mal hin zum Langfilm. Ist da schon ein Weg geplant?

Tim Gerrit Augurzke: Es ist auf jeden Fall ein Langfilm als nächstes Projekt geplant. Ich sitze momentan jeden Tag am Drehbuch und bin dabei den First Draft zu entwerfen. Wir peilen einen Drehstart von Anfang September nächstes Jahr an.

filmtogo.net: Wie oder wo kann denn die breite Masse Cruelty sehen?

Tim Gerrit Augurzke: Das ist leider noch etwas ungewiss. Vorerst wird Cruelty nur auf Festivals zu sehen sein. Wenn die Festivalphase durch ist werden wir uns überlegen wann wir ihn veröffentlichen können. Alle werden aber immer über unsere Facebook Seite auf dem laufenden gehalten, auf welchem Festival man die Möglichkeit hätte ihn zu sehen.

Cruelty_Filmposter

Ein großer Dank geht an Tim Gerrit Augurzke, der sich Zeit für dieses Interview genommen hat. Leider ist nach seiner Aussage eben noch nicht abzusehen, wann Cruelty öffentlich zugänglich sein wird, dennoch wünschen wir dem Filmemacher und seinem Team viel Erfolg auf dem weiteren Weg: Möge er über viele viele Kurzfilmfestivals führen. So wurde gerade am vergangenen Wochenende bekannt gegeben, dass nach einem Festival in Delhi, Cruelty nun auch “In Competition” in Mumbai laufen wird.

Weitere Informationen
Facebook-Seite zu Cruelty

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