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Tomb Raider (2018)

Bei jeder neuen Verfilmung eines Videospiels stellt sich die Frage, ob nun endlich der Bann gebrochen ist, der auf diesem wenig erfolgreichen Filmgenre liegt. Hoffnungen kamen zuletzt mit Assassins Creed auf, wurden aber jäh zerstört als wir einen Film bekamen, der nicht mal ansatzweise an der reichen Mythologie der Spieleserie zu kratzen versuchte. Über Duncan Jones’ Debakel Warcraft mag man gar nicht mehr sprechen und nun versucht sich der norwegische Regisseur Roar Uthaug (der den wundervollen 2015er The Wave gemacht hat) an einem Reboot von Tomb Raider basierend auf der Prequel-Videospielreihe von Crystal Dynamics und Square Enix.

Alicia Vikander tritt in die Fußstapfen von Angelina Jolie und übernimmt die Rolle einer jugendlichen Lara Croft, die aus ihrem draufgängerischen Leben gerissen wird, als eine Geschäftspartnerin (Kristin Scott Thomas) ihres Vaters (Dominic West) auftaucht und sie drängt, endlich Papier zu unterschreiben, die den seit sieben Jahren vermissten Mann als tot anerkennen. Widerwillig stimmt sie zu und kommt so in den Besitz eines Schlüssels, der sie zu einem geheimen Büro ihres Vaters führt. Hier erfährt sie von seinen Forschungen zu Himiko, der Königin von Yamatai, die scheinbar über Leben und Tod befehligen konnte.

Lara reist nach Hongkong, wo sie sich mit Lu Ren (Daniel Wu) anfreundet, dem Kapitän des Schiffes “Endurance”. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu der Insel Yamatai, werden aber von einem Sturm erfasst, der das Schiff zerstört. Lara wird am Strand von Yamatai angespült, wo Mathias Vogel (Walton Goggins) sie mit seinen Männern aufgreift. Er leitet eine Expedition, die das Grab von Himiko aufspüren soll und von einer ominösen Organisation namens Trinity finanziert wird, die die Kräfte der Königin als Waffe einsetzen will.

Uthaug hatte es sicherlich nicht einfach, sich mit einem Videospiel wie Tomb Raider auseinanderzusetzen und ein filmisches Reboot zu erschaffen. Mit so einem Vorhaben muss man zumeist Videospiel-Fans und Kinopublikum in ihren Erwartungen vereinen. Der Film hat allerhand Schwierigkeiten, aber auch das große Glück, mit Alicia Vikander eine Darstellerin gefunden zu haben, die sich die Rolle der Lara Croft einverleibt, Angelina Jolie vergessen macht und ihr Schauspiel auf einem ganz anderen Level ansiedelt, als es das Drehbuch (von Geneva Robertson-Dworet und Alastair Siddons) und die Story (von Robertson-Dworet und Evan Daugherty) verdient haben.

Die Dialoge des Films wirken niemals tiefgreifend wichtig, eher wie Plattitüden um überhaupt irgendein Wort in den Film zu bekommen. Alicia Vikander spielt jeden Stöhner, jeden Aufschrei, jedes Schmerzgewimmer besser, als die übrigen Akteure ihre Drehbuchzeilen abliefern. Walton Goggins muss sich mehrmals am “große Augen machen und staunen” ausprobieren, während Dominic West als Papa Lord Richard Croft dazu verdonnert wird, immer wiederkehrendes Informationsgebrabbel in sich wiederholenden Rückblenden abzuliefern (welches wir derweil bereits in einer Eröffnungssequenz erklärt bekommen haben), als hätten die Filmemacher keinerlei Ideen gehabt, wie man den Film sonst auf seine abendfüllende Länge hätte ausdehnen können.

In diese Kategorie gehören auch die ersten zehn Minuten des Films. Die sind cool! Aber unwichtig. Wir verfolgen Lara Croft dabei, wie sie eine Fuchsjagd zu Fahrrad durch London macht, bei der sie einen Fuchsschwanz an ihr Fahrrad (sie arbeitet als Kurier) gebunden bekommt und vor einer Meute von Verfolgern flüchten muss. Sie kann ihren Mitgliedsbeitrag in einem Kickbox-Studio nicht bezahlen, hat hier Probleme sich aus dem Schwitzkasten einer Kontrahentin zu befreien und wir wissen ganz genau, worauf das später im Film hinauslaufen wird.

Wenn es dagegen um das Lösen von diversen Rätseln geht, wenn wir erst einmal mit Lara in den Katakomben der Himiko sind, wird das so schnell abgehandelt, als hätten die Filmemacher hieraus gerne eine Montage im Schnelldurchlauf gemacht. Tomb Raider ist uninspiriert, langweilig und vorhersehbar inszeniert.

Es ist allein Alicia Vikander, die unbeschadet aus dem Film herauskommt. Sie versucht jedem Moment mehr zu verleihen, als eine Paycheck-Performance. Es ist Schade, wenn ihre allein durch Mimik dargestellte Trauer über den toten Vater von einer Rückblende unterbrochen wird, weil es schlicht nicht nötig gewesen wäre. Sie verkauft einen in ihren Körper gerammten Splitter so gut, dass wir den Schmerz spüren können und zeigt uns, wie schwer es für Lara Croft ist, einen Mann zu töten, sei es auch aus purer Selbstverteidigung.

Tomb RaiderVikander wirkt wie die einzige Person vor und hinter der Kamera, die um die Wichtigkeit und Bedeutung des 1996 gestarteten Franchises Bescheid weiß. Tomb Raider sollte als Videospiel wie der Herr der Ringe oder Harry Potter in der Fantasyliteratur behandelt werden. Stattdessen gelingt es nicht einmal Tom Holkenborg mit seiner Filmmusik uns in eine abenteuerliche Atmosphäre zu versetzen.

Leider wurde Tomb Raider wie ein x-beliebiger emotionsloser Actionfilm behandelt, der unterhaltsam ist, aber auch schnell vergessen sein wird – und das ist sowohl ärgerlich, als auch eine Verschwendung von Alicia Vikander als ihre hervorragende Lara Croft.

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