Man nehme einen gestandenen Regisseur von Shakespeare-Verfilmungen wie Kenneth Branagh und ergründe das Familiengepflecht um Göttervater Zeus, Donnergott Thor und dessen Adoptivbruder Loki. In Thor wird die Origin-Story des aufbrausenden Kronprinzen des Throns von Asgard erzählt. Thor (Chris Hemsworth) tritt seinem Vater Zeus (Anthony Hopkins) und seiner Mutter Frigga (Rene Russo) recht unbeherrscht gegenüber auf. Da wirkt sein ruhiger Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) schon viel beherrschter, wohinter sich allerdings nur sein Neid gegenüber dem Donnergott versteckt.

Nach einer desaströsen Fehlentscheidung wird Thor von seinem Vater auf die Erde verbannt, wo er ohne seine Kräfte und seinen Hammer Mjolnir das Wissenschaftler-Trio um Jane Foster (Natalie Portman), Dr. Erik Selvig (Stellan Skarsgård) und Darcy Lewis (Kat Dennings) kennenlernt. Während Thors Abwesenheit pflegt Loki sinistre Pläne um den Thron Asgards an sich zu reißen.

Damit setzt sich Thor den Vergleichen mit anderen out-of-this-world Stories aus. Man denke nur an He-Man and the Masters of the Universe, der 1987 Dolph Lundgren als blondes Muskelpaket von Eternia auf die Erde schickte. Hieraus entsteht ein ganz eigener charmanter Witz, einen Fantasy-Charakter in der uns bekannten Welt zu sehen und auf diverse Merkwürdigkeiten zu treffen.

Jähzorn gegen Raffinesse

Hemsworth zeigt sich als Idealbesetzung und hat sichtlich Spaß, hier zu Beginn den wütend-jähzornigen Gott zu verkörpern. Das macht ihn natürlich wiederum auch zu einem einfachen Ziel für den überaus raffinieren Loki, der als Inbegriff des bösen, kleinen Bruders zu verstehen ist. Hier nur geht es eben nicht um Neider nach Spielzeugen, sondern um das Machtgefüge in der Heimat. Asgard ist denn auch Marvels Chance ihr Cinematic Universe zum ersten Mal so richtig in andere Sphären auszuweiten. Die Sci-Fi/Fantasy-Welt wird in all ihrer CGI-Opulenz zum Leben erweckt und sieht dabei ziemlich cool aus.

Der Most Valuable Player ist hier Tom Hiddleston, der unglaublich gut den gewieften Halbbruder mit bösen Gedanken, mit purem Hass im Herzen und hinterhältigen Blicken spielt. Thor entfacht seine stärksten Momente im Zusammenspiel von Chris Hemsworth und Tom Hiddleston, wovon wir nur allzu genug zu sehen bekommen. Gepaart mit den eindrucksvollen Bildern Asgards und dem fish-out-of-water Humor eines seiner Kräfte beraubten Gottes unter Menschen, ergibt Thor einen ziemlich guten Film des Marvel Cinematic Universes.

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