Marvel Cinematic Universe

Thor (2011)

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Man nehme einen gestandenen Regisseur von Shakespeare-Verfilmungen wie Kenneth Branagh, der Heinrich V. (1989), Viel Lärm um Nichts (1993) und Hamlet (1996) inszeniert hat, um das Familiengepflecht um Göttervater Zeus, Donnergott Thor und dessen Adoptivbruder Loki in dem Marvel Cinematic Universe-Film Thor zu ergründen.

In dem Film wird die Origin-Story Thors (Chris Hemsworth) thematisiert, der zuerst noch als aufbrausender Kronprinz des Throns von Asgard recht unbeherrscht seinem Vater Zeus (Anthony Hopkins) und seiner Mutter Frigga (Rene Russo) gegenüber auftritt. Da wirkt sein ruhiger Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) schon viel beherrschter, wohinter sich allerdings nur sein Neid gegenüber dem Donnergott versteckt.

Nach einer desaströsen Fehlentscheidung wird Thor von seinem Vater auf die Erde verbannt, wo er ohne seine Kräfte und seinen Hammer Mjolnir das Wissenschaftler-Trio um Jane Foster (Natalie Portman), Dr. Erik Selvig (Stellan Skarsgård) und Darcy Lewis (Kat Dennings) kennenlernt. Während Thors Abwesenheit pflegt Loki sinistre Pläne um den Thron Asgards an sich zu reißen. Es ist also am Donnergott, sich auf Erden würdig zu erweisen, um in seine Heimat zurückkehren zu dürfen um seinen Halbbruder aufzuhalten.

Gleich nach der Einführung der S.H.I.E.L.D.-Agentin Black Widow im vorherigen MCU-Film Iron Man 2, darf hier nun ihr Kollege Hawkeye seinen ersten Auftritt absolvieren, um das Avengers-Team damit bereits komplett gezeigt zu haben – minus dem wichtigsten Teil des Teams: The First Avenger, der seinen ersten Auftritt als letzter haben wird.

Aber Hawkeye bekommt sehr viel weniger Screentime als noch Black Widow, was wenig verwundern dürfte, da es sich bei Thor um eine Familientragödie handelt, bei der die Nebenfiguren möglichst klein gehalten werden können. Allenfalls Natalie Portman wird hier die Ehre zuteil, ein wenig aus Chris Hemsworths Schatten treten zu dürfen. Im Grunde sind es aber Thor, Loki und Zeus, die uns hier in die MCU-Welt fernab des Planeten Erde einführen sollen (auch wenn ein großer Teil der Handlung nicht in Asgard, sondern eben auf der Erde spielt).

Damit setzt sich Thor den Vergleichen mit anderen out-of-this-world Stories aus. Man denke nur an He-Man and the Masters of the Universe, der 1987 Dolph Lundgren als blondes Muskelpaket von Eternia auf die Erde schickte. Es ist filmisch vermutlich die einfachste Lösung, Fantasy-Charaktere in normale Locations zu holen, um die Dreharbeiten hierdurch zu vereinfachen. Was bei vielen Filmen dieser Art schlichtweg nervt – wie gerne hätte man mehr Zeit auf Eternia verbracht? – gelingt in Thor überraschend gut. Dahinter mag aber auch der Fakt stecken, dass wir Asgard und noch weitere Welten aus der Perspektive dieses ersten Films der Götter-Saga in späteren Filmen weitaus ausführlicher präsentiert bekommen.

Hemsworth zeigt sich als Idealbesetzung und hat sichtlich Spaß, hier zu Beginn den wütend-jähzornigen Gott zu verkörpern, der aufbrausend wie ein kleines Kind wirkt, das seinen Willen nicht durchgesetzt bekommt. Das macht ihn natürlich wiederum auch zu einem einfachen Ziel für den überaus raffinieren Loki, der als Inbegriff des bösen, kleinen Bruders zu verstehen ist. Hier nur geht es eben nicht um Neider nach Spielzeugen, sondern um das Machtgefüge in der Heimat Asgard.

Asgard ist denn auch Marvels Chance ihr Cinematic Universe zum ersten Mal so richtig in andere Sphären auszuweiten. Die Sci-Fi/Fantasy-Welt wird in all ihrer CGI-Opulenz zum Leben erweckt und sieht dabei ziemlich cool aus. Hinzu kommt noch die Welt der Frostriesen und schon ist das MCU gleich um ein Vielfaches ausgeweitet worden.

Der Most Valuable Player ist hier Tom Hiddleston, der unglaublich gut den gewieften Halbbruder mit bösen Gedanken, mit purem Hass im Herzen und hinterhältigen Blicken spielt. Aber auch er kann wütend werden und dann – ähnlich wie sein Halbbruder Thor – äußerst bedrohlich auftreten. Hiddleston trifft seine Rolle als Loki perfekt und hat dem Marvel Cinematic Universe seine vielleicht stärkste und ambivalenteste Figur gegeben.

Dagegen spielt Kat Dennings gänzlich im falschen Film. Ihr Humor soll vermutlich auflockern, wirkt aber wie ein Fremdkörper. Während in Thor – wie auch in den vorherigen MCU-Filmen – One Liner-Humor zu finden ist, bewegt sich Dennings Rolle noch im albernen Sitcom-Bereich, als wolle sie gemeinsam mit Natalie Portman 2 Broke Girls weiterspielen.

Donnergott sei Dank, fällt ihr Dasein auch relativ klein aus. Thor entfacht seine stärksten Momente im Zusammenspiel von Chris Hemsworth und Tom Hiddleston, wovon wir nur allzu genug zu sehen bekommen. Gepaart mit den eindrucksvollen Bildern Asgards und dem fish-out-of-water Humor eines seiner Kräfte beraubten Gottes unter Menschen, ergibt Thor einen ziemlich guten Film aus der Phase 1 des Marvel Cinematic Universes.

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