Simon Pegg muss auf dem Weg zum "The World's End" den Weltuntergang verhindern.
Simon Pegg muss auf dem Weg zum „The World’s End“ den Weltuntergang verhindern.

Man muss schon genau hinsehen und aufpassen, wenn man in Erfahrung bringen möchte, warum sich Regisseur Edgar Wrights neuer Film The World’s End perfekt in seine Three Flavours of Cornetto Trilogie einfügt. Ob es von vornherein geplant gewesen ist, wird nur der Filmemacher selbst, vielleicht noch seine Dauerhauptdarsteller Simon Pegg und Nick Frost, zu erzählen wissen. Angefangen hat alles 2004 mit Shaun of the Dead und der Cornetto Geschmackssorte Erdbeere, mit seiner roten Farbe eine Reminiszenz an die blutrünstigen Zombies mit ihren Mordgelüsten gegenüber der Menschheit. Es folgte das Original blau verpackte Cornetto in Hot Fuzz, in dem sich der Polizeifilm wiederspiegeln sollte. Und nun, nach Zombies und Polizisten, eine weitere beliebte Figur der Filmgeschichte: das Alien. Diese tauchen in The World’s End in gutgemeinter Mehrzahl auf, repräsentiert durch das grüne Minzschokoladen-Cornetto, als Farbgebung für außerirdisches Blut und dem Science-Fiction Genre angedacht.

Edgar Wrights Science-Fiction Vision startet mit Gary King (Pegg), der es sich schon in seiner wilden Jugendzeit zum Ziel gesetzt hatte, die sagenumwobene Kneipentour (die Golden Mile) in seinem dörflichen Heimatnest Newton Haven zu vollführen. Zwölf Kneipen vom The First Post bis zum The World’s End. Das Alles in einer Nacht, mit dem Ziel, überall einen Pint Bier zu verköstigen. Damals scheiterten King und seine vier besten Freunde an diesem Vorhaben, weswegen das Unterfangen wiederholt werden soll. Viele Jahre vergehen, doch auch nach seinem inzwischen 40. Geburtstag hat sich Gary King nicht weiterentwickelt, immer noch ein Kind im Manne, während seine Freunde aufs Land verteilt in festen Jobs mit Familienanhang leben. Aber King bekommt sie zusammen getrieben, um die Kneipentour noch einmal zu vollführen und dieses Mal auch zum Abschluss zu bringen. Doch während Gary sich Pint für Pint durch Kneipen schlägt, die Namen tragen wie The Famous Cock und The King’s Head, werden die fünf Freunde auf eine außerirdische Bedrohung Aufmerksam, die fast jeden Bewohner ihres Heimatortes befallen und zu willenlosen Roboterwesen gemacht hat. Das sich ankündigende Weltende ist dann aber gar nicht im Sinne der Kneipenfreunde.

Es geht um den Pint Bier in zwölf Kneipen vom The First Post bis zum The World's End.
Es geht um den Pint Bier in zwölf Kneipen vom The First Post bis zum The World’s End.

Obgleich die Hauptdarstelleranzahl auf Fünf angehoben wurde, steht hier immernoch das Gespann Simon Pegg und Nick Frost im Mittelpunkt. Doch während sich die Gesamtstory nun tatsächlich um diese fünf Jungs bewegt, wo Shaun of the Dead und Hot Fuzz mit wenigen Ausnahmen fast gänzlich nur von den zwei Hauptprotagonisten erzählte, wirkt es dennoch wie eine Simon Pegg-Show. Das aber sollte keineswegs zu negativ gewertet werden: Der inzwischen im Blockbusterkino angelangte Pegg (Star Trek) gibt sich fast wie in seiner zu Unrecht verborgen gebliebenen Komödie Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen. Ein wenig – Vorsicht: Untertreibung – Exzentrik, gemischt mit Wahnsinn, Übermut und debiler Gleichgültigkeit gegenüber der Welt, stiehlt der Darsteller seiner Truppe die Show, obwohl diese sogar den Hobbit Martin Freeman höchstpersönlich beinhaltet, sowie neben Nick Frost noch gestandene britische Schauspieler wie Paddy Considine und Eddie Marsan.

Vielleicht fühlt es sich aber auch einfach nur so an, da man Peggs Gesicht nun eben aus vielerlei Filmen kennt, Franchises wie eben J. J. Abrams Neugeburt des Raumschiff Enterprises – wo er den schottischen Schiffsmechaniker Montgomery Scott mimt – oder nebst Tom Cruise in den Mission: Impossible-Filmen auftritt, wo der Anstieg seiner Bekanntheit im Lande Hollywood beständig für einen Ausbau seiner Rolle verantwortlich war. Überhaupt ist The World’s End nicht mehr so klein, wie sich noch die beiden Wright-Vorgänger anfühlten. Zwar spielt sich auch dieser Film auf dem Dorfe ab, doch die mit strahlenden Augen jagenden Robotmenschen, die Erinnerungen an Die Körperfresser kommen, noch viel mehr aber an Das Dorf der Verdammten und seinen gruseligen Kindern aufkommen lassen, haben nicht mehr dieses Gefühl intus, dass es sich um die pointierte Verarsche Hollywoods handelt, sondern selbst ein Teil des Systems geworden ist. Innerhalb dieses bewegt sich The World’s End aber überdurchschnittlich gut voran.

Die fünf Jungs: Simon Pegg (vorne, mitte), Nick Frost (vorne, links), Martin Freeman (vorne, rechts), Paddy Considine (hinten, rechts), Eddie Marsan (hinten, links)
Die fünf Jungs: Simon Pegg (vorne, mitte), Nick Frost (vorne, links), Martin Freeman (vorne, rechts), Paddy Considine (hinten, rechts), Eddie Marsan (hinten, links)

Denn was anfangs wie eine zähe Story anmutet – fünf Jungs werden vom Regisseur durch zwölf Kneipen getrieben – entwickelt sich zum ganz großen Sci-Fi Spaß mit überraschend vielen Kampfsequenzen, bei denen Simon Pegg und Nick Frost wie eine Auferstehung von Bud Spencer und Terence Hill wirken. Sollte es noch einen Cornetto-Film geben, bitte schicke man diese beiden Herren doch in den Wilden Westen. Hier jedenfalls prügelt man sich munter mit der Dorfbelegschaft, sieht sich mit dem Ober-Robot-Alien und Ex-Bond Pierce Brosnan konfrontiert und gerät in allerhand missliche Lage, sowohl menschlicher wie auch außerirdischer Natur.

Damit macht sich dann auch The World’s End zu einem formidablen Stück Genre-Parodie, bei der nicht nur Sci-Fi sein Fett weg bekommt – vor allem die unsägliche Fehlnutzung des Wortes Roboter wird thematisiert – sondern mit dem nicht erwachsen werden wollenden Gary King nimmt der Film auch ein wenig die Züge eines Growing Up Movies an, diese Coming Of Age Geschichten, an deren Ende der Held zum Manne geworden ist. Dass sich Edgar Wright davor sträubt, seiner Geschichte einen erwachsenen Helden ans Ende zu stellen, spricht für den großartigen, kindischen Humor, den sich die Dreierkombo um Wright, Pegg (die zusammen das Drehbuch verfasst haben) und Frost bewahrt haben.

 


The World's End_Filmplakat

“The World’s End“

Originaltitel: The World’s End
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: GB, 2013
Länge: ca. 109 Minuten
Regie: Edgar Wright
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Martin Freeman, Paddy Considine, Eddie Marsan, Rosamund Pike, Pierce Brosnan

Deutschlandstart: 12. September 2013
Im Netz: theworldsend.at