Filmkritik

“The Signal” von William Eubank

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Nic (Brenton Thwaites, links) und Kumpel Jonah (Beau Knapp, rechts) sind Hacker

Nic (Brenton Thwaites, links) und Kumpel Jonah (Beau Knapp, rechts) sind Hacker

Wenn wir den Machern des Sci-Fi Independent-Films The Signal Glauben schenken, so handelt es sich bei ihrem kleinen Ausflug ins Übernatürliche um eine spielfilmlange Episode der Twilight Zone. Irgendwo sehen sowohl Regisseur William Eubank als auch seine Drehbuchautoren Carlyle Eubank (der Bruder des Regisseurs) und David Frigerio gar eine Annäherung an Platons Höhlengleichnis, ein Befreiungsprozess vom rationalen Denkens hin zum emotionalen Handeln.

Das klingt ganz schön hochgestochen für diesen kleinen Film, der auch ohne solcherlei Parallelen durchaus seine Reize versprüht. The Signal erzählt von den drei College-Studenten Nic (Brenton Thwaites), Jonah (Beau Knapp) und Haley (Olivia Cooke), die sich auf die Suche nach dem Hacker Nomad machen, nachdem sie ein Signal von ihm aufspüren. In einem verlassenen Haus irgendwo im Nirgendwo Nevadas glauben sie Nomad ausfindig gemacht zu haben. Aber plötzlich wird Haley in den Himmel gesogen, die Jungs werden Ohnmächtig und als die drei wieder aufwachen, haben sie jede Erinnerung an dieses Ereignis verloren. Dafür befinden sie sich nun in einem isolierten Forschungslabor, wo der mysteriöse Dr. Wallace Damon (Laurence Fishburne) ihnen unangenehme Fragen stellt.

Lawrence Fishburne als Dr. Wallace Damon

Lawrence Fishburne als Dr. Wallace Damon

The Signal ist einer dieser kleinen, leisen Science-Fiction Filmen, die größtenteils auf ihre Effekte verzichten können und durch ihr visionäres Denken beeindrucken. Dass macht den Film tatsächlich zu einer Twilight Zone-Episode, wo beständig etwas um die Ecke gedacht wurde um atmosphärisch düstere Visionen aus Sci-Fi und Horror zusammen zu spinnen. Hier verwandelt sich nun ein Teenie Road Trip zur Begegnung mit einer fremden Kultur.

Der Film besticht dementsprechend über allerlei hübsches Anschauungsmaterial. Kameramann David Lanzenberg liefert beste Arbeit ab. Er filmt schöne wie verstörende Bilder, erschafft ambivalente Welten. In einem Moment sehen wir, wie Haley in der dunklen Nacht in den Himmel gezogen – gar geschleudert – wird, nur im Schein einer Taschenlampe zu erkennen. Im nächsten Augenblick wechselt das Bild aus der bedrückenden Dunkelheit in die grell-weiß erleuchtende Forschungseinrichtung.

Zu jedem guten Forschungslabor gehören auch die Experimente an einer Kuh

Zu jedem guten Forschungslabor gehören auch die Experimente an einer Kuh

Mit jedem Moment und jedem Bild nimmt die Verwirrung der Jugendlichen und die Beklemmung der Situation zu. Die Dunkelheit kehrt zurück, selbst das Licht wendet sich im flackernden Horror gegen das Wohlbefinden. Nic, dem wir hauptsächlich durch die Geschichte folgen, kann nichts weiter machen als abzuwarten, was hier mit ihm und seinen Freunden geschieht. The Signal erzählt von passiven Helden, die sich ihres aktiven Ursprungsgedanken der Jagd auf Nomad recht schnell berauben lassen. Es geschehen Dinge, die Nic mit seiner rationalen Denke nicht erklären kann. Der Collegestudent mit Muskelschwund (er geht an Krücken) wird ans Ende des Erklärbaren geführt.

Wenn das alles mehr nach einem Umschreiben klingt, so ist das gewollt. The Signal sollte man ohne großes Vorwissen genießen, dann entfaltet sich die Unterhaltungs- und Überraschungskurve der dramaturgischen Struktur erst richtig. Mit Gewissheit kann gesagt werden, dass es sich bei dem Film um Innovation und Klassik zugleich handelt, also wieder eine dieser Ambivalenzen, durch die der Film in seiner Machart besticht.

The Signal
97 Minuten, freigegeben ab 16 Jahren, Kinostart: 10. Juli 2014
im Netz: Offizielle Filmseite
alle Bilder © Capelight

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