© Universal Pictures International Germany GmbH / Ethan Hawke in "The Purge"
© Universal Pictures International Germany GmbH / Ethan Hawke in „The Purge“

Die Prämisse ist so cool wie einfach: In einer nicht allzu fernen Zukunft ist aus den Vereinigten Staaten eine wiedergeborene Nation geworden, in der Kriminalität und Arbeitslosigkeit fast nicht existent sind. Um diesen Zustand zu sichern, hat der Staat einen alljährlichen, zwölf Stunden andauernden ‚Purge-Day‘ ins Leben gerufen. Während dieser Säuberungszeit ist es den Bürgern gestattet, ihren eigenen Moralvorstellungen freien Lauf zu lassen. Polizei und Sanitäter sind nicht im Dienst, das Land verfällt für zwölf Stunden in Anarchie, ungesühnt und ungestraft. Hieraus entwickelt sich der Horrorthriller „The Purge“ von Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco, der nach seinem Spielfilmdebüt „Staten Island“ erneut mit Ethan Hawke zusammen arbeitet. Dieser verschanzt sich mitsamt seiner Familie in seinem Hochsicherheitswohnhaus um den Purge-Day nicht nur zu ignorieren, sondern auch zu überleben. DeMonaco zieht Anleihen zu Filmen wie Michael Hanekes „Funny Games“ und „Panic Room“ von David Fincher, verliert sich nur leider in banalen Gewaltexzessen, statt seiner guten Idee Leben einzuhauchen.

Stattdessen spult DeMonaco eine vorhersehbare, wenig originelle Story ab. Der Purge-Day steht kurz bevor. Das heißt für James Sandine (Hawke), Spezialist für Sicherheitssysteme, dass er sein Haus für die kommenden zwölf Stunden so absichern muss, dass seine Frau Mary (Lena Headey) und seine zwei Kinder vor der sich ausbreitenden Anarchie sicher sind. Nur passt er nicht gut genug auf seinen Sohn Charlie (Max Burkholder) auf, der einen plötzlich um Hilfe rufenden Fremden ins Haus einlässt. Dieser wird jedoch von einer ganzen Meute von psychopathisch anmutenden Teenagern in Horrormasken verfolgt, die dem Flüchtling nach dem Leben trachten. Sie wollen ihren Purge-Day zelebrieren und lassen sich dabei auch nicht von einer sich in ihrem Haus verbarrikadierenden Familie abhalten.

Ethan Hawke mit Lena Headey
Ethan Hawke mit Lena Headey

Nun könnte „The Purge“ einige Zeit damit aufwenden, die vermeintlich ausgesperrten bei diversen Versuchen zu zeigen, in das abgesicherte Heim der Familie zu gelangen. Hierauf werden allerdings nur wenige Minuten verschwendet. Dann stehen schon die Waffen schwingenden Randalierer im Wohnzimmer. DeMonaco hat seinen Film gänzlich unspannend inszeniert, gönnt weder der Handlung einen Spannungsbogen, noch den Figuren eine Entwicklung. Wenn die Grotesken Masken erst einmal im Haus sind, entwickelt sich eine gleichbleibende Hatz, die wie ein Katz- und Maus Spiel funktioniert. Lena Headey, als Sarah Connor in der Fernsehversion der Terminator-Saga ebenso fähig mit Waffen umzugehen wie in der Comicverfilmung „Dredd“, wirkt hier des Schauspiels unsicher. Mal muss sie zur Schusswaffe greifen, dann wieder vor Angst in einer Ecke kauern. Je nachdem was die Situation erfordert, nicht etwa wie die Figur sich eigentlich verhalten würde.

Die Spannung versucht man dadurch zu erzeugen, dass in abgedunkelten Räumen mit einer Taschenlampe hin- und her geleuchtet wird, nur um – es ist vorhersehbar – im nächsten Moment eine der Fratzen vor dem Lichtschein zu haben. Der Horror kommt durch den simplen Schockeffekt. Das plötzliche Auftauchen von Gesichtern auf der Leinwand ist alles was „The Purge“ zu bieten hat, um kurzzeitig das Herz schneller schlagen zu lassen. Von einer andauernden Gänsehaut kann nicht die Rede sein.

Die Fratzenmasken
Die Fratzenmasken

Dabei hat man einen so hübschen Bösewicht, dessen Intention zwar verborgen bleibt, der aber herrlich fies grinsen kann. Rhys Wakefield spielt den höflichen Fremdling, der ein wenig an den Joker aus den Batman-Comics erinnert. Er wirkt verstörend, psychopathisch, wie ein Jugendlicher der sich den Purge-Day dazu auserkoren hat, gut gekleidet, ein reales Videospiel zu spielen. Er ist eine Momentaufnahme davon, was „The Purge“ hätte werden können. Ein anarchisches Zukunftsszenario, in dem die potentiellen Massenmörder öffentlich und ohne Strafe, durch die Straßen ziehen können um die Morde zu begehen, die in heutiger Zeit noch regelmäßig schockierende Bilder in die Nachrichten bringen. In der Zukunft eine Normalität, die vom Staat gefördert wird. Zumindest für die zwölf Stunden des Purge-Days. Aber dies bleibt ein Randszenario, welches der Film nicht durchspielt. Denn hier liegt der Fokus auf der schlichten Waffengewalt.

Warum muss sich diese Familie verbarrikadieren? Warum wird der Fremde gejagt? Ist es wegen seiner Hautfarbe oder hat er ein Verbrechen begangen? Es wirkt alles so willkürlich wie wahllos. Man vermisst eine tiefgründige Nachricht hinter diesem Massaker, vielleicht gerade deswegen, weil die Idee so viel Spielraum geboten hätte. Aber seien es die anarchischen Möglichkeiten für Psychopathen oder die freie Waffengewalt, aus der einiges an Gesellschaftskritik herausziehen hätte können, „The Purge“ spielt sich immer nur an einer Oberfläche ab, die manisch gewalttätige Menschen gegeneinander stellt. Damit ist der Film nicht mehr, als der etwas anderer Nachbarschaftskrieg aus dem Vormittagprogramm.

 


The Purge_Hauptplakat

“The Purge“

Originaltitel: The Purge
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 85 Minuten
Regie: James DeMonaco
Darsteller: Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder, Adelaide Kane, Edwin Hodge, Rhys Wakefield, Tony Oller, Arija Bareikis, Tom Yi, Chris Mulkey, Tisha French

Deutschlandstart: 13. Juni 2013
Im Netz: blumhouse.com/thepurge