Filmkritik

“The Purge: Anarchy” von James DeMonaco

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Zach Gilford, Kiele Sanchez, Zoë Soul, Carmen Ejogo und Frank Grillo (v.l.n.r.) versuchen am Purge-Day zu überleben

Zach Gilford, Kiele Sanchez, Zoë Soul, Carmen Ejogo und Frank Grillo (v.l.n.r.) versuchen am Purge-Day zu überleben

Eigentlich möchte man die The Purge-Reihe schnell in eine Schublade stecken. Man könnte sie irgendwo mit den Saw-Titeln in Vereinbarung bringen, die ebenfalls nach einem denkwürdigen ersten Teil ausufernd zu Tode getortureporned wurden. Es besteht eigentlich kein Zweifel daran, dass auch The Purge in Serie gehen wird. Schon allein wenn nun The Purge: Anarchy, das Sequel zum 2013er Einstand am Ende verkündet, dass der nächste Säuberungstag nur noch 364 Tage und wenige Stunden entfernt ist. Das muss allerdings nichts Schlechtes sein, wie bereits die Fortentwicklung der Story in The Purge: Anarchy zeigt.

Eigentlich muss sich auch niemand vor The Purge fürchen. Hier basiert nichts auf Schockmomenten oder Horror. Das ist vielleicht das größte Missverständnis, dass weder Saw noch The Purge diesem Genre wirklich zuzuordnen wären. Wo Saw seine Widerlichkeit in den abstrusen Tötungsmethoden entfaltet, stützt sich The Purge auf ein paar Jugendliche, die sich am Purge-Day hinter grotesken Masken verstecken. Ansonsten geht es zumindest bisher nicht um ein möglichst bestialisches Abschlachten, sondern eben um das Tötungsspiel an sich, das eher mit bloßer Feuerwaffe oder im kreativsten Falle mit einer Machete vollzogen wird. Dementsprechend ist The Purge viel mehr Survivalabenteuer in der Großstadt als Schreckgespenst.

Frank Grillo streift durch die Stadt. Sein Ziel: Der Mörder seines Sohns

Frank Grillo streift durch die Stadt. Sein Ziel: Der Mörder seines Sohns

Regisseur James DeMonaco baut seinen Purge-Day nun aus. Im ersten Teil noch war die Handlung auf einen Einzelhaushalt beschränkt, nun folgen wir drei Parteien, die sich im Verlauf der Handlung begegnen und gemeinsame Sache machen werden. Frank Grillo mimt den hilfsbereiten Racheengel, der den Tod seines Sohn am Purge-Day vergelten will, dann aber durch Einzelschicksale abgelenkt wird. Carmen Ejogo und Zoë Soul sind ein Mutter-Tochter-Gespann, das aus ihrem Haus gezerrt und gepurged werden soll. Zach Gilford und Kiele Sanchez sind ein frisch getrenntes Pärchen, das wenige Stunden vor dem Purge-Day mit ihrem Auto liegen bleibt. Sie alle durchstreifen die Stadt also aus ganz unterschiedlichen Gründen, liefern damit aber ein Bild des Gesamtschadens, der außerhalb der heimischen vier Wände von statten geht.

Neben dieser neuen Perspektive auf den Purge-Day entwickelt sich die Kritik am System, in aller erster Linie durch den Revoluzzer Carmelo zur Sprache gebracht. Er entlarvt die Zweiklassen-Gesellschaft, die durch die Regierung unterstützt wird. Die Armen werden legal gepurged, während die Reichen in Sicherheit leben. Die Reduzierung der Bevölkerung gewährt der Regierung die einfache Kontrolle über die Gesellschaft. Dass Offizielle in gigantischen Trucks mit Maschinengewehren die Stadt durchstreifen und im Namen dieser Regierung selbst die Ablebensrate nach oben treiben, ist nur eine von vielen makabren Nebensächlichkeiten die der Purge-Day mit sich bringt.

Mutter (Carmen Ejogo, rechts) und Tochter (Zoë Soul, links) setzten sich gegen Angreifer zur Wehr

Mutter (Carmen Ejogo, rechts) und Tochter (Zoë Soul, links) setzten sich gegen Angreifer zur Wehr

Damit schafft der Film einen dystopischen Blick auf eine Republikaner-Gesellschaft, in der die USA-typische Waffenaffinität zur Geltung gebracht wird. So sehr man also auf Fließbandware eingestellt sein mag, so gut liefert The Purge: Anarchy doch einen Diskurs zu realen USA-Problematiken und zeigt sich somit als klassisches Sci-Fi Produkt. Ähnlich wie in der Tribute von Panem-Serie müsste nun im dritten Teil der große Aufstand gegen die Regierung folgen. Fraglich nur, ob dieser hier erfolgreich ausgehen wird, wo solcherlei Filme doch auch gerne mal mit dem tragischen Ende aufwarten.

Wo auch immer die Reise hinführen wird, immerhin leidet The Purge: Anarchy schon mal nicht an dem Qualitätsschwund, der oftmals als Begleiterscheinung schnell produzierter Filmserien auftritt.

The Purge: Anarchy
103 Minuten, freigegeben ab 16 Jahren, Kinostart: 31. Juli 2014
im Netz: Offizielle Homepage zum Film
alle Bilder © Universal Pictures International Germany GmbH

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