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THE MERMAID ist die skurrilste Version von Andersens Märchen-Klassiker

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The Mermaid eröffnet mit einem Bauerntölpel, der sein Geld mit einem selbst hergerichteten Museum macht. Hier zeigt er den Schattenwurf eines Leguans als Tyrannosaurus, präsentiert seinen angepinselten Hund als Säbelzahntiger und steigt schlussendlich gar selbst als recht armselige Meerjungfrau mit Bartwuchs aus seiner Badewanne. Einer seiner Besucher muss so arg lachen, dass er an einem Herzinfarkt stirbt. Willkommen in der wunderbar skurrilen Welt des chinesischen Filmemachers Stephen Chow, der uns Shaolin Kickers, Kung Fu Hustle sowie CJ7 brachte und jetzt seine Fassung des Meerjungfrauen-Märchens von Hans Christian Andersen präsentiert.

Aber es soll nicht um diese erbärmliche Kostümierung als eine Meerjungfrau gehen, sondern um eine waschechte Meeresbewohnerin mit Fischschwanz. Shanshan (Lin Yun) wird von ihresgleichen und einem Oktopus-Mann (Show Luo) losgeschickt um den geldgeilen Geschäftsmann Liu Xuan (Deng Chao) davon abzuhalten, weiterhin seine Sonar-Technologie einzusetzen, die alles Leben im Meer dahingerafft hat. Aufhalten heißt in diesem Falle ihn zu verführen und dann zu töten. Das Problem ist allerdings, dass Shanshan und Liu Xuan nach anfänglichen Schwierigkeiten gewisse Sympathien füreinander entwickeln.

Und hier liegt eine der größten Stärken von The Mermaid. Das Duo aus reicher Schnösel und naive Meerjungfrau wirkt komödiantisch großartig zusammen. Liu Xuan wird von Deng Chao zum einen Teil als charmanter Cary Grant gespielt, zum anderen Teil als Clown à la Pee-wee Herman.

The Mermaid

Meerjungfrau Shanshan (Lin Yun) mit dem Geschäftsmann Liu Xuan (Deng Chao)

Derweil ist Shanshan die Parodie einer – achwas, aller – Disney-Prinzessinnen. Vielleicht wie eine Disney Prinzessin, die vor lauter Singerei und flauschigen Tierchen den Verstand verloren hat. Lin Yun gelingt hier das Spiel auf dem schmalen Grat zwischen naiver Liebenswürdigkeit und einem absolut abschreckend-verrückten Touch. Zugleich schafft sie es ihre Meerjungfrau sowohl als tollpatschige Heldin der Geschichte zu zeigen, aber auch als verzweifelte Überlebende in einem Natur-Massaker.

Hier finden wir eine große Parallele zu den Animationsfilmen des Studio Ghibli, in denen von Naturkatastrophen, von Verschmutzungen und Modernisierungen erzählt und das Verhalten der Menschheit angeprangert wird. Zumindest in der ersten Hälfte von The Mermaid kommt das auch hier sehr gut hervor, während sich die zweite Hälfte in übermäßiger Slapstick-Brutalität verliert, die manches Mal nur allzu deutlich auf die menschlichen Abschlachtungen von Delfinen oder Walfischen zurückführen sollen. Hier ist The Mermaid auf einmal mehr Sharknado als ein liebevoll gestaltetes Fantasy-Märchen.

Aber man möchte es Regisseur Stephen Chow verzeihen, der uns mit solchen Absurditäten immerhin zu unterhalten weiß, wenn wir uns auf diesen verrückten Ritt einlassen. Seine Filme sind nicht unbedingt einfach zu schlucken mit ihrer bunten und überzogenen Cartoon-Art und Figuren, die Karikaturen ihrer selbst sind. Aber ebenso wie Leslie Nielsen, Mel Brooks oder die Werke von Monty Python, funktionieren diese Albernheiten bei manchen Filmemachern einfach. Und Chow ist einer von ihnen.

The Mermaid

Der Oktopus-Mann (Show Luo)

Ihm lassen wir die junge Meerjungfrau durchgehen, die eine unerklärte Faszination an gebratenen Hähnchen findet. Oder die Meerjungfrau-Älteste (Meeraltfrau?), die mit ihrer gigantischen und glitzernden Flosse über das Wasser befehligt und Geschichten aus vergangenen Tagen lebendig werden lässt. Oder der Oktopus-Mann, der sich an einem Sushi-Tisch als Koch wiederfindet, wo seine eigenen Tentakel als Zutat herhalten müssen.

Auch kann man bei The Mermaid über die Effekte hinweg sehen, die niemals so ganz glaubwürdig diese Fantasygestalten in Form bringen können. Aber darauf kommt es dem Film auch gar nicht an. Er erzählt einfach seine Geschichte vom sauberen Wasser, von frischer Luft und der Geldgier, die diesen Träumen im Weg steht.

The Mermaid hätte etwas mehr Fish-Out-Of-Water Geschichte sein können als sich später zum puren Abschlacht-Fest zu verwandeln. Aber der Komik-Schlagabtausch zwischen Deng Chao und Lin Yun wird von Stephen Chow in seiner ganz eigenen kuriosen Weise ausgespielt und macht diesen Film auf absonderliche Art durchaus sehenswert.

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