Filmkritik

“The Look of Love” von Michael Winterbottom

0
© Alpenrepublik / Steve Coogan inmitten von Tamsin Egerton, Anna Friel und Imogen Poots

© Alpenrepublik / Steve Coogan inmitten von Tamsin Egerton, Anna Friel und Imogen Poots

Hugh Hefner ist weltweit ein Begriff. Der Mann der die Playboy-Bunnies um sich schart, zuletzt wurde er in „Lovelace“, der Geschichte der „Inside Deep Throat“-Pornodarstellerin Linda Lovelace von James Franco dargestellt. Ein anderer Mann, der im selben Business aktiv ist und dem nun Michael Winterbottom („9 Songs“, „The Killer Inside Me“) mit „The Look of Love“ seine Aufmerksamkeit schenkt, ist Paul Raymond. Gestorben im März 2008 war Raymond der Herausgeber zahlreicher Softporno-Magazine wie Men Only, Escort, Club International oder Mayfair, zugleich aber auch Strip-Club-Besitzer und Händler im Immobilienbereich. Nachdem er den allerersten Strip-Club in Großbritannien eröffnete – was ihn zumindest dortzulande zu einer bekannten Größe werden lies – erlangte er enormen Reichtum und die Betitelung ‘König von Soho’. Noch vor seinem eigenen Tod wollte er 1992 sein Gesamtvermögen seiner Tochter Debbie hinterlassen, die dann aber an einer Drogen-Überdosis noch vor ihm das Zeitliche segnete.

Tochter Debbie (Imogen Poots)

Tochter Debbie (Imogen Poots)

Genau an dieser Stelle setzt „The Look of Love“ an. Paul Raymond, dargestellt von Steve Coogan, kehrt nach der Beerdigung seiner Tochter Debbie (Imogen Poots) in sein Apartment zurück, legt ein Videoband einer Fernsehsendung ein, in der er gemeinsam mit der Tochter zu sehen war und reflektiert ihr gemeinsames Leben. Der zeitliche Perspektivwechsel macht den alternden, trauernden Coogan zur Rahmenhandlung, von der aus die Zuschauer immer wieder subjektive Erinnerungsfetzen präsentiert bekommen. Zuerst verschlägt es uns zurück in die späten 1950er Jahre, in denen sich Raymond dadurch einen Namen macht, dass er halbnackte Damen in seinen Varieté Shows auftreten lässt. Von hier aus geht seine Karriere steil bergauf. Schon bald eröffnet er seinen ersten Strip Club, die Raymond Revue Bar, deren Erfolg es ihm ermöglicht, sein Imperium immer weiter auszubauen. Immer, auch in auf alt getrimmten schwarz/weiß Aufnahmen der Anfänge seiner Karriere, stellt der Film nicht nur die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt, sondern von Paul Raymond und den Frauen in seinem Leben insgesamt. Hinzu gesellen sich die Erst-Ehefrau Jean (Anna Friel) und seine zweite Beziehung zu der Schauspielerin Amber St. George (Tamsin Egerton).

Man möchte Darsteller Steve Coogan mögen, spielt er hier doch wohl die größte und bedeutsamste Rolle seit langer Zeit. Zumindest in Deutschland, denn in seiner Heimat ist er dieser Tage als „Alan Partridge: Alpha Papa“ zu sehen, einer gleichnamigen, von ihm erfundenen Comedy Figur, die seit 1991 existiert und schon mehrere Radio- und Fernsehauftritte hinter sich hat. Hier spielt er einen anderen Alpha-Vater, der seine eigene Tochter in die Porno-Industrie einführt, durch die sie Zugang zu dem Lebensstil und den Drogen erhält, die zu ihrem hier eingangs gezeigten Ende führen. Coogan füllt die Rolle des Paul Raymond mit ausreichend dramatischen Zügen, hält aber immer seine Wurzeln zur Comedy aufrecht um die aufgedrehte Art des King of Sohos zwischen Playboy und Drogen darzulegen. Leider schafft er es mit dieser Darstellungsweise noch weniger als Amanda Seyfried in „Lovelace“ die Tragik der Person zum Ausdruck zu bringen, dessen reales Leben mit dem Tod der Tochter und dem dahinscheidenden Imperium so viel unerträglicher gewesen sein wird als der Film es zeigen möchte.

„The Look of Love“ nimmt den klassischen Hollywood-Weg in Sachen Porno-Thematisierung. Regisseur Michael Winterbottom stellt die Erotik-Bezüge seiner Filmwelt in das Licht einer Komödie, um sie lustig herunter zu spielen. Dabei entfaltet sich das Drama um die familiäre Tragödie nur am Rande, wodurch trotz des wunderbar anzusehenden Steve Coogan die bunten Bilder, die nackten Frauen oder die britisch-bissigen Drehbuchzeilen von Matt Greenhalgh nur zu einer sehr trocken betrachteten, nüchternen Geschichte um eine Vater und Tochter Beziehung aufgebaut wird.

 


The Look of Love_Hauptplakat

“The Look of Love“

Originaltitel: The Look of Love
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: GB / USA, 2013
Länge: ca. 101 Minuten
Regie: Michael Winterbottom
Darsteller: Steve Coogan, Imogen Poots, Tamsin Egerton, Anna Friel, Shirley Henderson, Stephen Fry, Simon Bird, Matt Lucas, David Walliams

Deutschlandstart: 29. August 2013
Im Netz: thelookoflove-film.de


Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up