Filmkritik

“The LEGO Movie” von Phil Lord & Christopher Miller

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Batman ist nur einer von vielen Helden in "The LEGO Movie"

Batman ist nur einer von vielen Helden in “The LEGO Movie”

Es ist schon ein besonderer Moment, wenn dieses kleine, knuddelige Einhorn-Kätzchen in pink und Regenbogenmuster gemeinsam mit Batman, die Coolness in Person, in einem sinkenden U-Boot sitzt und das ganz entgegen der üblichen Welt des Dunklen Ritters mit den zuckersüßen Worten „Die Wände weinen“ kommentiert. Immer alles positiv sehen, immer das Gute in der Welt suchen gegen diesen Typen mit der rau finsteren Stimme: „Ich bin Batman“. Ein Film, der ein solches anarchische Kuddelmuddel abfeiert, bei dem Gandalf, der mächtige Zauberer aus Der Herr der Ringe, auf Professor Dumbledore aus Hogwarts trifft, ein Film der Michelangelo, den Maler, gleich auf dem Stuhl neben Michelangelo, dem Teenage Mutant Ninja Turtle platziert, ein solcher Film kann nur in das Tohuwabohu des Kinderzimmers gehören.

Emmet ist ein ganz herkömmliches LEGO-Männchen

Emmet ist ein ganz herkömmliches LEGO-Männchen

Überraschenderweise hält sich das Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller, die schon aus dem Kinderbuch Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen und der TV-Adaption 21 Jump Street nur Gutes, aber eben auch einen gewissen anarchischen Humor, herausgeholt haben, in keiner Weise zurück, lassen ihrer Fantasie im Umgang mit den bunten Bauklötzchen freien Lauf und scheinen auch noch den Segen der LEGO-Firma inne zu haben. Anarchie wird propagiert, ein gewisser Lord Business plant zwar die LEGO-Welten zusammen zu kleben, um Ordnung zu wahren, aber eine Gruppe von Aufständlern stellt sich ihm entgegen um die Freiheit der besagten Fantasie, der Bauwürdigkeit der LEGO-Zivilisation zu wahren. Dabei turnen die kleinen Figürchen unter Anleitung eines alt ehrwürdigen Magiers durch den Wilden Westen, nur um im nächsten Moment im plüschpinken Wohlfühlparadies zu landen. Irgendwann findet man sich auf hoher See auf einem Piratenschiff wieder, dann im Sci-Fi ähnlichen Hochhaus des gruseligen Lord Business.

Dass der Hauptheld ausgerechnet ein Bauarbeiter ist, ist nur ein kleines Indiz dafür, dass das LEGO aus unserer realen Welt mit all seinen Eigenschaften durchaus Beachtung findet. Auf der Baustelle, wo wir Emmet nach kurzer Einführung seines Alltagsbeginns und dem garantierten Ohrwurm Hier ist alles Super! (Everything is Awesome im Original gesungen von den Geschwistern Tegan & Sara), in seinem Arbeitsumfeld erleben, wird noch strikt nach Bauplänen gearbeitet, die frisch einer LEGO-Verpackung entsprungen sein könnten. Aber Baupläne sollen fallen gelassen werden, das ist der große Aha-Moment des LEGO Movies. Der Film hätte schnell als Marketing Kampagne für das eigene Produkt genutzt werden, distanziert sich allerdings viel mehr von den konformen Spielewelten, die man in den Supermarkt-Regalen vorfindet. Da gibt es eine Star Wars-Welt, eine Piratenwelt, ein Harry Potter-Spielset. Der LEGO Movie allerdings spinnt dies alles in die Handlung ein, nur um das chaotische, ungeplante Bauvergnügen in den Vordergrund zu stellen.

Der böse Lord Business

Der böse Lord Business

Das ist die wundervolle Geschichte, die auf der Meta-Ebene die Kinder begeistern wird. Wo eine Erwachsenenwelt fein säuberlich ihr LEGO aufbaut und zu Landschaften zusammenfügt, in denen alles der Norm entspricht und bloß nicht verändert, geschweige denn auseinander gebaut und neu zusammen gesetzt werden darf, manövrieren Lord und Miller ihren Film von solch sterilen Spielewelten ins totale Chaos. Hier ein Bauklotz, dort ein Stein, ein wirres Durcheinander wie der Film selbst, so gehört es sich für eine tatsächlich ordentliche LEGO-Spielwelt, für das Kinderzimmer, in dem man Angst davor haben muss, auf einen solchen LEGO-Stein zu treten und sich die kleinen Noppen in den Fuß zu bohren. Wenn man dem Film nun tatsächlich etwas anlasten wollen würde, dann dass all das manches Mal ein wenig überbordend wirkt. Da fliegen einem so viele Bauklötze um die Ohren, das man schon mal die Orientierung verlieren kann.

Aber man kann einfach keinem Film böse sein, der einen blauen 80er Jahre Astronauten in die Handlung verstrickt, der beständig versucht seinem Team damit zu helfen, eines dieser Uralt-Raumschiffe zu bauen. Davon schwärmt dann auch die ältere Generation, weil sie diesen Typen genau kennen, mit seinem blauen Helm, seinem lustigen kleinen Planeten auf der Brust und dieses Raumschiff, das dann irgendwann sogar mit Blink- und Geräuscheffekten versehen wurde. Der LEGO Movie macht nicht nur Spaß, sondern muss eigentlich auch gleich mehrmals angesehen werden, da man beim ersten Mal ganz sicher nicht die vielen kleinen Details entdeckt, die sich in all den Welten des Films verbergen. So funktioniert der Film doch wieder als groß angelegte Marketing-Kampagne. Denn nach dem Kino könnte der Weg ganz schnell in den nächsten Supermarkt führen – nur um dann doch mal wieder das LEGO-Regal abzugehen.


The LEGO Movie_Plakat”The LEGO Movie”

Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 100 Minuten
Regie: Phil Lord & Christopher Miller
Deutsche Synchronstimmen: Patrick Schröder, David Nathan, Claudia Urbschat-Mingues, Klaus Sonnenschein, Bernd Rumpf, Stefan Staudinger

Kinostart: 10. April 2014
Im Netz: warnerbros.de/lego

Bilder © Warner Bros. Pictures Germany


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