© Tiberius Film / "The Innkeepers" kommt von Regisseur Ti West, Regisseur von "Cabin Fever 2" und "House of the Devil".
© Tiberius Film / “The Innkeepers” kommt von Regisseur Ti West, Regisseur von “Cabin Fever 2” und “House of the Devil”.

Ti West hat wieder zugeschlagen. Nach seinem grottigen “Cabin Fever 2” und dem erstklassigen 80er Jahre Styler “The House of the Devil” kommt mit “The Innkeepers” sein fünfter Spielfilm heraus. Und “The Innkeepers” wird den Erwartungen – nämlich einen optisch tollen, gruseligen Film zu sehen – gerecht. Schöne Kamerafahrten, unheimliche Geräusche und zwei tolle Hauptdarsteller sorgen für wohligen Grusel und den einen oder anderen Edge-of-the-Seat Moment.

Irgendwo in einem Hotel sitzen die beiden Angestellten Claire (Sara Paxton, “Hostel 2”) und Luke (Pat Healy, “24”) die letzten Tage ihres Hotels ab. Kommenden Montag wird der Bau abgerissen und sie schlagen die Zeit mit ‘Geisterjagen’ tot, sprich die beiden Hobby-Ghostbusters horchen mit einem speziellen Mikrofon in die Flure des altehrwürdigen Yankee Pedlar Inn. Doch plötzlich wird aus dem schrägen Spaß Ernst, denn tatsächlich meldet sich der Geist der vor vielen Jahren im Keller des Hotels getöteten Madeline O’Malley. Verängstigt wendet sich Claire an das zufällig im Hotel wohnende Medium Leanne (Kelly McGillis, ja die Kelly McGillis aus “Top Gun”!). Doch damit geht der Horror erst richtig los, denn der Geist der Madeline scheint sich gestört zu fühlen…

Herrlich unaufdringlich und ruhig beginnt “The Innkeepers” – und geht auch so weiter. Hier gibt es kein unnötiges Bimborium oder große Effekte. Rückblickend betrachtet hat der Geist, dem hier Sara nachspürt, nur drei Auftritte. Diese sind jedoch wohl kalkuliert und nicht effekthascherisch. Regisseur, Drehbuchautor und Cutter Ti West ist es ganz offensichtlich wichtiger, eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen, als Angst und Schrecken im Übermaß zu verbreiten. Wobei dies auch ein Hauptproblem sein dürfte. Geht man als Zuschauer nämlich mit falschen Erwartungen an “The Innkeepers” – und das etwas billig wirkende Geister-Cover der deutschen DVD/BluRay schürt diese Erwartungen -, könnte man enttäuscht werden. Hier wird wirklich oft minutenlang durch leere Gänge gelaufen und der Atmosphäre eines (beinahe) leeren Hotels gefröhnt. Und diese Atmosphäre wird großartig vom Regisseur, Kameramann Eliot Rockett und Komponist Jeff Grace herauf beschworen.

Darstellerisch überzeugt vor allem die knuffige Sara Paxton, die mit großen Augen und intuitiver Neugier endlich einen Geist aufspüren will. Ihr zur Seite steht Pat Healy, der als feiger Nerd letztendlich doch noch Rückgrat zeigt. Der ehemalige Traum pubertärer Jungs Kelly McGillis war jahrelang von der Bildfläche mehr oder weniger verschwunden und zeigt in einem ihrer raren Auftritte, dass sie noch immer Präsenz hat. Doch “The Innkeepers” hat einen Makel. Und der ist das Ende. Urplötzlich, ruckzuck und unbefriedigend endet der Film und lässt den Zuschauer mit jeder Menge Fragen und losen Handlungssträngen zurück. Und woher Genrestar Eli Roth seine auf dem Cover mit “Einer der besten, klügsten und gruseligsten Horrorfilme” zitierte Erkentnis hat, ist schleierhaft. “The Innkeepers” ist zwar toll, aber klug? Fans von “Shining” und “The House of the Devil” können jedoch ruhigen Gewissens zugreifen.

Als Bonusmaterial gibt es ein paar Behind the Scenes-Szenen und die Trailer zum Film zu sehen. Besser als gar nichts.

Renatus Töpke

The Innkeepers_Hauptplakat

“The Innkeepers – Hotel des Schreckens“

Originaltitel: The Innkeepers
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 101 Minuten
Regie: Ti West
Darsteller: Sara Paxton, Pat Healy, Alison Bartlett, Jake Ryan, Kelly McGillis, Lena Dunham

DVD/Blu-Ray Start: 17. Januar 2013
Offizielle Homepage: tiberiusfilm.de/theinnkeepers