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Filme ohne Farbe: “The Good German” (2006) von Steven Soderbergh

Man könnte meinen, man befände sich inmitten von Casablanca, dem 1942er Filmklassiker mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Wie diese beiden am Ende auf einem Flugplatz stehen, sich verabschieden. Die Worte “We’ll always have Paris” fallen. Ingrid Bergman dreht sich weg. Sie geht. Nur in The Good German sind es George Clooney und Cate Blanchett, die dort auf dem Landeplatz stehen. Im Regen. In schwarz-weißen Bildern. Ein Film Noir von Steven Soderbergh, der allerhand Classic Hollywood zitiert, nur leider allzu wenig selbst einbringt.

Steven Soderbergh – der mit Clooney die Ocean’s Eleven Trilogie drehte – hat mit The Good German den gleichnamigen 2001er Roman von Joseph Kanon nach einer Drehbuch-Adaption von Paul Attanasio (Sphere, Der Anschlag) verfilmt. In seinem Film sieht alles nach einer 1940er Jahre Produktion aus, mit der Ausnahme dass seine Sexszenen und seine Sprache kaum mit dem Hays Production Code der alten Zeit zu vereinbaren gewesen wäre. Hier nimmt sich Soderbergh die Freiheit, die Beschränkungen der Zeit aufzubrechen.

The Good German
George Clooney und Tobey Maguire in THE GOOD GERMAN von Steven Soderbergh.

George Clooney spielt hier den US Journalisten Jake Geismer, der nach Berlin zurückkehrt, von wo er vor dem Krieg berichtet hat. Jetzt findet er sich im Berlin des Jahres 1945 wieder, wo seine Stadt von den Amerikanern, den Briten, Franzosen und Russen aufgeteilt wird, wo Truman, Churchill und Stalin just einreisen, um an der Potsdamer Konferenz teilzunehmen.

Trotz der politischen Relevanz dieses Ereignisses, interessiert sich Jake mehr dafür, seine einstige Liebe Lena Brandt (Blanchett) ausfindig zu machen. Während aus dem für seine Sache brennenden Jake durch den Krieg ein bitterer Mann geworden ist, hat sich Lena von dem netten Mädchen in eine harte Frau verwandelt. Die beiden treffen sich, aber Jake findet mehr als nur seine alte Flamme. Er stolpert über eine Leiche, über eine Verschwörung und verliert dabei all seinen Idealismus.

Dann wäre da noch Tobey Maguire als Tully, der Typ der Lena in seinen Klauen hat. Die Figur ist leider zu Beginn allzu präsent, allzu langweilig und dann allzu schnell wieder verschwunden.

Aber The Good German scheint ohnehin kein Interesse an seinen Figuren zu haben. Clooney hat sichtlich Probleme seinem Journalisten irgendwelche interessanten Facetten zu verleihen. Blanchett wird von der Kamera zwar in bester Film Noir-Form eingefangen, darf ihr Profil in den Schatten verbergen und dadurch mysteriös aussehen, ihre Figur allerdings bleibt flach.

In beiden Fällen könnte man argumentieren, dass Soderbergh auch beim Drehbuch die Einfachheit der 1940er Jahre kopieren wollte, aber selbst Casablanca – eines der größten Vorbilder für The Good German, selbst das Filmposter wurde “geklaut” – hat Bogart und Bergman mehr zu tun gegeben als Clooney und Blanchett.

The Good German
Cate Blanchett versteckt sich in den tiefschwarzen Schatten des Film Noir.

Dafür merkt man, dass der Regisseur ein Liebhaber des klassischen Filmemachens ist. Soderbergh zeigt, wie man auch in modernen Zeiten noch mit alten Techniken filmen kann. Und ja, er ist selbst sein eigener Kameramann (er taucht im Abspann als Peter Andrews auf) und er hat seinen eigenen Filmschnitt gemacht (hier als Mary Ann Bernard).  

In jedem Bild sehen wir die tiefen Schwarztöne, die das Film Noir-Gefühl ausmachen. Die Übergänge sind nicht hart geschnitten, sondern mit Überblenden ausgestattet, die das Bild davon wischen lassen. Und Soderberghs Kollaborateur Thomas Newman sorgt für Musik, die pompös dramatisch manche Szene untergräbt.

Das macht aus The Good German zwar ein technisches Vorzeige-Beispiel für das Wiederaufleben-lassen der alten Filmklassiker, der allerdings seinen ganzen Fokus auf Bild, Ton und Style legt und darüber seinen Inhalt aus den Augen verliert.

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