Kinokritik

THE GIRL WITH ALL THE GIFTS ist endlich ein origineller Zombiefilm

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Es gibt Jungdarsteller und -darstellerinnen, die durch bestimmte Schauspielrollen so sehr auf sich aufmerksam machen, dass man danach ein genaues Auge auf sie wirft und verfolgt, wie es mit ihren Karrieren weitergeht. Natalie Portman hat hier sicherlich einen der erfolgreichsten Wege zurückgelegt, seit sie im Alter von 13 Jahren in Luc Bessons Léon – Der Profi mitgespielt hat. Heutige Beispiele wären Jacob Tremblay und seine meisterhafte Leistung in Raum oder Millie Bobby Brown, die sich seit der Netflix-Serie Stranger Things größter Beliebtheit erfreut. Leider ist The Girl with all the Gifts etwas untergegangen, aber Sennia Nanua hätte es verdient, sich an die Seite dieser Namen zu stellen.

Nanua spielt Melanie, ein junges Mädchen das in einer Welt der nahen Zukunft lebt, in der die Menschheit unter einem Seuchepilz zu leiden hat. Die Infizierten werden ihres eigenen Willens beraubt und verwandeln sich in fleischfressende Zombies, die als ‘Hungries’ bezeichnet werden. Melanie gehört zu einer kleinen Gruppe von Kindern, die zwar den Hunger auf Menschenfleisch verspüren, aber ihre Eigenschaft des freien Denkens und Lernens behalten haben. Diese Hybride gelten als Hoffnung der Menschheit auf Heilung.

Während Dr. Caldwell (Glenn Close) die Kinder als Versuchsobjekte betrachtet und sie nur zu Zwecken der Pilzheilung untersuchen und austesten will, entwickelt Lehrerin Helen Justineau (Gemma Arterton) Emotionen für ihre Kinder. Als der Armee-Stützpunkt überrannt wird, flüchten die drei gemeinsam mit Sgt. Parks (Paddy Considine) in ein von ‘Hungries’ bevölkertes London.

The Girl with all the Gifts

Die Gruppe manövriert sich durch ein dystopisches London

The Girl with all the Gifts ist unter der Regie von Colm McCarthy entstanden, dessen Arbeiten reichlich Sherlock, Doctor Who und Peaky Blinders beinhalten. Er hat wiederum nach einem Drehbuch von Mike Carey gearbeitet, der sein eigenes Buch adaptiert hat, das in Deutschland unter dem Titel Die Berufene erschienen ist.

Dem Film gelingt es wunderbar die Standpunkte von sowohl Justineau als auch Caldwell deutlich zu machen. Die Lehrerin beschützt ihre Kinder, die Forscherin möchte die Menschheit beschützen. Hier wird das ewige Dilemma deutlich, ob man das Wohl weniger über das Wohl vieler stellen sollte. The Girl with all the Gifts stellt sich dabei auf die Seite von Justineau, die wunderbar mitfühlend von Gemma Arterton gespielt wird.

Arterton leidet unter dem vermeintlichen Fluch, ein Bond-Girl im am wenigsten gemochten Neu-007 Ein Quantum Trost gewesen zu sein und seither keine Aufmerksamkeit-erregenden Rollen mehr bekommen zu haben. Völlig zu Unrecht muss man nach ihr suchen, findet dann aber großartige kleine Filmperlen wie Immer Drama um Tamara, Byzantium oder eben The Girl with all the Gifts.

Sie ist es aber nicht alleine, die diesen Film trägt. Die kleine Hauptdarstellerin Nanua wird von Arterton, Glenn Close (großartig bitchy) und Paddy Considine mit gestandenen Schauspielern und Schauspielerinnen umgeben. Dennoch gelingt es ihr, sich in den Fokus der Handlung zu manövrieren und die ‘großen Namen’ tatsächlich wie Beiwerk erscheinen zu lassen.

Nanua schafft den Wechsel von strahlend lächelndes Kind, das mit großen, neugierigen Augen den Geschichten ihrer Lehrerin lauscht zu Instinkt getriebener Killermaschine, wenn sie Blut und Fleisch zu riechen bekommt. Es tut immer ein bisschen weh, wenn wir das arme Kind festgeschnallt wie Hannibal Lecter sehen, wie sie mit all den anderen Exemplaren ihrer Hybrid-Gattung in Rollstühlen in den Klassenraum geschoben wird. Aber wir wissen ebenso, dass das durchaus notwendig ist.

The Girl with all the Gifts

Justineau (Gemma Arterton, links) und Caldwell (Glenn Close, rechts) haben Angst vor den ‘Hungries’

Das Hybrid-sein ist alles andere als eine Erlösung für diese Kinder. An Melanie erleben wir, wie es ist, wenn ein Zombie sein Bewusstsein behalten würde. Sie verspürt den Hunger, sie reißt Tiere in der freien Natur, sobald sie in London unterwegs ist und kehrt blutverschmiert zur Gruppe zurück, von der sie nicht will, dass sie ihr beim Fressen zuschauen. Melanie ist jedes Mal wieder äußerst beschämt darüber, von was für Gelüsten sie geplagt wird.

Dabei werden selten kleine Witzeleien eingebaut, die als typisch britisch-schwarz bezeichnet werden dürfen. Wenn Justineau mit Melanie über die Möglichkeiten eines normalen Lebens spricht und sie ganz beiläufig fragt, ob sie denn eine Katze haben wollen würde, antwortet das Mädchen darauf, dass sie gerade eine gehabt hätte. Wir wissen was gemeint ist, ohne dass die Unterhaltung weitergeführt werden müsste.

 

Das gibt dem Zombie-Genre einen erfrischenden, neuen Twist, ebenso wie es zuletzt Maggie mit Arnold Schwarzenegger und Abigail Breslin getan hat. The Girl with all the Gifts lebt neben seiner originellen Handlung natürlich von seinen Darstellern, aber auch von der postapokalyptischen Landschaft, die in diesem Fall aus der Überwucherung Londons besteht. Die Kombination all dieser Dinge macht den Film so überaus erlebenswert.

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