Kinokritik

In THE FOUNDER erschafft Michael Keaton das McDonald’s Fast Food-Imperium

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Eine filmische Lehrstunde der Fast Food-Historie: The Founder mit Michael Keaton als hartnäckig-skrupelloser Ideen-Dieb.


The Founder

The Founder

Unter Ray Krocs Leitung wird McDonald’s ein wahrer Magnet für hungrige Mägen.

Da beißen doch verliebte Paare und Familien ganz genüsslich in einen Hamburger und es scheint niemanden zu kümmern, dass man bei McDonald’s sitzt und sein Essen genießt. Das angeschlagene Billig Fast-Food Ding, das wir heute an jeder Bahnhofsecke vorfinden, hat einmal klein und – ja wirklich – renommiert angefangen. Wie man in The Founder sehen kann, hat den McDonald’s Brüdern Dick und Mac nämlich tatsächlich etwas an der Qualität ihrer Burger, Pommes und Getränke gelegen. Dann kam aber ein gieriger Geschäftsmann daher.

Dessen Name war Ray Kroc und er wird im Film von Michael Keaton gespielt, der sich auf einen Deal mit den Brüdern Dick (Nick Offerman) und Mac (John Carroll Lynch) McDonald einlässt. Unter der Regie von John Lee Hancock (Saving Mr. Banks, The Blind Side) wird die Geschichte Krocs erzählt, wie er aus dem Einzelunternehmen mit moralischem Auftrag ein landes- und bald weltweites Franchise-Ding hochzieht, dass nichts mehr mit den Moral- oder Qualitätsansprüchen seiner Gründer zu tun hat, die schon bald aus dem Geschäft gedrängt werden.

Ray Kroc besteht hier darauf, dass es dreier Dinge bedarf um ein Unternehmen erfolgreich werden zu lassen: Ehrgeiz, Hartnäckigkeit und Rücksichtslosigkeit. Dass Kroc im Film darüber dann seine Ehefrau verliert, seine anfängliche Freundschaft zu den McDonald-Brüdern und überhaupt alles, was an Menschlichkeit grenzt, ist dieser Mann durchaus bereit an Opfern zu bringen.

Hier wird sich das Kinopublikum spalten. All diejenigen, die Menschlichkeit und Moral an erster Stelle sehen, werden natürlich nicht verstehen, wie Kroc eine Ehefrau opfern kann, um den McDonald’s-Namen an sich zu reißen und in einen Goldesel zu verwandeln.

Dann werden da aber auch die Zuschauer sein, die sich für Kroc eigentlich freuen können. Denn er findet natürlich eine neue Frau, er hat Erfolg, er führt ein gutes Leben, wenn auch seine Produkte an Ansehen verlieren und er durch die Einhaltung seiner eigenen Prinzipien den Ehrgeiz voran stellt, hartnäckig sein Business Model durchsetzt und rücksichtslos alles beiseite schafft, was ihm dabei im Weg steht.

Fakt ist, dass Michael Keaton ein solch ambivalentes Charme-Ekel wunderbar verkörpern kann. Man sieht die Vision eines Imperiums schon in den glitzernden Augen Keatons, wenn dieser zu Beginn 20 Minuten darauf wartet, an einem herkömmlichen Burger-Laden von Rollergirls bedient zu werden.

Ebenso bringt er die Verwunderung zum Ausdruck, wenn er selbst Kunde beim ersten und noch recht kleinen McDonald’s ist, wo er wenige Sekunden nach seiner Bestellung Essen und Trinken vor der Nase stehen hat. “Was ist das?” fragt er da, worauf er nur ein “Ihr Essen” zurück bekommt. “Aber ich habe doch gerade erst bestellt?” fragt er, wundert sich und sitzt schon wenig später auf einer Bank, wo er eben all die glücklichen Gesichter beobachten kann, die genüßlich die Burger in sich hinein schaufeln.

Die Schnelligkeit gelingt den McDonald’s-Brüdern durch die Reduzierung ihres Angebots auf den einen Burger, Pommes und Erfrischungsgetränke. Ebenso haben sie sich ein Küchenkonzept erdacht, dass die gesamten Gerätschaften so anordnet, dass die Mitarbeiter effizient arbeiten können, ohne sich dabei im Weg zu stehen. Es ist ein Spaß, den beiden Darstellern Offerman (ohnehin immer eine grandiose Besetzungswahl) und Lynch dabei zuzuhören, wie sie uns die Anfänge der McDonald’s-Geschichte darlegen. Ihre “Symphony of Efficiency”, ihre Symphonie der Effizienz.

Irgendwann hat Kroc allerdings die Zügel in der Hand. Man kann kaum von einem alleinigen Aufstieg sprechen, denn dieser geht zugleich mit einem Abstieg einher. Die Qualität sinkt, die Quantität an McDonald’s-Restaurants steigt (wohl kein Spoiler, wenn man in die Welt hinaus schaut).

Wo sich am Anfang noch penibel daran gehalten wird, dass jeder Burger nur von zwei Gurkenscheiben geziert wird oder ein Milchshake auch tatsächlich Milch enthalten soll, wird bald schon über Shakes aus Pulvermenge diskutiert, um immer schneller und schneller zum Fast Food-Giganten zu werden.

Die stärkste Waffe von The Founder ist und bleibt allerdings Michael Keaton, dem man trotz seiner Rolle als rücksichtsloser Geschäftsmann gerne durch die Geschichte folgt. Dafür mangelt es ein wenig an emotionaler Stärke der Story, die wie aus einem Geschichtsbuch herausgerissen wirkt. Da gibt es keine dramaturgischen Höhepunkte oder eine Spannungskurve, sondern nur diese Geschichte, die recht nüchtern auf das Medium Film übertragen worden ist.

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