Die schönsten Sci-Fi Filme arbeiten nicht mit opulenter Bildgewalt, sondern präsentieren uns eine nur klitzekleine Prämisse über die wir einen ganzen Film lang nachdenken können. So auch The Discovery von Regisseur Charlie McDowell, der schon 2014 mit The One I Love in das Genre der “leisen Sci-Fi” eingetaucht ist.

Sein 2017er Sundance Film, der danach auf Netflix debütierte, lässt den Wissenschaftler Thomas Harber (Robert Redford) das Nachleben beweisen. Nun ist der Tod nicht länger ein gruseliges Gespenst am Ende des Lebenswegs, sondern ein Ausweg, um dem Schmerz des Lebens zu entfliehen.

The Discovery präsentiert sich als ruhig inszeniertes Gedankenexperiment, in dem neben Robert Redford noch Jason Segel, Jesse Plemons, Rooney Mara und Riley Keough mitwirken – alle spielen auf ihre eigene Art und Weise Figuren, die mit dem Tod konfrontiert wurden und werden.

The Discovery
Will (Jason Segel) fürchtet sich vor den Forschungen seines Vaters

Thomas Harber konnte anhand von menschlichen Gehirnwellen den Beweis für das Leben nach dem Tod erbringen. Das führt allerdings zu weltweiten Massen-Selbstmorden. Bei einem Fernseh-Interview wird Harber gefragt, ob er sich für den Freitod-Trend verantwortlich fühlt. Er verneint, bevor er mit ansehen muss, wie sich ein Mann aus dem Fernsehteam vor laufender Kamera eine Kugel durch den Kopf schießt.

Und genau hier sehen wir die Qualitäten eines Schauspielers wie Robert Redford. Binnen weniger Sekunden, binnen einer einzigen Einstellung, einer einzigen inszenierten Tat, wechselt sein Gesichtsausdruck von überheblich-überzeugter Wissenschaftler zu emotional-verwundeten Mann, der die Last seiner Entdeckung zu spüren bekommt.

Es ist dieser Gesichtsausdruck, den wir als Zuschauer zu Beginn brauchen, um nicht nur Interesse an dieser Sci-Fi Idee zu haben, sondern auch emotional in die Geschichte hineingezogen zu werden.

Jason Segel spielt Will, den Sohn dieses Mannes, der nur Verachtung für dessen Entdeckung übrig hat. Er selbst ist ein Neurologe, der eine Maschine seines Vaters und die Menschen die an ihr forschen als einen Kult ansieht. Haben wir Segel wohl am besten durch seine Rolle in der Sitcom How I Met Your Mother in Erinnerung behalten, hat er bereits mit seiner Rolle als David Foster Wallace in The End of the Tour den Schritt zu einer ernsten, dramatischen Rolle – wenn hier auch noch skurril und weltfremd – gewagt.

In The Discovery hat er jeden Witz abgelegt. Er ist der große Skeptiker, der Kritiker, der Mann, der unmissverständlich dagegen ist, die Forschungen seines Vater noch weiter auf die Menschheit loszulassen. Für ihn ist sein Vater der Mad Scientist.

The Discovery
Isla (Rooney Mara) träumt von einem besseren Leben nach dem Tod

Derweil rettet er Isla (Rooney Mara) vor dem Selbstmord. Sie wandert ins Meer, will sich ertränken um in einer besseren Nachwelt ein neues Nicht-Leben zu beginnen: “Vielleicht sind sie alle jetzt an einem besseren Ort?” ist ihre Einstellung zu all den toten Menschen, während Will nur erwidert, dass diese nun ebenso allesamt an einem schlechteren Ort sein könnten. Hoffnung versus Skepsis.

Die Maschine des Vaters entpuppt sich zuerst als die Macht der Wissenschaft, aufzeichnen zu können, was die Toten in ihrem Nachleben sehen. Hierdurch soll die Skepsis bezwungen, die Hoffnung bestätigt werden. Dann aber scheint Will herauszufinden, dass es sich vielmehr um Erinnerungen handelt, als um Aufzeichnungen aus dem Totenreich. Erst später wird klar, was die Maschine den Menschen wirklich zeigt.

The Discovery ist wunderschöne Sci-Fi Kost, die unaufdringlich und nachdenklich das Gedankenspiel vom Leben nach dem Tod durchgeht.