Filmkritik

“The Conjuring” von James Wan

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Geisterjäger Ed und Lorraine Warren und die Perron Familie stellen sich dem Grauen.

Geisterjäger Ed und Lorraine Warren und die Perron Familie stellen sich dem Grauen.

Der Horrorfilm ist ein Genre zwischen Angst und Faszination, zwischen Abstoßung und Anziehungskraft. Mit immer neuen Formaten, Foltermethoden, mit immer neuen Ideen um den maximalen Schock heraus zu holen, versucht er nicht etwa den Zuschauern ein freudiges Glitzern in die Augen zu zaubern, sondern das Kinoerlebnis zum bewussten Grauen werden zu lassen. Viel Blut muss spritzen, denn je mehr der roten Farbe, desto grausamer gilt der Horror. Oder aber die Mordsequenzen müssen möglichst originell inszeniert sein, ein Folterinstrumentarium wie im Saw-Franchise wird zur Horrorfilmpflicht. Immer extravaganter wird es zum Hauptmotiv des Horrorfilms gemacht. Das mag diverse Franchises nach sich gezogen haben, aber gerade in jüngster Vergangenheit widmen sich mehrere Filmemacher lieber wieder den simplen Urängsten und zeigen damit, dass Angst und Schrecken auch im Kleinen erzeugt werden kann. Eigentlich wird nichts von dem pompösen Mordschlachten benötigt, mit denen Hostel und Konsorten dem Horrorfilm seinerzeit eine neue Facette gaben.

Regisseur James Wan, der schon mit Insidous, dessen zweite Episode dieser Tage in den USA startete, einen Achtungserfolg erzielte, orientiert sich mit seinem Horrorstreifen The Conjuring an den wahren Fällen von Ed und Lorraine Warren, Geisterjäger des wirklichen Lebens, hier durch Patrick Wilson und Vera Farmiga in glaubhaft überzeugender, ehelicher Zweisamkeit dargestellt. Sie werden von einer heimgesuchten Familie engagiert, die den Spuk und die Nerven zerreißenden Nächte in ihrem Zuhause nicht mehr aushalten können und wollen. Ganz typische Haunted House Problematiken, wie sie schon im filmischen Urgestein The Amityville Horror (von Stuart Rosenberg, 1979, ebenfalls auf einer Geschichte des Warren-Ehepaars basierend) zu Tage gefördert wurden. Hier sammelt sich alles von unheimlichen Geräuschen bis hin zu blauen Flecken, die sich ohne jeden Grund auf dem Körper der Mutter bilden.

Patrick Wilson (vorne) und Vera Farmiga (hinten) spielen Ed und Lorraine Warren

Patrick Wilson (vorne) und Vera Farmiga (hinten) spielen Ed und Lorraine Warren

Schon lange wurde nicht mehr so effektiv mit den konventionellen Ängsten gespielt wie in The Conjuring. James Wan schafft es allein mit einem Blick unters Bett eine Anspannung zu erzeugen, die andere Filme als ihren Höhepunkt bezeichnen würden. Von Geisterhand knarrend aufgehende Türen werden zu Hauf zur Gruselentwicklung genutzt, die pure Dunkelheit genügt dem Film um seine Wirkungskraft zu entfalten. Es ist auch hier wieder einmal markant, dass die schwächsten Momente daraus bestehen, dass das Böse sein Gesicht zeigt. Das ist niemals eine gute Idee, vor allem nicht, wenn ein Film die stärksten Emotionen durch das nicht Gezeigte erzeugt.

Das Sehen und Nicht-Sehen ist aber nicht nur ein Motiv, welches für die Zuschauer relevant wird, auch im Film treffen die unterschiedlichsten Auffassungsgaben aufeinander. So wird es zu einer wahren Tortur, wenn eine der Töchter des Hauses eine Gestalt an der Tür stehen sieht, ihre Schwester aber, ebenso wie die Zuschauer, nichts von alledem zu Gesicht bekommt. Langsam nähert sie sich der Tür, schaut sich immer wieder fragend zu dem panisch weinenden Mädchen um, steht ungläubig dort. Hierdurch bannt der Film die Blicke auf sich, explodiert geradezu in dem Moment, wo die nicht sehende Schwester gepackt und durch die Luft geschleudert wird. Da ist also doch etwas. Das Nicht-Sehen als Urangst und Unsicherheit der Menschen wird hier schamlos im und außerhalb des Films ausgenutzt.

Lorraine Warren sieht befremdliche Dinge durch die Spieluhr

Lorraine Warren sieht befremdliche Dinge durch die Spieluhr

Aber auch The Conjuring macht genretypische Fehler. Nicht nur ist Regisseur James Wan mit der Darstellung des Bösen einen Schritt zu weit gegangen, er stattet seine Protagonisten mit übermenschlichem Mut aus. Statt davonzulaufen, gehen sie auf Konfrontationskurs. Bei den Geisterjägern wäre das noch verständlich, bei der Großfamilie jedoch scheinen alle in lähmende Angst zu verfallen um im nächsten Moment ein mysteriöses Geräusch zu erforschen, das aus der tiefsten Schwärze des Kellers dringt.

Das Warren-Ehepaar eignet sich derweil vorzüglich für eine ganze Reihe von übernatürlichen Horrorermittlungen, die sie immerhin auch im wahren Leben vorzuweisen hatten (bevor Ed Warren im August 2006 starb). Die Scooby Doos der Erwachsenenwelt, so etwas fehlt irgendwie noch. Vielleicht denkt sich das ja auch James Wan, der zuvor bereits für den Start der Saw-Serie verantwortlich war.

 


The Conjuring_Filmplakat

“Conjuring – Die Heimsuchung“

Originaltitel: The Conjuring
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 112 Minuten
Regie: James Wan
Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston, Shanley Caswell, Hayley McFarland, Joey King, Mackenzie Foy, Kyla Deaver

Heimmedienstart: 1. August 2013
Im Netz: warnerbros.de/theconjuring


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