Oh boy. Bei manchen Horrorfilmen ist es von vornherein besser sie bei Tageslicht zu schauen. Der Titel The Canal mag erst einmal nichts weiter schlimmes vermuten lassen, hinter dem Film des irischen Regisseurs Ivan Kavanagh verbirgt sich allerdings ein begrüßenswerter Mix aus klassischen Horrorfilm-Elementen made in the US und psychologischen Spielereien, die uns bis zum Ende an der Glaubwürdigkeit der Handlung zweifeln lassen.

Der Film dreht sich um David und seine Ehefrau Alice sowie ihrem kleinen Sohn – der die niedlichsten Fragen stellt: „Darf ich einen Stein reinwerfen und schauen ob ein Geist rauskommt?“ – wo rein? In den Kanal, in dem eine Frauenleiche gefunden wurde, die im Haus der Familie ermordet worden ist. Das stellt David beim Archivieren von polizeilichen Filmmaterial fest. Der Archivar findet heraus, dass in 1902 ein Mann so eifersüchtig auf seine Frau war, dass er sie kurzerhand umbrachte und in dem Kanal nahe des Hauses verscharrte. Und schon bald glaubt David, dass die Geister dieser Tat immer noch das Haus heimsuchen.

Zuerst versucht uns der Film noch zu beruhigen: „Mach dir keine Gedanken, in jedem alten Haus sind schon schlimme Dinge passiert.“, dann aber nimmt der Horror immer mehr zu, wird stark visualisiert und noch viel stärker durch die Soundarbeiten transportiert. Die Bilder bringen uns morbid gestaltete Albtraumsequenzen, von denen wir nie sicher sein können, ob sie Traum, Halluzination, Wahrheit oder irgendetwas anderes sind. Es spalten sich Wände auf oder David findet sich auf der übelsten öffentlichen Toilette seit Feuchtgebiete wieder.

Der Sound nimmt in der zweiten Hälfte zu, während wir am Anfang noch mit Ruhe besänftigt werden. Aber dann gibt es auf einmal aufwühlende Klänge, erschreckende Klangwelten, die sich stimmig in die anspannende Atmosphäre einfinden. Dabei bleibt The Canal ein langsam und ruhig erzählter Film, trotz mancher Jump Cut-Sequenz. Der Film hält seinen Stil bis zum Ende und verfällt nicht wie manche US-Produktion in ein großes Spektakel, wenn uns die Aufklärung dieses Murder Mysteries präsentiert wird.

The Canal ist Psychohorror und nicht straight-in-your-face, was den Film in dem inzwischen ein wenig zur Fließbandware gewordenen Horrorgenre abhebt, mitsamt eines Moments am Ende des Films, der zum Weggucken einlädt.