Filmkritik

“The Body” von Oriol Paulo

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The Body_200Wenn es um Horror und Thriller geht, sollte man sich schon seit geraumer Zeit von den üblichen Hollywood-Produktionen abwenden und lieber einen Blick nach Spanien werfen. Dort entstehen düstere Horrormärchen wie Das Waisenhaus oder Gruselszenarios wie Julia’s Eyes. Für das Drehbuch zum letztgenannten Werk ist der in Barcelona geborene Oriol Paulo verantwortlich, der mit dem 2012er Krimithriller The Body (El Cuerpo) sein Kinospielfilm-Regiedebüt gab. Und ähnlich wie die Horrorerzeugnisse der spanischen Filmemacher, überzeugt auch dieses Erstlingswerk durch eine beklemmende Düsternis, die sich auch für das Krimi-Genre nicht ganz von seiner landestypischen mysteriös angehauchten Handlung trennen kann.

Bilder eines langen durch eine Sprinkleranlage in Nässe getauchten Flurs mit flackernden Licht sind wohl noch Überbleibsel der Horrorkultur, die Paulo nur zu gut in seinen Krimi hinüber transferiert hat. Sein Film beginnt mit dem Wachmann eines Leichenschauhauses, der in Panik seinen Arbeitsplatz verlässt, sich auf die Straße flüchtet und dort von einem Auto erfasst wird. Im Koma liegend ist er keine weitere Hilfe für die Ermittler, die nun selbst herausfinden müssen, wie eine Leiche spurlos verschwinden konnte.

Der Tod selbst wird dabei gar nicht in den Fokus genommen, schnell wird erklärt dass es sich um eine Vergiftung durch den Ehemann handelte, der von seiner Frau unterjocht wurde und sich in die Arme eine jüngeren Studentin flüchtete. Das bleibt der Polizei natürlich verborgen, aber durch die Befragung besagten Ehemanns rückt auch dieser in der Handlung in den Fokus und geleitet uns gar als Hauptfigur durch die Ermittlungen. Durch immer wiederkehrende Rückblenden erfahren wir, wie die Leiche zu einer solchen wurde, ohne dass Regisseur Paulo auch nur ein Anzeichen davon streut, was uns am Ende tatsächlich widerfahren wird. Wurde die Leiche nun gestohlen? Ist die Ex-Ehefrau überhaupt tot? Und woher kommen auf einmal all die kleinen Anspielungen auf den Mordanschlag und die Affäre, die den Ehemann langsam und sicher zum Wahnsinn treiben?

Es macht Sinn auf Kleinigkeiten acht zu geben, die aber gar nicht einfach zu entdecken sind. Zu gut wurden scheinbar belanglose Informationen in den Film eingearbeitet, die am Ende aber zu einem überraschenden und zugleich sinnvollen Abschluss zusammen gestrickt werden. Dabei verliert der Film niemals seine beklemmende Atmosphäre, aus der man selbst gerne ausbrechen würde. Die Auflösung wird herbei gesehnt, nicht etwa als „Wann ist es endlich zu Ende“-Wunsch, sondern als Erlösung für den armen Kerl, der das alles hier durchleben muss. Immer schwankt der Film zwischen Leben und Tod, bringt dieses schön konstruierte Ende herbei und führt damit geradezu perfekt vor, wie ein einfallsreicher Thriller ohne viel Tamtam funktionieren kann.

The Body
Regie: Oriol Paulo, Drehbuch: Oriol Paulo, Lara Sendim
Laufzeit: 108 Minuten, freigegeben ab 16 Jahren, Heimmedienstart: 10. Juni 2014
im Netz: The Body bei OFDb Filmworks
alle Bilder © OFDb Filmworks

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