Filmkritik

“Taffe Mädels” von Paul Feig

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Sandra Bullock (links) und Melissa McCarthy (rechts) sind Paul Feigs "Taffe Mädels"

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Sandra Bullock (links) und Melissa McCarthy (rechts) sind “Taffe Mädels”

Wenn man ganz arg seine grauen Zellen bemüht eine Buddy-Cop-Komödie aus der großen, weiten Filmlandschaft heraus zu filtern, in denen nicht Männer die Protagonisten darstellen, so wird die eigene Denkkapazität schnell gegen eine Wand gefahren. Zwei Cops, die unterschiedlicher nicht sein können, entweder „Der Harte und der Zarte“ oder ‚der Profi und der Anfänger‘ („Hollywood Cops“) sowie ‚Der Normale und der Draufgänger‘ („Lethal Weapon“). Aber immer sind es Männer, die sich als Cops austoben dürfen, die sich gegenseitig sticheln, sich zusammen raufen und am Ende doch noch den Gesetzesverbrecher stoppen können. Es geht um Action, um Witz, um männliches Miteinander, das bisher das Genre bestimmt hat.

Nun aber brechen zwei Frauen das Muster auf. Sandra Bullock, nicht etwa als „Miss Undercover“, sondern als knallharte, kompetente, wenn auch von ihren Mitstreitern belächelte Vorschriftenreiterin – und Melissa McCarthy („Brautalarm“) als eher unkonventionell agierende Streifenpolizistin. Es haben sich zwei Damen gefunden, die sich in Paul Feigs „Taffe Mädels“ nicht davor scheuen in die Männerwelt einzubrechen. Nur kurz, als sei es scherzhaft gemeint, fällt der Satz „man hat es schwer in der Männerwelt“, als sei es ein Kommentar auf den Film selbst, der es jedoch locker mit den meisten männlichen Buddy-Cop-Filmen aufnehmen kann. Denn Bullock und McCarthy sind sich beide für nichts zu schade, geben ein formidables Chaos-Duo ab, wie einst schon Mel Gibson und Danny Glover in der „Lethal Weapon“-Reihe. Die Darstellerinnen konkurrieren nicht miteinander, weder um Actionszenen noch um die besten und meisten Witze, sie ergänzen sich mit ihren jeweiligen Fähigkeiten.

Melissa McCarthy, Thomas F. Wilson und Sandra Bullock (v.l.n.r.)

Melissa McCarthy, Thomas F. Wilson und Sandra Bullock (v.l.n.r.)

Im Film selbst ist es allerdings erst einmal Abneigung auf den ersten Blick. FBI-Agentin Sarah Ashburn (Sandra Bullock) soll den gesuchten Drogenbaron Larkin identifizieren und hinter Gitter bringen. Hierfür wird ihr im Einsatzgebiet Boston die Polizeibeamtin Shannon Mullins (Melissa McCarthy) zur Seite gestellt, die solche Machenschaften in ihrem Bezirk nicht dulden kann. Zuerst sträubt sich Ashburn vor der Zusammenarbeit, doch als ihr Vorgesetzter ihr eine Beförderung in Aussicht stellt, wenn sie in diesem Fall Teamwork beweist, versucht sie sich mit Schandmaul Mullins zusammen zu raufen.

Melissa McCarthy steht seit dem Ende der Fernsehserie „Gilmore Girls“, in der sie die nette Vorstadtköchin Sookie St. James verkörperte, für den etwas anderen, körperbetonten Humor, mit dem sich auch andere, fülligere Schauspieler wie Kevin James in der Filmwelt etabliert haben. McCarthy steht zu ihren Körpermaßen und -massen, setzt aber auch ihr loses Mundwerk gekonnt ein, überzeugt mit brachialer und uneingeschränkter Ehrlichkeit. Sie spricht Dinge, versüßt mit dem einen oder anderen Schimpfwort, so aus wie sie nun einmal sind, erzeugt hierdurch ihre Form von ehrlichem Humor. Wem dieser kontrollierte Einsatz noch zu vulgär daher kommt, der dürfte von Sandra Bullock abgeholt werden, die den sauberen Konterpart verkörpert. Sie darf nur am Ende, wohl wissend um die skurrile Wirkung, unschöne Wörter in den Mund nehmen. Man mag es ihr nachfühlen, steckt doch in den letzten zehn Minuten des Films ein Messer in ihrem Oberschenkel. Da kann man schon mal ausfällig werden.

Sandra Bullock

Sandra Bullock

Neben viel Witz und Dollerei legt das Drehbuch von „Parks and Recreation“-Schreiberling Katie Dippold aber auch ein wenig Charakterarbeit an den Tag. So erlebt der Zuschauer die beiden Polizistinnen als vereinsamte Menschen. Bullocks Ashburn als eine mit ihrer Arbeit verheiratete Agentin, die blind für männliche Avancen erscheint. McCarthy als von Schuldgefühlen geplagtes Großfamilienkind, die ihren Bruder pflichtbewusst wegen Drogenhandels hinter Gitter gebracht hat und dafür reichlich Schelte von ihren Eltern und Geschwistern zu ertragen hat. Auch hier sind die Anleihen an „Lethal Weapon“ zu erkennen: der einsame Riggs (Gibson), der erst im Verlauf der Reihe sein Liebesglück findet – und das Familienoberhaupt Murtaugh, der seinen Partner immer wieder in familiäre Angelegenheiten mit hinein zieht. „Taffe Mädels“ weiß die Erfolgsrezeptur geschickt anzuwenden, wirkt dabei aber niemals wie purer Diebstahl.

„Taffe Mädels“ entwickelt sich durch die Zusammenarbeit seiner beiden Protagonistinnen zum heimlichen Genrehit. Auch wenn das Muster dabei deutlich erkennbar abgespult wird – kennenlernen, hassen lernen, Toleranz und zueinander finden – schafft es Regisseur Paul Feig dabei niemals die Unterhaltung und den Spaß zu verlieren, besser noch, ihn auf den Zuschauer zu übertragen. Es gibt gut situierte Actioneinlagen, immer aber die Zwei-Frau-Momente im Vordergrund, die mit Wortduellen und derben Späßchen immer neue Lacher provozieren. Das funktioniert einwandfrei, überflügelt mit Leichtigkeit selbsternannte Sommerkomödien wie „Hangover 3“.

 


Taffe Mädels_Hauptplakat

“Taffe Mädels“

Originaltitel: The Heat
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 118 Minuten
Regie: Paul Feig
Darsteller: Sandra Bullock, Melissa McCarthy, Demian Bichir, Marlon Wayans, Michael Rapaport, Jane Curtin, Dan Bakkedahl, Thomas F. Wilson

Deutschlandstart: 4. Juli 2013
Im Netz: facebook.com/20thCenturyFoxGermany


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