Wahre Geschichte: Im Januar 2009 wurden arme Wildgänse Opfer des Fluges US-Airways 1549. Die Wildgänse wurden in ein Triebwerk des Airbus gesogen, das daraufhin ausfiel und den Piloten Chesley “Sully” Sullenberger vor ein Problem stellte. Gerade einmal drei Minuten nach dem Start musste er seine 155 Insassen irgendwie unbeschadet zu Boden bringen. Also landete er seine Maschine mit Schweißperlen auf der Stirn auf dem Hudson River. Mit dieser Notwasserung wurden Sully so berühmt, dass er jetzt in Clint Eastwoods Sully von Tom Hanks dargestellt wird.

Und das, wo unser Film-Sully schon Probleme damit hat, auf der Straße von fremden Menschen angesprochen zu werden, die ihn auf einmal als Held des Alltags verehren. Er habe doch nur seinen Job gemacht. Eine recht einfache Mentalität, bei der man sich fragt, was der echte Sully wohl denkt, wenn er sich in Form von Tom Hanks auf der Kinoleinwand sieht?

Im Film wird das sagenumwobene Ereignis zwar gezeigt, steht aber nicht im zentralen Mittelpunkt der Handlung. Diese schert sich mehr um die Bürokratie und Ermittlungen, die nach Sullys erfolgreicher Tag scheinbar erfolgt sind. In den Augen der Bürokraten wird die Notwasserung auf einmal zum Absturz, Sully wird gefragt, wie viel Schlaf er eigentlich gehabt hat, wie lange es her ist, dass er einen Drink hatte und ob es bei ihm häusliche Probleme gäbe. Eastwood baut diesen Gegensatz auf, bei dem auf der einen Seite die Öffentlichkeit steht, die Sully vergöttert, auf der anderen Seite die Tür geschlossen wird, hinter der versucht wird, dem Helden des Alltags menschliches Versagen anzuhängen.

Sully
Tom Hanks als Sully mit seinem Co-Piloten Jeff Skiles (Aaron Eckhart)

Sully wird zum Medienstar, wobei Clint Eastwood die allzu modernen Medien ausklammert. So erzählt er nichts davon, wie die Notwasserung durch Twitter verbreitet wurde und dieser Social Media Kanal damit zum ersten Mal als Quelle für die Nachrichten-Berichterstattung herangezogen wurde. Das wäre auch zu positiv für etwas allzu Modernes, wenn ein alter Haudegen hinter der Kamera steht. Stattdessen lässt er die Medien die Standard-Rolle der Panikmacher übernehmen: “Held oder Betrüger?” heißen hier die Schlagzeilen, während Sully in Interviews geradezu provokativ aus der Reserve gelockt werden soll.

Nur ist Sully einfach ein zu besonnener, netter Normalmensch, gespielt von dem immerzu besonnenen, netten Normalmenschen Tom Hanks. Das passt natürlich hervorragend. In solchen Rollen geht Tom Hanks auf, ganz im Gegensatz zu seinen Auftritten als Robert Langdon (zuletzt Inferno) oder unter der Regie von Tom Tykwer (Der Wolkenatlas, Ein Hologramm für den König). Hier muss er als Sully den Medienrummel um seine Person herunterspielen, sich gegen unnötige Anschuldigungen zur Wehr setzen und zugleich mit seinem argen posttraumatischen Stress klar kommen, der ihn den Absturz immer und immer wieder erleben lässt, nur mit katastrophalen Ende.

Sully
Sully (Tom Hanks) hinterm Steuer seines Airbus

Eastwood ist ein Regisseur, den man mit Vorsicht genießen muss.. Er mag es, seine Heldenfiguren zu glorifizieren und all ihre Schattenseiten umzudrehen oder auszublenden, wie er es mit Bradley Coopers Chris Kyle in American Sniper getan hat. Hier aber findet er den richtigen Mittelweg zwischen Mann und Ereignis, hat mit Tom Hanks einen Darsteller, der präsent ist, aber nicht den ganzen Film für sich einnimmt. Derweil bekommen wir den Absturz immer wieder zu sehen, aber auch hier, ohne dass er sich zu sehr in den Vordergrund drängt.

So bleiben trotz Ermittlungen, Erinnerungen, den Medien und einer Menge Stress immer die zwei wichtigsten Dinge von Sully im Fokus: der Absturz und der Mann, der 155 Menschenleben retten konnte, indem er mehr instinktiv und schnell reagiert hat, als irgendwelche Richtlinien zu beachten.