Filmkritik

“Stories We Tell” von Sarah Polley

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Sarah Polley drehte mit "Stories We Tell" eine Dokumentation über ihre Mutter und über ihr eigenes Leben

Sarah Polley drehte mit “Stories We Tell” eine Dokumentation über ihre Mutter und über ihr eigenes Leben

Sarah Polley ist Schauspielerin. Ihr Gesicht kennt man womöglich am ehesten aus dem 2004er Remake Dawn of the Dead. Sarah Polley ist aber auch Filmemacherin. In 1999 drehte sie ihren ersten Kurzfilm Don’t Think Twice. Noch im selben Jahr folgte The Best Day Of My Life. Bis 2002 kamen dann noch I Shout Love und All I Want For Christmas hinzu. Nach den Kurzfilmen kam das Regie-Engagement für eine Folge der kanadischen Miniserie The Shield Stories, dann die Spielfilme An ihrer Seite und Take This Waltz. Reichlich Futter für eine Dame, die beinahe nicht das Licht der Welt erblickt hätte.

Das ist eine von vielen Familiengeschichten, die ihr von ihrem Vater Michael Polley in der Dokumentation Stories We Tell vor laufender Kamera erzählt werden. Sarah Polley wird von ihm als schonungslose Interviewerin verteufelt. Sie interessiert sich für das Leben ihrer an Krebs gestorbenen Mutter. Dabei entfaltet sie in ihrer Doku zugleich auch noch die Tragik ihrer Familie. Denn wie sich im Verlauf der dokumentarischen Erzählung herausstellt, ist besagter Vater gar nicht ihr Vater. Das ist aber nur einer der Höhepunkte von Stories We Tell, einer fein erzählten Familienhistorie, wie wir sie zuletzt aus deutschen Landen von dem Dokumentaristen David Sieveking in Vergiss mein nicht erfahren haben.

Michael Polley dachte viele Jahre lang, er wäre der Vater von Sarah Polley

Michael Polley dachte viele Jahre lang, er wäre der Vater von Sarah Polley

So erfährt sie von ihrem eigentlichen Nicht-Vater, dass ihre Mutter sie eigentlich abtreiben lassen wollte. Ihr Grund war zuerst, dass sie Angst davor hatte, mit 42 Jahren noch einmal ein Kind zu bekommen. Vor dem Hintergrund, dass sie nicht wusste, wer der Vater des Kindes war, natürlich ein vorgeschobener Grund. Erst im Auto auf dem Weg zum Krankenhaus knickte Mutter Diane Polley ein. Hätte sie ihre Meinung nicht doch noch geändert, hätte es Sarah Polley nicht gegeben.

„Ich bitte dich, die ganze Geschichte so zu erzählen, als würde ich sie nicht kennen“ sagt Sarah Polley ihren zahlreichen Interviewpartnern, die aus Familie, Freunden und Bekannten bestehen, die mit Diane Polley zu tun hatten. Und so erfahren wir von all diesen Personen, wie Diane und Michael Polley sich im Theater kennengelernt haben. Sie, eine durch und durch vitale Person, die mit der vollen Entschlossenheit das Leben zu leben durch die Welt geht, als laute und offene Person, die immer zehn Dinge zugleich machen musste. Er, der zu Beginn von Stories We Tell über sich selbst meint, dass es spannender wäre einem Wombat beim Sterben zuzusehen als ihn im Bett zu erleben. Vielleicht hat sich Diane Polley deshalb in die Arme eines Anderen geflüchtet.

Sarah Polley filmt all das für sich selbst, für den Zuschauer, für die Familie, für die Freunde. Es ist ein Zeitzeugnis für die Familie Polley, das die Außenwelt deswegen interessiert, weil es – so erzählenswert die Geschichte ist – eine ganz normale Begebenheit ist, mit der man sich schnell zu identifizieren versteht.

Mutter Diane und Vater Michael Polley auf alten Videoaufnahmen

Mutter Diane und Vater Michael Polley auf alten Videoaufnahmen

Sie filmt sich nebenher selbst, sie zeigt wie sich die Interviewpartner vorbereiten, mal gelassen und mal nervös. Sie zeigt Aufnahmen aus dem Tonstudio, wo der Off-Kommentar entsteht. Sarah Polley inszeniert sich eben auch selbst – als stille Beobachterin der Erzählungen. Sie setzt sich neben uns, gibt uns einen Stups mit dem Ellbogen und flüstert uns ins Ohr: „Hey, da geht es um mein Leben. Spannend, nicht wahr?“

Und uns bleibt nichts weiter übrig als mit dem Kopf zu nicken.

Stories We Tell
108 Minuten, ohne Altersbeschränkung, Heimmedienstart: 24. Juli 2014
im Netz: Stories We Tell bei Facebook
alle Bilder © Koch Media


Stories We TellGEWINNSPIEL ZUM FILM

Welche Dokumentation hat euch in den letzten Jahren besonders beeindruckt? Wo konntet ihr nicht mehr wegschauen? Teilt es uns unten in den Kommentaren mit. Wir verschenken zweimal die DVD zu Stories We Tell.

Auf der DVD findet ihr zudem weitere Interviews, den Originaltrailer zur Dokumentation und noch einige Dinge mehr.

Der Einsendeschluss ist am Sonntag, dem 3. August 2014.

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