Wie unterschiedlich Männer ihre Taten sehen können, erklärt sich in Steven Spielbergs München. Die einen sprechen von Auftragskillern, die anderen – zumeist die Männer selbst – sprechen von Soldaten in einem Krieg. Der Film beruht auf der wirklich stattgefundenen Operation “Wrath of God” (Zorn Gottes) der israelischen Sondereinheit Caesarea des Geheimdienstes Mossad.

Diese Operation wurde ins Leben gerufen, nachdem es bei den Olympischen Sommerspielen des Jahres 1972 in München zu einem Massaker kam. Basierend auf dem Buch “Vengeance” von Yuval Aviv, selbst ein Agent der Mossad, wird von einer Gruppe von Attentätern erzählt, die Jagd auf Mitglieder der Terrororganisation Schwarzer September gemacht haben, durch deren brutalen Übergriffe elf israelische Olympia-Athleten den Tod fanden.

Die Leitung des Teams von Auftragskillern übernimmt Avner Kaufman (Eric Bana), ein Mossad Agent mit deutsch-jüdischen Wurzeln. Damit die israelische Regierung nicht mit dem Vorgehen in Zusammenhang gebracht werden kann, tritt Kaufman als Mossad zurück und operiert mit seinen Männern ohne offizielle Verbindungen nach Israel.

Sein Team stellt er aus dem südafrikanischen Fahrer Steve (Daniel Craig), dem belgischen Sprengstoff-Experten Robert (Mathieu Kassovitz), dem ehemaligen israelischen Soldaten Carl (Ciaran Hinds) und dem dänischen Dokumenten-Forscher Hans (Hanns Zischler) zusammen. Dieses Team hat in Ephraim (Geoffrey Rush) und dem französischen Informanten Louis (Mathieu Amalric) weitere Verbündete, um ihren Auftrag mit Erfolg abzuschließen.

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Eric Bana und Geoffrey Rush in Steven Spielbergs „München“

München könnte man auch als Abstiegsfilm Eric Banas betrachten, während ihm Kollege Daniel Craig hier den Staffelstab abnimmt. Bana wurde nicht durch Zufall von Steven Spielberg engagiert, der wohl in dem Schauspieler einiges mehr sah als die Zuschauer. Frisch aus Ang Lees Comichelden-Verfilmung Hulk, gefolgt von Wolfgang Petersens Troja, war München die letzte erwähnenswerte Mainstream-Kinorolle für den Australier.

Er spielt seinen Killer als liebevollen Familienvater, der erst zögerlich an sich selbst zweifelt, dann aber immer tiefer in seinen Auftrag eintaucht. Er wird engagiert, weil er alltäglich ausschaut, weil er nicht auffällt, “ordinary” ist. Derweil hat sich Spielberg Daniel Craig nur ein Jahr nach Layer Cake geholt und schon kurze Zeit später war der Brite dann 2006 zum ersten Mal James Bond in Casino Royale.

Leider wirkt das Schauspiel stellenweise alles andere als nahe der Realität. Vor allem Eric Bana und Geoffrey Rush werden des öfteren zu over-the-top Leistungen getrieben, bei denen man sich eher an ein expressives Theaterstück erinnert fühlt.

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Eric Bana (links) verlässt sich auf seine Teammitglieder Daniel Craig (mitte) und Ciarán Hinds (rechts).

Da helfen auch nicht die martialischen Rückblenden, in denen wir das Geschehen in München noch einmal miterleben dürfen / müssen. Obwohl es hier überaus blutig, brutal und erbarmungslos zugeht, stellt sich keinerlei emotionales Mitgefühl ein. Es ist eben nur ein Kill-by-Kill Film, bei dem die Opfer nacheinander abgehandelt werden und immer wieder neu erfundene Probleme die Handlung abwechslungsreich gestalten sollen. Allerdings ist nach den ersten 90 Minuten bereits die Luft raus. Und man hat nochmal dieselbe Zeitspanne bevorstehen.

Man möchte sich so gerne in diesen Film verlieren, weil er sich mit seinem Regisseur, mit seiner Ausstattung, Thematik und einfach allem nach einem episch großen und wichtigen Werk anfühlt. Statt aber diese Geschichte mit der notwendigen Raffinesse zu erzählen, fühlt es sich am Ende wie eine unendlich lange und banale Story an, die mit wenigen Höhepunkten und noch weniger Spannungsmomenten unaufgeregt langweilig erzählt wurde.