Steven Spielberg

A. I. Künstliche Intelligenz (2001)

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Wie ein Alien erscheint der kleine David zuerst nur schemenhaft als er zum ersten Mal in das Zuhause seiner neuen Familie kommt, die ihn soeben adoptiert hat. Das neue Kind als Alien mag als Bild schon ausreichen, aber Steven Spielberg treibt es in seinem 2001er A. I. Künstliche Intelligenz noch weiter. Denn – das verrät der Titel – David ist nicht nur irgendein Kind, sondern ein kleiner Roboter mit Gefühlen, der auf Wunsch auf ewige Liebe programmiert werden kann.

Spielbergs Drehbuch basiert auf der 69er Short Story “Super-Toys Last All Summer Long” von Brian Aldriss. Ursprünglich wollte Stanley Kubrick den Film machen, scheiterte aber an seiner eigenen Vorstellungskraft, die sich noch in 1995 kein technisches Szenario vorstellen konnte, mit dem diese Geschichte umsetzbar wäre. Along comes Spielberg, der sich mit Haley Joel Osment den Kinderstar der Stunde (The Sixth Sense) sichert und ihn mit Jude Law, Frances O’Connor, Brendan Gleeson sowie William Hurt umgibt.

Dieser kleine Roboterjunge strebt danach ein echter kleine Menschenjunge zu werden und tritt damit in die Fußstapfen von Pinocchio aus dem gleichnamigen italienischen Märchen, das wohl erst durch Walt Disneys Animationsfilm so richtig bekannt gemacht wurde.

Der Robo-Pinocchio dient als Ersatzkind für eine Familie, deren wirklicher Sohn im Koma liegt. Aber als dieser wieder aufwacht, schwindet die alleinige Liebe für David. Die Neider kochen hoch und schon bald sieht sich die Mutter genötigt, ihren künstlichen Sohn, wie einen Hund, im Wald auszusetzen, obwohl sie ihn noch kurz zuvor, zur ewigen Liebe zu ihr verdammt hat.

A. I. Künstliche Intelligenz

David (Haley Joel Osment) unter künstlichen Intelligenzen.

Carlo Collodis Pinocchio dient nicht nur als Grundidee für Spielbergs A. I., es ist eine Sci-Fi Nacherzählung des Märchens geworden. Davids Mutter liest selbst aus der Geschichte vor, so dass sich Bilder des Märchens in dessen Vorstellung festsetzen. Der Junge bekommt aber auch einen noch kleineren Robo-Teddybären geschenkt, der wie die Grille Jiminy Cricket für Pinocchio als Gewissen für David dient. Der Freizeitpark für unartige Kinder wird bei Spielberg dann zu einer Robo-Rotlichtmeile für unartige künstliche Intelligenzen.

Die Menschheit strebt bei Spielberg danach, sich Sklaven zu schaffen. Die Ausrede: Alles selbst geschaffen, möglichst real. Aber wenn das künstlich Reale so dicht am wirklich Realen liegt, welche Verantwortung verbirgt sich dann hinter dem Umgang mit diesen “Spielzeugen”, die denken, fühlen und begreifen können?

Nur allzu gerne spielen die Menschen im Sci-Fi Genre Gott. Bei Spielberg sind sie damit ziemlich erfolgreich. Bedingungslose Liebe wird zur absoluten Grausamkeit, wenn man sie der einen Seite einprogrammieren kann, während die andere Seite dazu in der Lage ist, sich jederzeit von dieser Liebe abzuwenden.

A. I. Künstliche Intelligenz

Jude Law als Robo-Gigolo

Die Grausamkeit spiegelt sich in A. I. nicht unbedingt in den Settings wieder, obwohl hier manch brutales Szenario entstanden ist. Aber trotzdem steckt in jeder einzelnen Szenerie eine ganze Menge Liebe zum Set Design. Vom martialischen Robo-Zirkus, der das pure Chaos und die Hölle für die künstlichen Intelligenzen darstellt, bis hin zu der Metropole Rouge City, den Wäldern oder der durch Wassermassen gefluteten Stadt, in der David die Fee vermutet, die ihn wie im Märchen zu einem echten Jungen zaubern kann.

Dann irgendwann wird David vor seiner blauen Fee sitzen und man erhofft sich das Ende des Films. Aber nein, Spielberg bringt den Film noch einmal zurück zum Anfang, wo der kleine Robo-Junge wie ein Alien erschien. Es folgen weitere Minuten in denen sich A. I. selbst auseinander nimmt und unsere Geduld strapaziert.

Nichtsdestotrotz stellt A. I. Künstliche Intelligenz einen Beweis dafür da, wie gut Steven Spielberg das Genre des Science Fiction Films versteht. Er ist in der Lage mit wenig Action-Einlagen eine spannend konstruierte und intelligenz erzählte Story zu inszenieren und hat genau die richtigen Darsteller für jede Rolle parat.

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