Nach seinem Debütfilm Duell inszeniert Steven Spielberg im Jahre 1974 seinen Nachfolger Sugarland Express. Im Grunde bleibt er seiner Erstlingsthematik treu. Hier nun liefern sich Goldie Hawn und William Atherton ein Duell mit der Polizei. Sie sind auf der Flucht um nach einem Gefängnisausbruch ihren kleinen Sohn aus den Händen einer Pflegefamilie zu retten.

Dabei muss man sich vor Augen führen, dass das Drehbuch zu Sugarland Express nicht von Spielberg selbst stammt. Vielleicht mag das erklären, weshalb Goldie Hawn mit einer furchtbaren Figur bestraft ist. Sie ist dumm-rebellisch und taugt überhaupt nicht zur Hauptfigur mit Identifikationspotential, auch nicht als leidende Mutter, der wir ihr Kind zurückwünschen würden.

Goldie Hawn in undankbarer Rolle

Ihr Mann unterliegt ihren krampfhaft-hysterischen Schreiattacken, während er sich bereitwillig herumkommandieren lässt. Durch diese Art und Weise wird das Ehepaar dann auch immer wieder in die unterschiedlichsten Probleme verstrickt, so dass aus Sugarland Express ein Road Movie wird, bei dem sich alles langsam aber sicher hochspielt.

Dabei bleibt hier allerdings die Spannung auf der Strecke. Das Duell zwischen Ehepaar und Polizei verläuft schleppend, nicht zuletzt weil wir uns ohnehin recht schnell von Goldie Hawn genervt fühlen können. Damit steht Sugarland Express vor dem Problem, dass keine Komponente uns in den Film hineinziehen kann. Wir bleiben genervt außen vor.

Wir freuen uns nicht mit den Figuren über kleine Erfolge, wir leiden auch nicht mit ihnen mit. Wir sind stille Beobachter eines Road Trips durchs Chaos, bei dem wir uns immer wieder fragen müssen, auf welcher Seite wir eigentlich stehen. Denn so unsympathisch wirken die guten Polizisten und die Pflegeeltern gar nicht gegenüber diesem furchtbar unsympathischen Ehepaar.

Bild Universal Pictures Germany GmbH