Die Glienicker Brücke verbindet Potsdam mit Berlin. Hier hat mehr als ein Agentenaustausch stattgefunden. Dieser Ort ist ein Schauplatz real-weltlicher Spionage-Machenschaften. Daher der Name Bridge of Spies, Steven Spielbergs 2015er Thriller, in dem er Tom Hanks als amerikanischen Anwalt einen sowjetischen Spion zuerst in einem klassischen Gerichtssaal-Drama verteidigen lässt, nur um ihn im Anschluss in das geteilte Berlin zu schicken, um einen Gefangenenaustausch zu verhandeln.

Spielberg zeigt mit diesem Film, wie gut er einen Spionagethriller ganz ohne Action inszenieren kann und durch ein ständiges hin und her in den Verhandlungssituationen für die notwendige Spannung sorgt. Dass das so gut funktioniert, darf aber nicht nur allein dem Regisseur zugeschoben werden, sondern auch den Coen Brüdern, die das Drehbuch von Matt Charman noch einmal ausgebessert und finalisiert haben.

Bridge of Spies erzählt von dem Anwalt James B. Donovan (Tom Hanks), der inmitten des Kalten Krieges von der US-Regierung die Vollmacht erhält, eigenständig über die Freilassung des U. S. Air Force Piloten Francis Gary Powers (Austin Stowell) zu verhandeln, dessen Flugzeug über der Sowjetunion abgestürzt ist. Zum Gegenangebot soll der verurteilte sowjetische KGB-Agent Rudolf Abel (Mark Rylance) an sein Land ausgehändigt werden.

Bridge of Spies
Tom Hanks als Anwalt James B. Donovan in BRIDGE OF SPIES

Aus dem 1-gegen-1 Austausch wird ein gewagtes Pokerspiel, als Donovan sich dazu entschließt, auch noch den amerikanischen Studenten Frederic L. Pryor (Will Rogers) zu befreien, der zur falschen Zeit am falschen Ort war und ebenfalls in Gefangenschaft geraten ist. Dadurch werden sowohl Donovan, als auch Abel und die US-Gefangenen zu Figuren, in einem gigantischen Spionage-Schachspiel.

Spielberg führt uns die Bredouille des Kalten Krieges wie Schulkindern vor – im ganz inszenatorisch-bildlichen Sinne. Die USA und Sowjetunion fürchten einander, vor allem die nuklearen Möglichkeiten, die den jeweiligen Ländern zur Verfügung stehen. Die Angst voreinander zeigt Spielberg zwar aus amerikanischer Sicht, aber durchaus übertragbar auf die gesamte Welt.

Er führt uns in Bridge of Spies in ein Klassenzimmer – gemeinsam mit Donovans Sohn Roger (Noah Schnapp) – und lässt die Schulklasse einen Informationsfilm über atomare Waffen anschauen. Einige der Schüler und Schülerinnen schauen starr vor entsetzen, anderen stehen die Tränen in den Augen. Die verheerenden Folgen sind spürbar. Ganz typisch für Steven Spielberg, lässt er uns die Gefahr durch die Perspektive von Kindern emotional aufnehmen.

Die eigentliche Handlung lebt derweil von dem Zusammenspiel zwischen Tom Hanks und Mark Rylance. Bridge of Spies startet als dieser Courtroom-Thriller, bei dem Hanks alles daran setzt, Rylances Spion freizubekommen, obwohl das gegen die Ansichten seines Landes und seiner Familie geht. Aber Donovan ist davon überzeugt, seinen Job so gut es ihm möglich ist erfüllen zu müssen. Er ist ein Mann mit Wertvorstellungen in einer Zeit, in der diese gerne über Bord geworfen werden.

Anfänglich begegnen sich Donovan und Abel auf rein professioneller Ebene, aber durchaus gewillt freundlich miteinander umzugehen. Abel fasst es gut zusammen: “Stellen sie sich ihre eigenen Männer in Gefangenschaft vor und wie sie sich wünschen, wie man mit ihnen umgehen sollte.”

Bridge of Spies
Anwalt James B. Donovan (Tom Hanks) mit KGB-Agent Rudolf Abel (Mark Rylance)

Diese beiden Figuren werden zu Freunden, zu Verbündeten in einem unmenschlichen Krieg. Durch das immer wiederkehrende Zusammenspiel von Tom Hanks und Mark Rylance wird uns glaubhaft gemacht, dass es diesen zwei Männern am Ende schwer fällt, sich voneinander zu verabschieden, weil sie sich gegenseitig Sicherheit und Halt in einer ausweglosen Situation geboten haben.

Allerdings freuen sie sich auch füreinander, dass sie die Strapazen gemeinsam und vor allem durchweg zusammenhaltend durchgestanden haben und diese anstrengende Episode nun hinter ihnen liegt. Das wir das als Zuschauer spüren, ist allein der Verdienst von Hanks und Rylance, die so wunderbar miteinander harmonieren, wie kaum ein Duo in einem Spielberg-Film.

Hinzu kommt eine unfassbar schöne Kameraarbeit von Spielbergs Dauer-Kollaborateur Janusz Kaminski. Ganz gleich wo im Film wir uns befinden, erzeugt er durch seine Bilder kleine Postkarten-Motive. Schon zu Beginn, wenn wir Mark Rylance in seinem kleinen Atelier in Brooklyn aufsuchen oder ihm auf die Straßen New Yorks folgen. Oder etwas später, wenn Tom Hanks mit einem Schirm in der Hand durch strömenden Regen durch die Nacht geht. Bridge of Spies ist eine wahre Augenweide.

Und am Ende machen Spielberg und Hanks Donovan auch noch zu einem Helden, der nach seinem Abenteuer zwar übermüdet auf dem Bett einschläft, aber die Bewunderung einer Nation und seiner Familie verdient hat – nicht ohne das eine oder andere Trauma aus seiner Reise nach Berlin mitgenommen zu haben.