Filmkritik

Star Wars-Darsteller Domhnall Gleeson in FRANK

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FRANK nennt sich die Musik-Dramödie von Regisseur Lenny Abrahamson, der zuletzt in 2012 den vielfach ausgezeichneten WHAT RICHARD DID inszenierte. Jetzt arbeitet er mit Domhnall Gleeson und Michael Fassbender zusammen, wobei sich letztgenannter unter einem großen Papp-Kopf verstecken darf – Nicht fragen, Frank ist eben eine äußerst komische Person.

FRANK zeigt uns wie der Anfänger-Musiker Jon, gespielt von besagtem Domhnall Gleeson, Teil einer äußerst experimentell-exzentrischen Musikband wird, deren – Vorsicht Wortspiel – Kopf eben Frank ist.

Michael Fassbender unter dieser gigantischen Kugelkopfmaske dürfte das Merkwürdigste sein, was das Kinojahr 2015 bisher zu bieten hatte. Und wenn man ehrlich ist, kann man sich kaum vorstellen, dass das noch getoppt werden kann. Hierzu hätte allenfalls Johnny Depp als verrückter Hutmacher, als Jack Sparrow oder Willy Wonka die Möglichkeit – und all das werden wir nicht mehr in 2015 zu sehen bekommen.

Frank

FRANK kann durch die Darstellung Michael Fassbenders als diesen Pappkopf-Typen und wie sein Umfeld und die Menschen mit denen er sich beschäftigt und wie diese auf ihn reagieren, in die Schublade des surrealen Films gelegt werden. Man nehme nur die Momente, wenn Frank mit seiner Band auf der Bühne steht.

Nicht nur ist die Musik experimentell, wir haben in unseren Unterbewusstsein nun einmal das Wissen, dass dort ein Michael Fassbender unter der Maske steckt und eben diesen stellen wir uns dann auch vor, wenn dieser Frank auf der Bühne einen auf Hampelmann und Zappelphilipp macht – und dass von einem Schauspieler, den wir aus eher ernsten, dramatischen Rollen kennen, von einem Schauspieler, der demnächst als Apple-Mastermind Steve Jobs höchstpersönlich zu sehen sein wird.

Frank

Das zeigt einmal mehr, dass Fassbender inzwischen zu den Oberen Hollywoods gehört – oder eben des kleinen Arthouse Kinos – und ein großartiger Darsteller ist. Dabei ist er in FRANK nicht einmal die Hauptfigur. Diese Rolle kommt eigentlich Domhnall Gleeson zu, der zuletzt in EX MACHINA neben Oscar Isaac spielen durfte und gemeinsam mit diesem Ende des Jahres erneut in STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT zu sehen sein wird.

Aber viel mehr als in EX MACHINA bekommt Gleeson hier leider auch nicht an die Hand. Ja, er macht seine Sache gut. Er ist erneut der kleine Außenseiter-Nerd, der auf die große, komische Welt trifft. Nicht falsch verstehen, wie gesagt, Gleeson ist gut, aber eben nicht besonders! Dass steht dann vor allem hier in FRANK im starken Kontrast zu Fassbenders Rolle, die die Aufmerksamkeit gänzlich auf sich zieht, da sie eben etwas Besonderes darstellt.

Frank

FRANK als Film bietet derweil mehr als nur dieses merkwürdige Aufeinandertreffen der Normalwelt auf Frank, sondern auch die Suche nach Identität und Inspiration. Die Kreativität steht im Mittelpunkt dieser Suche und hierfür gerät Jon in den Zirkel einer Musikband, die sich stellenweise wie eine Sekte anfühlt – mit Frank als überzeugend, inspirierenden Motivationskünstler, der die Menschen durch seine Art und Weise in seinen Bann zieht.

Das wird extrem deutlich, wenn sich die Band in eine einsame Holzhütte zurückzieht, um ihr Album zu realisieren. Dann wird die Außenwelt ausgeschlossen und wir erleben die Dynamik des Miteinanders innerhalb dieser Band, zu der im übrigen auch Maggie Gyllenhaal und Scoot McNairy gehören, wenn auch eher mit kleinen, unbedeutenden, wenn auch gut gespielten Rollen.

FRANK ist wunderbares, kleines Kino. Es wird eine interessante, surreal-komische, aber auch ziemlich ernst wirkende Story erzählt, die mehr und mehr zur verstörenden Charakterstudie mutiert.

FrankFRANK

Darsteller: Domhnall Gleeson, Michael Fassbender, Maggie Gyllenhaal, François Civil, Carla Azar, Scoot McNairy
Regie: Lenny Abrahamson
Länge: 95 Min
Kinostart: 27. August 2015
Bilder © Weltkino Filmverleih

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