Marvel Cinematic Universe

MCU #16 | In SPIDER-MAN: HOMECOMING kommt der Netzschwinger zu Marvel

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Marvel versteht es nur allzu gut, das Miteinander ihrer Helden und Schurken im Cinematic Universe zu einem gigantischen Netz zusammen zu spinnen. Wie passend für den 16. Film des MCU: Spider-Man: Homecoming – das erste Solo-Abenteuer der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, bei dem wir zurück zu den Ereignissen aus dem 2012er Avengers-Film geführt werden, wo Michael Keaton als Adrian Toomes die Aufräumarbeiten nach der Schlacht von Manhattan leitet. Sein lukratives Geschäft wird von der Regierung unterbunden, gemeinsam mit seinen Männern kann er aber einen Teil der Alien-Technologie verschwinden lassen um sich sein Vulture-Kostüm zu basteln.

Auftritt Peter Parker (Tom Holland), der sich nicht nur mit dem Geier herumschlagen muss, sondern auch mit den alltäglichen Scherereien der High School, wo er mit seinem besten Kumpel Ned (Jacob Batalon) von Flash Thompson (Tony Revolori) gehänselt wird, sie sich mit dem “Alles Egal”-Tomboy Girl Michelle (Zendaya) anfreunden und Peter ein Auge auf Liz Allen (Laura Harrier) wirft, während er als Spider-Man von Tony Stark (Robert Downey Jr.) den wertvollen Ratschlag erhält, sich aus dem Superhelden-Leben rauszuhalten und einfach nur ein Teenager zu sein, der bei einer äußerst sexy Tante May (Marisa Tomei) aufwachsen darf.

Und dann wäre da noch Happy Hogan (Jon Favreau), der von Stark als Babysitter für Peter Parker abgestellt wird, aber in Spider-Man: Homecoming zugleich das Sinnbild aller Erwachsenen verkörpert darf, die den Kids einfach nicht zuhören wollen. Damit findet sich auch Spidey in bester Teen-Film Tradition wieder, bei der die Überheblichkeit des Alters eine Ignoranz gegenüber den Problemen der Jugend heraufbeschwört.

Spider-Man: Homecoming

Peter Parker (Tom Holland) will Iron Man (Robert Downey Jr.) zeigen, dass er es drauf hat. Klappt nicht immer.

Und das macht aus Homecoming am ehesten die Superhelden-Variante von Ferris macht blau, John Hughes 1986er Film, den Spider-Man mehrfach, einmal sehr vorlagentreu mit Holzhammer-Mentalität, zitiert. Zwar darf Tom Holland (nach Tobey Maguire und Andrew Garfield der dritte Spidey-Darsteller in kürzester Zeit) nicht die vierte Wand durchbrechen und uns wie seinerzeit Matthew Broderick direkt ansprechen, dafür hält er aber zu Beginn des Films mit seinem Handy auf alle ihn beeindruckenden Ereignisse und dreht quasi seinen eigenen kleinen Film im Film, den er uns wiederum präsentiert.

Damit nimmt Spider-Man: Homecoming auch gleich noch Bezug auf Captain America: Civil War, wenn sich die Flughafen-Kampfszene noch einmal auf Peters Handy im Hintergrund abspielt. Leider verfällt dieses Stilmittel nach kurzer Zeit und wir sehen es nicht wieder, obwohl es amüsant gewesen wäre, wenn Peter Parker immer mal wieder sein Handy gezückt hätte und damit schon eine Vorausschau auf seine Fotografen-Tätigkeit beim Daily Bugle geliefert hätte.

Neben dem Vulture hat es sich Regisseur Jon Watts nicht nehmen lassen, seinem Film noch weitere Schurken aus der sehr reichen Rogues Gallery des Netzschwingers in Spider-Man: Homecoming unterzubringen. So unterstützen sowohl der Tinkerer (Michael Chernus) als auch zwei Inkarnationen des Shockers (Logan Marshall-Green und Bokeem Woodbine) den Vulture. Gerade mit dem Shocker traut sich Marvel hier zum ersten Mal daran, das Comic-Universum noch mehr in ihre Filmwelt zu holen, wo es in den Vorlagen aller Comicserien immer wieder dazu kommt, dass andere Personen die Identität eines altbekannten Superhelden oder Superschurkens übernehmen.

Dem Shocker gebühren ebenso eine grandiose Komik-Szene und ein cooler Fight gegen Spidey. Es ist schlicht amüsant, wenn Spider-Man die Technik-Sperre seines Anzugs aufheben kann (der Anzug stammt von Tony Stark) und danach nicht mehr so ganz mit seinen Möglichkeiten zurecht kommt, während der zweite Shocker ebenso Probleme mit seinen Schock-Handschuhen hat und irgendwie Gut und Böse einen Moment der Inkompetenz erleben. Das verliert sich später, wenn es Spidey gegen Shocker auf dem Busparkplatz des Schulgeländes heißt, wo die großen gelben Busse nur so umher geschockt werden.

Spider-Man: Homecoming

Michael Keaton verleiht dem Vulture eine eindringliche Bedrohlichkeit

Und das alles, wo der Shocker nicht einmal der Hauptbösewicht ist. Den spielt Michael Keaton mit seiner grandiosen Boshaftigkeit, mit der er schon der hinterlistige Beetlejuice war und mit der er als The Founder das McDonalds-Imperium an sich gerissen hat. Spider-Man: Homecoming verstrickt seinen Adrian Toomes großartig in die Ereignisse um die Avengers, schürt den Arbeiter-Hass auf den Multimillionär Tony Stark, stellt den Vulture gegen Spider-Man und Peter Parker gleichermaßen – eine Bedrohung in beiden Welten.

Keaton hat ein absolut ausdrucksstarkes Spiel und kann seiner Mimik eine abartige Groteske verleihen, die ein Gespräch mit Adrian Toomes recht unbehaglich werden lässt. Dass das im Film zugleich eine Szene imitiert, vor der Teenie Jungs sicherlich auch ganz ohne Superschurke Angst haben, wirkt wie aus dem wahren Leben genommen. Und hier hat man ihn wieder, diesen Ferris macht blau-Teenie Alltag-Problemfilm.

In all diesem Wirrwarr ist es fast zu einfach, die Leistung von Tom Holland zu vergessen. Aber genau das darf man nicht tun, denn ihm gelingt es, binnen weniger Sekunden Spider-Man und Peter Parker ein neues Gesicht und eine neue, jüngere Dynamik zu verleihen. Erst einmal im Film drin, sind Maguire und Garfield schnell vergessen und es besteht überhaupt kein Zweifel mehr daran, dass dieser begeisterungsfähige Holland der perfekte Spider-Man für das Marvel Cinematic Universe ist.

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