Filmkritik

“Sin City 2: A Dame To Kill For” von Robert Rodriguez & Frank Miller

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Marv (Mickey Rourke) ist immer noch ein wichtiger Teil von Sin City

Marv (Mickey Rourke) ist immer noch ein wichtiger Teil von Sin City

Besser kann Film Noir es nicht machen. Eine gefährliche Dame mit rot leuchtendem Lippenstift, der im schwarz weißen Schattenspiel des Genres farblich hervorgehoben nur umso besser seine Wirkung entfaltet. Hin und weg ist die Männerwelt. Nicht nur von den roten Lippen, sondern auch von den durchdringend grünen Augen, die nichts Gutes verheißen. Das Farbspiel weiß sogar in den Momenten abzulenken, in denen diese Dame To Kill For in unverblümter Körperpracht zu bewundern ist. Die amerikanische Zensurbehörde ließ gar ein Filmplakat zurücknehmen, auf dem Eva Green – die Frau, für die wir töten würden – lasziv in einem weiß-durchsichtigen Hauch Stoff zu sehen ist, ihre Brüste sich dahinter zu erkennen geben. Wir begegnen dem Plakat wohlmöglich mit europäischer Abgebrühtheit, dennoch ist sie eine nicht wegzudenkende Präsenz in Sin City.

Nach einem starken Männer mordenden Auftritt in 300: Rise of an Empire ist Eva Green nun so etwas wie das Fundament, auf dem das Sequel Sin City: A Dame To Kill For errichtet wurde. Es ist fast ein Jahrzehnt vergangen, seit der erste Teil in den Kinos gelaufen ist, der noch eine absonderliche Randerscheinung war – in einer Zeit, in der Comicverfilmungen noch nicht so florierend mit dem Blockbuster gleichzusetzen waren. Die Regisseure sind dieselben geblieben: Robert Rodriguez und Frank Miller, letztgenannter ebenso Autor der Graphic Novel-Vorlagen. A Dame To Kill For basiert dabei hauptsächlich auf dem zweiten Comic der Noir-Reihe, jedoch hat sich Miller die Freiheit erlaubt, eigens für den Film zwei Geschichten hinzu zu dichten.

Johnny (Joseph Gordon-Levitt) hat immer ein As im Ärmel.

Johnny (Joseph Gordon-Levitt) hat immer ein As im Ärmel.

Und so erleben wir in A Dame To Kill For eben nicht nur Eva Green, wie sie einem Mann nach dem anderen die Sinne verdreht, sie für sich arbeiten und intrigieren lässt, nur um selbst immer weiter aufzusteigen in dieser von Männern dominierten Welt – in einer Welt wie Sin City, wo harte Kerle mit noch härten Fäusten kämpfen. Die Episode spielt vor dem ersten Sin City, wo Dwight noch von Clive Owen verkörpert wurde und hier nun das Gesicht von Josh Brolin bekommt, der am Ende allerdings schon die Owen-Frisur des ersten Teils tragen darf. Sin City nötigt den Ermittler quasi, sein Gesicht überarbeiten zu lassen.

Um ein wenig zu verwirren, spielt ein Großteil der übrigen Episoden dann aber nach dem ersten Teil. Hartigan (Bruce Willis) wandelt unter den Toten und blickt auf die Überreste Nancys (Jessica Alba), die er mit erheblichen Rachegelüsten in der Welt der Lebenden zurückgelassen hat. Sie will Rache an Senator Roark nehmen – ein immens unterhaltsamer Powers Boothe – der den Tod seines gelb strahlenden Monsterjungen Roark Jr., den Yellow Bastard betrauert, während Bastardsohn Johnny (Joseph Gordon-Levitt), ein Glückskind im Spiel, vergeblich die Liebe des vermeintlichen Vaters sucht.

Wo Sin City in 2005 noch grandios seine Episoden erzählte, wirkt das in der Fortsetzung recht unbeholfen. Wir bekommen zwei kleine Appetithäppchen serviert, bevor man sie uns wieder von Tisch nimmt um uns den Hauptgang in aller Ausführlichkeit schmecken zu lassen, bis dieser in einem großen tragischen Knall zu Ende geht. Die vorherigen Episoden schon fast vergessen und den Abspann erwartend, geht es dann noch einmal gehörig weiter. Marv (Mickey Rourke), Johnny, Nancy – geschundene Persönlichkeiten, nicht nur von Sin City, sondern auch von der Struktur der Filmemacher, die diese überaus interessanten Figuren viel zu kurz kommen lassen. Rodriguez und Miller lieben diese Figuren, lieben diese Welt, können sich selbst aber nicht reduzieren, müssen alles hineinpacken was das Kinoformat hergibt, ob es denn nun passt oder nicht. Bei A Dame To Kill For passt es meistens nicht.

Dwight sieht jetzt wie Josh Brolin aus

Dwight sieht jetzt wie Josh Brolin aus

Das macht den Film aber nicht schlecht. Die Ästhetik bleibt unangetastet schön, allein wenn die Rauchschwaden durch die billige Spelunke schweben, in der Nancy immer noch nicht strippt, sondern nur erotisch tanzt, immer aber von sich selbst als Stripperin erzählt. Der Film wechselt hier und da für wenige Sekunden in die Optik der Graphic Novel, taucht das Bild in schwarze und weiße Umrisse, lässt die Konturen verschwinden. Im nächsten Moment betritt Eva Green in einem Aufmerksamkeit erregenden blauen Mantel den Schauplatz und macht aus der Spelunke ein Nobelrestaurant.

Mit ein wenig mehr Raffinesse hätte man die einzelnen Geschichten viel mehr ineinander verstricken können, ohne dass sich ein Fan der Vorlage hätte aufregen dürfen. Glückskind Johnny und Nancys Rachefeldzug sind ohnehin die hinzu gedichteten Ideen Millers, die er dementsprechend auch besser hätte ausbauen – oder eben weglassen – können. Die Episode A Dame To Kill For wirkt nicht allein durch Eva Green, sondern auch durch all die Männer – darunter Christopher Meloni und Jeremy Piven – die unter ihr zu leiden haben. Vielleicht ist Sin City dafür geschaffen, seine komplexen Erzählungen lieber auf dem inzwischen nicht mehr zu unterschätzenden Fernsehmarkt darzubieten. So bleibt Sin City 2: A Dame To Kill For hinter dem Erstlingswerk zurück, genügt aber immer noch um einen angenehmen Filmabend zu durchleben.

Sin City 2: A Dame To Kill For
102 Minuten, freigegeben ab 18 Jahren, Kinostart: 18. September 2014
im Netz: Offizielle Homepage zum Film
alle Bilder © Splendid/Sony

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