© MFA/Filmagentinnen / Alice Lowe in "Sightseers"
© MFA/Filmagentinnen / Alice Lowe in „Sightseers“

Der Urlaub mit dem Liebsten oder mit der Liebsten ist immer eine wahre Zerreißprobe. Hat man sich zuvor, frisch verliebt oder bereits seit längere Zeit sein Leben miteinander führend, noch ab und an voneinander abkapseln können, bedeutet ein gemeinsamer Urlaub oftmals, dass man sich für ein oder zwei Wochen ganztägig belagert. Die einen halten das ganz gut aus. Vielleicht dann genau das richtige Zeichen für eine gut funktionierende Beziehung. Die anderen werden vor ein ungeahntes Stressaufkommen und gewaltige Selbstzweifel gestellt. Auf Tina, die Protagonistin in Ben Wheatleys „Sightseers“, trifft irgendwie beides zu. Sicherlich ist sie damit überfordert, dass ihr Neu-Freund Chris sich auf höchst unzivilisierte Art jedes Menschen entledigt, der ihm zuwider ist. Dann aber scheint sie sich auch damit anzufreunden, greift selbst zu mörderischen Maßnahmen um sich unliebsame Plagegeister vom Hals zu schaffen.

Die ersten Bilder erzählen noch vom sorglosen, aber vermutlich ebenso tristen Leben Tinas vor ihrem Abenteuer on the Road. Hier wird dann noch die Reiseroute sorgsam geplant, auf einer großen Landkarte, auf der die wichtigsten Stationen der anstehenden Reise mit Reißzwecken markiert werden. Dabei wirken die Ziele – ein Bleistiftmuseum – ebenso langweilig wie die Wohnung in der Kleinstadthölle, in der Tina noch zusammen mit ihrer Mutter lebt, geschmückt mit zahlreichen Bildern ihres verstorbenen Hundes. Ein Wollfaden wird gespannt, der die einzelnen Punkte auf der Landkarte miteinander verbindet. Die Mutter ist derweil gänzlich geschockt davon, dass sich ihre 34 Jahre junge Tochter mit diesem Fremdling auf diesen Trip begeben will. Immerhin soll sie Recht behalten: Chris outet sich irgendwann als psychopathischer Serienkiller, der gereizt und cholerisch schon an der ersten Sehenswürdigkeit mit einem dreisten Umweltsünder aneinander gerät. Kurzerhand wird dieser mit dem Wohnmobil umgefahren. Aber Tina will sich ihren Urlaub, ihre Zeit fern der Mutter, nicht von solchen Kleinigkeiten vermiesen lassen.

Alice Lowe und Steve Oram
Alice Lowe und Steve Oram

Und dann ist es soweit, dann heißt es „Zeig mir deine Welt, Chris“. Und diese Welt gestaltet sich anfangs höchst blutig amüsant, bester schwarzer Britenhumor. Die Tötungsakte werden dabei nicht harmlos am Rande vollführt, sondern bekommen ihren vollen Glanz als spritzendes Gemetzel. Kleine Fontänen von Blut, die aus den Hälsen der Opfer sprudeln, ausgerenkte Körperteile mit herausstehenden Knochen, alles ganz normal in dieser Welt von Chris, von Schauspieler Steve Oram mit brutaler Gleichgültigkeit dargestellt. Wenn ihm ein Passant den Mittelfinger zeigt, hat sich dieser damit sogleich für die nächste Tötung qualifiziert. Hier geht es nicht um große menschliche Verbrechen, sondern um eben solche alltäglichen Dinge, die dem recht schlicht wirkenden Chris auf die Nerven gehen. Die kleinen Alltagssünden werden bestraft, die jeder von uns schon zigmal beobachten durfte. Chris darf dann jedes Mal einmal tief durchatmen, womit die Morde wie ein befreiendes Erlebnis für ihn erscheinen. Die Musik spielt zu den brutalen Szenen dann immer harmonische Klänge, schwingt in erlösender Abreaktion, unterstreicht nur den Wutabbau der beiden Urlauber.

Bald steigt dann auch Tina in dieses Verhaltensmuster mit ein. Wheatley zeigt, dass zumindest in seiner Filmwelt die Frau in solcherlei Dingen weitaus skrupelloser agiert als der Mann.

Und das war es dann auch leider schon. Nicht dass sich die beiden Touristen verlaufen würden, sie folgen stets ihrer geplanten Route, beweisen damit nur noch umso mehr, was für festgefahrene Kleinstädter auch in ihnen stecken. Aber der Fehler liegt in den Morden, die irgendwann auch diese Tristesse aufweisen. Man wartet auf mehr, wird aber nicht beliefert. Man bekommt das ewig selbe Schema vorgeführt: Chris und Tina fahren in ihrem Wohnmobil umher, treffen auf einen störendes Individuum, entledigen sich von diesem und weiter geht die Fahrt. Mit diesem sich immer wiederholenden Handlungsmuster verläuft sich dann der Film, führt schnell die Langeweile vor, die selbst beim Morden aufkommen kann.

 


Sightseers_Hauptplakat

“Sightseers“

Originaltitel: Sightseers
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: GB, 2012
Länge: ca. 91 Minuten
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Alice Lowe, Steve Oram

Deutschlandstart: 28. Februar 2013
Im Netz: sightseers.de