Die erhabene Stimme eines Liam Neeson und das emotionale Schauspiel einer Felicity Jones machen Sieben Minuten nach Mitternacht zur Tränen-Attacke auf unsere Gefühle.


Sieben Minuten nach Mitternacht

Sieben Minuten nach Mitternacht
Felicity Jones und Lewis MacDougall in “Sieben Minuten nach Mitternacht”

Ob ein im Meer lebender Magier und Wissenschaftler in Studio Ghiblis Ponyo, ein erhabener (gottgleicher) Löwe in der Die Chroniken von Narnia-Reihe oder als böser und guter Cop zugleich in The LEGO Movie, die Stimme von Schauspieler Liam Neeson hat etwas königliches, etwas einprägsames, wenn er will auch etwas düster-unheimliches. So ist es nur passend, dass er in Sieben Minuten nach Mitternacht nun die Stimme eines gigantischen Baum-Monsters ist, das seine weisen Geschichten einem kleinen Jungen erzählt, damit dieser aus ihnen eine Lehre ziehen kann.

Sieben Minuten nach Mitternacht trägt eigentlich den Titel A Monster Calls und kommt von Regisseur J. A. Bayona, der bereits in seinen vorherigen Filmen Das Waisenhaus und The Impossible mit kindlichen Horrorgeschichten dahergekommen ist (beide Filme unbedingt einmal anschauen). Das Drehbuch zum Film stammt von Patrick Ness, basierend auf dessen eigenem Roman aus 2011.

In dem Film sehen wir Lewis MacDougall als Conor. Der Junge muss allerhand Leid ertragen. Seine Mutter (Felicity Jones) ist unheilbar krank, sein Vater (Toby Kebbell) hat sich schon vor langer Zeit ein Leben mit einer neuen Familie aufgebaut und seine Großmutter (Sigourney Weaver) erscheint ihm wie eine garstige Hexe. Zu allem Überfluss wird er auch noch in der Schule gehänselt und zusammengeschlagen.

Dann aber erscheint in einer Nacht, genau sieben Minuten nach Mitternacht, eine monströse Baum-Kreatur, die Conor ankündigt, ihm drei Geschichten zu erzählen. Im Anschluss sei der Junge an der Reihe, dem Monster eine vierte Geschichte zu berichten. In dieser soll es um seinen wahren Alptraum gehen, den er sich selbst und dem Monster eingestehen muss.

Im Normalfall outet sich ein Film immer als Achterbahnfahrt. Es gibt emotionale Punkte, die aber durch kleine erholende Momente erträglich gemacht werden. Nicht so in Sieben Minuten nach Mitternacht. Bayona denkt gar nicht daran, uns eine Verschnaufpause zu gönnen. Er orchestriert seinen kurzen ersten Akt, bringt seine Figuren und die Emotionen in Stellung und entlädt sie dann mit aller Kraft über uns.

Dabei entladen wir als Zuschauer dann eine ganze Menge Tränen. Wir werden dazu gezwungen, mit Conor mitzufühlen, was nicht zuletzt an den immer traurigen Situationen liegt, in denen sich der Junge wiederfindet. Darüber hinaus muss er in seinen jungen Jahren bereits mit Problemen klarkommen, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass sie selbst im Erwachsenenalter so einfach zu bewältigen wären.

Es schmerzt mit ansehen zu müssen, wie er auf dem Schulhof liegt und ein paar Rüpel wieder und wieder in ihn hinein treten. Es schmerzt ebenso, wenn sein Vater sich von ihm abwendet und ihn bei seiner garstigen Großmutter unterbringen will, wenn die Mutter einmal nicht mehr ist. Es schmerzt aber auch immer dann, wenn Conor sich mit all seinem Willen dagegen sträubt, den baldigen Tod seiner Mutter anzunehmen.

Und hier kommt Rogue One-Darstellerin Felicity Jones ins Spiel, die als charismatisch-freundliche Mutterfigur dafür sorgt, dann wir ganz sicher nicht mit trockenen Augen aus dem Film heraus kommen werden. Sie spielt diese dahin schwindende Frau unfassbar emotional. Gemeinsam mit MacDougall versteht es Jones hier eine Bande zwischen Mutter und Sohn aufzubauen – mit der Großmutter als Eindringling in diese Zweisamkeit –  der wir ehrlich wünschen, bis in alle Ewigkeit anzuhalten.

Immer wenn wir dann mit dem Liam Neeson Baum-Monster und Conor in die hübsch aber düster animierten Erzählungen eintauchen, finden wir uns in einer alptraumhaften Fantasiewelt wieder, wie sie großartige Filme wie Pan’s Labyrinth, Die Brücke nach Terabithia oder Wo die wilden Kerle wohnen auch schon bereit gehalten haben. Sich mit diesen Titeln einreihen zu dürfen, spricht sicherlich nicht gegen den – wenn auch traurigen – Unterhaltungswert von Sieben Minuten nach Mitternacht.

Also vorsicht. Der Film ist sicherlich kein Steven Spielberg The BFG Happy End-Märchen, sondern vielmehr eine tragische Geschichte über den Tod und die Trauer. Damit bewegt sich dieses Fantasywerk allerdings weitaus näher an der Realität dieser Gefühlswelten, als mancher in der wirklichen Realität spielende Film.