BerlinaleHorror

Shadow of the Vampire (2000)

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Shadow of the Vampire

mit Willem Dafoe, John Malkovich, Udo Kier, Cary Elwes, Catherine McCormack Und Eddie Izzard

Shadow of the Vampire von E. Elias Merhige gelingt eine spannende Gratwanderung. Auf der einen Seite erzählt der Film über einen Regisseur, der sich durch keine Hürde und keinen Stolperstein davon abbringen lässt, seine Vision eines Films zu realisieren. Dieser Herr ist Friedrich Wilhelm Murnau, ein deutscher Filmemacher, der hier als manisch-besessener Mann von John Malkovich verkörpert wird. Neben dem Backstage-Gerangel an seinem Filmset geht aber noch etwas ganz anderes vor sich. Während Murnau einen Vampirfilm dreht, möchte auch Merhige uns einen solchen geben. Das gelingt wiederum durch die fabelhafte Performance von Willem Dafoe als eine Art Graf Dracula.

Damit bezieht sich Shadow of the Vampire auf Nosferatu, der seit seiner Entstehung in 1922 eine der einflussreichsten Vampirerzählungen der Filmgeschichte ist. Und das obwohl Murnau nicht die Rechte an Bram Stokers Dracula bekommen konnte. Daher wählte er einen anderen Titel und lies seinen Hauptdarsteller Max Schreck den Vampir Graf Orlok spielen. Machen wir uns nichts vor. Es ist dennoch die Geschichte Draculas, die Murnau unheimlich und ohne Spezialeffekte, dafür mit einer unfassbar guten Vampirmaske für seinen Hauptdarsteller inszeniert hat. Wenn wir Max Schreck sehen, dann sehen wir nicht den Schauspieler, wir sehen diese Kreatur der Nacht.

Wenn Murnau (Malkovich) mit seinem Team in die Tschechoslowakei reist, um dort seinen Vampirfilm zu drehen, hält er seine Crew darüber im Unklaren, wer die geheimnisvolle Rolle des Graf Orlok spielen wird. Erst sein anderer Hauptdarsteller Gustav von Wangenheim (Eddie Izzard) erklärt, dass es sich um einen eigenartigen Theater-Schauspieler namens Max Schreck (Dafoe) handelt, der sich immer nur mit seinem Vampir-Makeup zeigen wird, da er ganz und gar in seine Rolle eintauchen möchte.

Während der Produzent des Films, Albin Grau (Udo Kier), seine Zweifel äußert, spielt Murnau ein gefährliches Spiel. Denn der Regisseur hat Graf Orlok, ein wahrer Vampir, engagiert, um für ihn den Schauspieler Max Schreck zu spielen, wie er in Murnaus Film wiederum  den Grafen Orlok spielt – also sich selbst. Als Gegenleistung hat er dem Vampir die Hauptdarstellerin Greta Schröder (Catherine McCormack) versprochen, die sich ohnehin immerzu über die desaströsen Bedingungen am Set beschwert.

Graf Orlok ist weiterhin eine gruselige Gestalt. Eine der widerwärtigsten Vampirfiguren, die ein Film je hervorgebracht hat. Willem Dafoe überträgt das in Perfektion auf Shadow of the Vampire. Orlok bekommt hier das detailgetreue Rattengesicht verpasst, mit verrotteten Zähnen, den Ohren einer Fledermaus und den ausgehöhlten Augen. Derweil erinnern seine Fingernägel mehr an Klauen als an Hände. Alles an dieser Figur lässt uns in Frage stellen, ob es sich wirklich um Makeup handelt. Das schaut doch mehr nach ein von der Natur geschaffenes Monster aus.

Willem Dafoe spielt dieses Monster, das sich am Filmset eines weiteren Monsters bewegt. Er versinkt so sehr in seiner eigenen Rolle als Graf Orlok und Max Schreck, dass wir es sehr schwer haben zu merken, wenn Shadow of the Vampire manches Mal Originalszenen aus Nosferatu verwendet. Zugleich ist Dafoe aber auch dieser Vampir, der ganz nebenbei einen Kameramann verspeist. Ein Hauptdarsteller, den es dürstet, der hungrig ist. Er ist der Star des Films, er kann verlangen, was er will. Keine Seltenheit im realen Hollywood.

Und auch der Regisseur, der weniger an Menschen als an seinem eigenen Film interessiert ist, scheint nicht der puren Fantasie entsprungen zu sein. Malkovich zeigt sich als Murnau schlicht uninteressiert am menschlichen Dasein und würde jeden und jede ausliefern, ohne dabei mit der Wimper zu zucken – solange es seinen Film nicht beeinträchtigt. Ihm ist nur sein Werk wichtig. Er will den realistischsten Vampirfilm aller Zeiten drehen und geht dafür nunmal über Leichen. Er schließt den Pakt mit einem Teufel, weil seine Arbeit für ihn einfach alles rechtfertigt und er sich somit keine Gedanken über sein Gewissen zu machen braucht.

Shadow of the VampireSein Murnau wirbelt extravagant über das Set um dort leidenschaftliche Ansprachen zu halten, ungemütliche Ankündigungen hinterher zu schieben, Befehle zu erteilen und sich hin und wieder selbst zu bemitleiden, weil er von so vielen Idioten umgeben sei, die seine Vision einfach nicht verstehen würden. Aber das sei für ihn der harte Preis, den er für seine Arbeit zu zahlen habe – nicht aber die Menschen, die er seinem wahren Hauptdarsteller opfert.

Shadow of the Vampire entwickelt hierunter einen wundervollen Genremix. Sicher mehr Horror, aber immer auch ein bisschen amüsante Komödie, vor allem mit solch kurios-perfekten Performances von John Malkovich und Willem Dafoe, die hier großartig zusammenwirken, als seien sie ebenso diesen teuflischen Pakt Murnau-Orlok eingegangen.

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