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“Sex Tape” von Jake Kasdan

Jay (Jason Segel) und Annie (Cameron Diaz) finden ihr Sex Tape in der Cloud wieder.
Jay (Jason Segel) und Annie (Cameron Diaz) finden ihr Sex Tape in der Cloud wieder.

Das erste Bild, das wir in der erst kürzlich in den Kinos gelaufenen Komödie Bad Neighbors sehen durften – oder mussten – waren Seth Rogen und Filmpartnerin Rose Byrne beim Liebesspiel, jäh davon gestört, dass ihr kleines Baby sie unentwegt aus dem Laufgestell heraus beobachtete. Ein ähnliches Intermezzo gibt es noch etwas später, wenn die sich nicht minder kindisch verhaltende Nachbars-Studentenverbindung vorm Wohnzimmerfenster der jungen Familie versammelt, um ebenso den Sexskapaden beizuwohnen. Das Ehepaar sucht die intime Zweisamkeit in den eigenen vier Wänden, was schon zum Problem wird. Was geschieht, wenn diese Zweisamkeit sogar noch aus dem Eigenheim hinaus in die sagenumwobene digitale Cloud gelangt, dass ist der Schrecken, von dem nun Komödien-Kollegen Jason Segel und Cameron Diaz geplagt werden.

Was in Bad Neighbors kurze Episoden sind, die vielleicht als schwächste Momente in einem sonst durchweg starken Film wirken, ist in Sex Tape von Regisseur Jake Kasdan die immer wiederkehrende Grundprämisse, die sich durch einen Film zieht, der nur wenige erhellende Lichtblicke liefert. Während Jason Segel, Jahrgang 1980, in einer solchen Sexkomödie schlichtweg sein Talent vergeudet, welches er bereits in weitaus besseren Produktionen (Jeff, der noch zu Hause lebt; Fast verheiratet) zeigen durfte, wirkt Cameron Diaz, Jahrgang 1972, inzwischen immer wieder wie die alt gewordene Diva, die in ihren Filmrollen krampfhaft versucht, jung, sexy und begehrenswert zu bleiben – der Vamp in The Counselor, die strenge Sexbombe in Die Schadenfreundinnen.

Annie (Diaz) erfreut sich dem digitalen Leben, bis zu dem Moment, in dem ihr Sexleben öffentlich gemacht wird.
Annie (Diaz) erfreut sich dem digitalen Leben, bis zu dem Moment, in dem ihr Sexleben öffentlich gemacht wird.

Hier nun ein Rückblick auf die frühe Beziehung von Jay (Segel) und Annie (Diaz), die es an jedem erdenklichen Ort getrieben haben, so oft wie möglich, ungeniert und ungehemmt. Mit Einzug der beiden Kinder in das Familienleben haben die beiden allerdings zusehends Abstand vom sexuellen Miteinander genommen. Um wieder Schwung in die Sache zu bringen, nimmt man sich nicht nur den Klassiker „The Joy of Sex“ vor, sondern filmt das ganze Spiel auch gleich noch mit einem viel umworbenen, gelobten und mehr als auffälligen Product Placement von einem Tablet. Dass das entsprechende Video – das wir im Abspann sehen dürfen und eigentlich nur durch seine Albernheit so schockierend wirkt – landet irgendwo in der Cloud, wo es den Freunden, Verwandten und dem Postboten zugänglich ist. „Niemand versteht die Cloud“ erklärt Jay und bezichtigt damit die Prämisse des Films selbst noch als puren Blödsinn.

Für alle, die bei Neuerscheinen eines jeden Apple Produktes die Zelte vor den Türen des nächstgelegenen Elektrofachmarktes aufschlagen, dürfte es noch ansatzweise nachvollziehbar sein, dass Jay sich mit jeder neuen Tablet-Generation ausrüstet, allerdings verschenkt er scheinbar wahllos seine alten Spielzeuge – die Eltern gehen dabei vielleicht noch als in Ordnung durch, beim Chef seiner Frau oder dem Postboten jedoch, wirken die verschenkten Tablets schon arg gutmütig. Überhaupt wundert man sich über den Lebensstil dieser beiden Figuren, die nicht unbedingt die bestbezahltesten Jobs haben – Annie hofft lediglich darauf, ihr Weblog zu verkaufen, dennoch kann man es sich leisten, die teuren Techniken einfach so zu verschenken. Vielleicht wollte man den Film nicht auch noch mit Werbung für eBay überfrachten.

Auch Annies neuer Chef Hank (Rob Lowe in der Mitte) hat Zugang zum Sex Tape.
Auch Annies neuer Chef Hank (Rob Lowe in der Mitte) hat Zugang zum Sex Tape.

All das dient dann einem Film, der seine beiden Hauptdarsteller lediglich durch sketchlange Witze schickt, die weder zünden, noch wirklich lustig sind. Das Ganze führt bis hin zu YouPorn und einem Gastauftritt von Jack Black als Gründer und Betreiber der Webseite, wo das private Sexvideo letztendlich landet. Vielleicht soll das alles als Affront gegen die Digitalisierung der Welt gelten – sollte dem so sein, hätte man es viel mehr in den Mittelpunkt stellen können und sollen, als sich der bloßen Aneinanderreihung der „Wir müssen uns unsere Tablets zurückholen“-Episoden zu bedienen. Man erwartet förmlich den Publikumserfolg dieser Komödie und einer seriellen Fernsehaufbereitung als dessen Folge, bei der ein Ehepaar Woche für Woche ein solches Tablet aus den Händen der Bekanntschaft erringen muss.

Jason Segel und Cameron Diaz haben schon einmal besser miteinander funktioniert: in Bad Teacher, ebenfalls von Jake Kasdan. Die Fortsetzung ist bereits angekündigt, vielleicht dient es der Rehabilitierung von diesem kleinen Ausflug in die Belanglosigkeit.

Sharelines

[social_quote duplicate=”no” align=”center”]Cameron Diaz wirkt wie die alt gewordene Diva, die versucht, jung, sexy und begehrenswert zu bleiben.[/social_quote]

[social_quote duplicate=”no” align=”center”]Sex Tape schickt seine beiden Darsteller lediglich durch sketchlange Witze, die weder zünden, noch lustig sind.[/social_quote]

Sex Tape
95 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren, Kinostart: 11. September 2014
im Netz: Offizielle Homepage zum Film
alle Bilder © Sony Pictures Releasing GmbH

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