Nicht immer passiert Magie im stillen Kämmerlein, wie Komponist Marco Beltrami in der Dokumentation Score – Eine Geschichte der Filmmusik vorführt, wenn er inmitten einer hügeligen Landschaft steht, wo ein Klavier auf einem Felsen fest drapiert wurde. Hier möchte er komponieren und die Windzüge und Vibrationen der Gegend nutzen, um einen originellen Klang zu erzeugen. Es ist ein gelungener Einstieg für die Doku von Regisseur Matt Schrader, der sich danach in interessanten Anekdoten verliert, die wie eine ungeordnete Stichwortliste präsentiert werden.

Es ist durchaus schön einmal die Gesichter hinter all den Musikstücken zu erleben, die für manche Filme prägend waren. Die Rocky-Hymne ist in Score ebenso prominent vertreten wie die allererste Orchestermusik in einem Film, die für King Kong und die weiße Frau eingespielt worden ist. Es wird recht treffend umschrieben, wenn Musik zum Herz und der Seele eines Films ernannt wird – wenn nicht gar einer ganzen Filmindustrie, denkt man an die Eröffnung von 20th Century Fox und ihrer einprägsamen Fanfare.

Ursprünglich hatte Matt Schrader die Idee, seine Doku auf drei Filmkomponisten zu fokussieren. Verworfen hat er dieses Vorgehen, weil ihm die immense Varianz innerhalb des Musikgenres bewusst geworden ist.

Score - Eine Geschichte der Filmmusik
Hans Zimmer im Studio

Vielleicht hätte es Score tatsächlich mehr Struktur verliehen, wenn er diesen Fokus verfolgt hätte, so aber bekommen wir einen schnellen Überblick von den Rugrats bis zu Der Herr der Ringe, schauen auf frühe Orchestermusik und auf die modernen Musiken von Trent Reznor und Atticus Ross, die als Sänger und Gitarrist der Nine Inch Nails von der Musikbühne ins Filmbusiness geholt wurden.

Jetzt bringt es Schrader auf über 60 Interviews mit Komponisten (und Komponistinnen!), Regisseuren, Orchester-Leitern, Hollywood-Agenten, Produzenten und Musik-Experten. Sie alle schmeißen uns Informationen vor die Füße, die Schrader gerne hätte sortieren dürfen. Aber er springt von einem Komponisten und seiner Arbeit zu der Entstehung einer Musik, wir finden uns mal in einem Orchester sitzend wieder, dann darf ein Filmemacher wieder darüber sprechen, dass Musik einfach alles für ihn bedeutet.

Schrader springt in der Filmgeschichte vor und zurück, erzählt von den sieben Monaten, die es gedauert hat um die Filmmusik für Mad Max: Fury Road zusammen zu kriegen, dann zeigt er John Debney, wie er sein Orchester anleitet, aber nichts mit Mad Max zu tun hat. Keine Frage, alles überaus interessant. Man wird aber das Gefühl nicht los, dass wir einer Erzählung von Matt Schrader, dem Musikliebhaber folgen, der uns aus all seinem gefilmten Material ein Best Of zusammen geschnitten hat, aber keine eigene Geschichte erzählt, was selbst für eine Dokumentation unabdingbar ist.

Score - Eine Geschichte der Filmmusik
Rachel Portman am Klavier

In der zweiten Hälfte von Score scheint er das selbst gemerkt zu haben – oder aber es ist purer Zufall, dass er sich stark auf John Williams konzentriert, der vor allem an der Seite von Regisseur Steven Spielberg viele erinnerungswürdige Kompositionen erschaffen hat: von dem simplen Tönen zu Der weiße Hai über Indiana Jones und E. T. bis hin zu Jurassic Park sowie natürlich der Musik zur Star Wars-Saga von George Lucas oder aber Richard Donners Superman. Das nutzt die Doku auch sogleich als Überleitung zu Tim Burton, der von dem Druck erzählt, als er für seinen Batman-Film eine Musik finden wollte, die sich von John Williams unterschied, aber doch irgendwie an das Superman-Theme anknüpfen konnte.

Natürlich darf Danny Elfman erzählen, wie ihm das gelungen ist. Natürlich bekommen wir auch Hans Zimmer zu sehen, der nicht minder einflussreich seinen Stil in Hollywood etabliert hat. Ob nun Rachel Portman, Steve Jablonsky, Alexandre Desplat oder Jerry Goldsmith, ob Christopher Nolan oder James Cameron und Moby, sie alle finden sich in Score wieder und erzählen ihre Gedanken, Anekdoten und Herangehensweisen zum musikalischen Storytelling im Film.

Score konnte via Kickstarter finanziert werden, wo Schrader eine Summe von 40.000 $ anstrebte, binnen 30 Tage aber 120.000 $ zusammen hatte. So zusammengewürfelt seine Dokumentation auch wirken mag, so interessant ist sie aber auch. Deshalb möchte man seinem Erstlingswerk diese Schwäche auch durchaus verzeihen.