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“Schattenkrieger” von John Lyde

© Ascot Elite Filmverleih GmbH / Danielle Chuchran faucht wie eine Wildkatze.
© Ascot Elite Filmverleih GmbH / Danielle Chuchran faucht wie eine Wildkatze.

„Ich bin kein Freund der Orks. Aber auch nicht der Elfen.“ spricht es aus dem Munde von Keltus, der aus der Gefolgschaft der Prophetin von Ari-Alia stammt. Ihm an der Seite steht zu diesem Zeitpunkt Nemyt, eine elfische Kopfgeldjägern: „Wir haben beide keine Freunde. So sieht’s aus.“ Auf derlei Dialoge muss man sich einlassen, möchte man sich der Low-Budget-Produktion „Schattenkrieger – The Shadow Cabal“ von Regisseur John Lyde („Osombie“) annehmen. Irgendwo im Fahrwasser von „Herr der Ringe“ und Fantasy-Fernsehproduktionen von „Hercules“ bis „Xena“ hat der Film seinen Weg auf DVD und Blu-Ray gefunden und ist damit leider über ein besseres Ziel hinaus geschossen. Das Drehbuch von Kynan Griffin und John Lyde bringt nicht mehr hervor als dass es einen Auftritt im Fernsehen Wert wäre. Falscher Musikeinsatz, verwirrende Story, ständiger Einsatz von Slow Motion und übersexualisierte Elfinnen und Göttinnen überzeichnen den Film. Es greift die Regel, dass manchmal weniger einfach mehr wäre, woran sich hier aber niemand halten mag. Dabei ist nicht einmal das geringe Budget schuld daran, dass dieses Vorhaben schnell im Sande verläuft, sondern schlicht die Einfallslosigkeit mit der hier agiert wird.

Es wird die Geschichte von eben jenem Keltus erzählt, der gemeinsam mit der Kopfgeldjägerin der Elfen von Garuundan und einem ausgestoßenen Ork in die Welt zieht, um den Schatten zwei wertvolle Errungenschaften aus ihren Fängen zu entreißen. Denn die Gefolgschaft des Bösen, ausgestattet mit einem Mal auf dem Unterarm, hat die Asche von Amun-Khan und das Blut des Totengottes Goth Azul in ihren Besitz gebracht. Nun wollen sie die Asche und das Blut an der Pforte zur Unterwelt vermischen und damit Goth Azul höchstpersönlich heraufbeschwören. Mit ihm an ihrer Spitze, würden die Legionen des Bösen über das Land herfallen und die lebende Zivilisation unterjochen.

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Fernab dieser Geschichte wird im Film von vornherein deutlich, dass nicht etwa Keltus der Mittelpunkt der Erzählung ist, sondern die Elfin Nemyt, aufreizend in den Fokus genommen. Sie bekommt die Eröffnungsszene, sie erhält Ansatzpunkte einer Figurenentwicklung, hat die kreativesten Gewänder und Gesichtsverdeckungen. Schon fast möchte man spekulieren, der Film wäre um sie aufgebaut. Als wolle man Darstellerin Danielle Chuchran, schon in „Osombie“ für Regisseur John Lyde im Einsatz, einen gebührenden Auftritt ermöglichen. Sie wird zur unkonventionell inszenierten Elfin, die weder grazil noch ehrfürchtig durch die Lande schreitet, aus anderen Fantasyverfilmungen oder Welten wie dem Pen & Paper Rollenspiel „Das schwarze Auge“ bekannt. Viel mehr ist sie als ‘tough girl’ unterwegs, die sexy Nerd-Fantasie, die eher einer Wildkatze gleicht, die erst noch gezähmt werden muss – in Szene gesetzt mitsamt auf dem Boden kauern, den Kopf schief legen und am Fauchen. Wieso sie allerdings in regelmäßigen Abständen eine ordentliche Portion ihrer Spucke auf dem Boden verteilen muss, erschließt sich eher weniger. Außer man verweist wieder auf die Hilflosigkeit des Drehbuchs, das vermutlich einen deutlich sichtbaren Weg gesucht hat, Nemyt als ‘harten Kerl’ darzustellen.

Diese eher schlichte Herangehensweise wird dann auch in Bezug auf die Handlung in den ersten zwanzig Minuten sofort deutlich. Hier findet man nur sehr mühsam, mit wachsamen Augen, erste Details zur eigentlichen Geschichte. Vielmehr versucht sich der Film hier von Kampf zu Kampf zu hangeln, immer mit ausgefallenen Choreografien, die jeden Krieger in der fiktiven Realität vermutlich den Kopf kosten würde. Elfin gegen Ork. Mensch gegen Zwerg. Selbst ein abtrünniger Ork gegen seinesgleichen wird hier zelebriert. So umsegelt der Film dann jedoch immer wieder wichtige Stationen in der Struktur des Geschichtenerzählens. Hieraus ergibt sich das Porno-Problem. Wie auch in den erotischen Billig- und vor allem Schnellproduktionen folgt Kampf auf Kampf, wie Sexszene auf Sexszene. Es werden scheinbar wenig relevante und lieblos geschriebene Erzählstränge als Lückenfüller missbraucht, purer Kleister für die im Fokus stehenden Kampfsequenzen. Dabei verheddert sich der rote Faden, die Aufmerksamkeit geht verloren und in Erinnerung bleiben nur die Fetzen, auf die sich der Film zwar stützen kann, die allein aber noch keinen durchgängig spannend erzählten Film ausmachen.

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Das ist besonders dann schade, wenn man merkt, dass die Schauspieler zu mehr im Stande gewesen wären, wenn ihnen ein entsprechendes Drehbuch in die Hände gedrückt worden wäre. Denn bis auf die besagte Schreibe kommt „Schattenkrieger“ als durchaus annehmbare Fantasy Low-Budget-Produktion daher. Der Film fängt eine glaubwürdige Fantasywelt ein, hält so manch schönes Panorama parat. Es wird mit annehmbaren Spezialeffekten gearbeitet und man glänzt geradezu beim Kostümdesign. Das manches Mal eher unfreiwillige Trash-Komik aufkommt – ein fröhlich vor sich hin summender Ork?! – verleiht dem Film eher Charme als das es ihm schaden würde.

Nur leider kommt selbst die Gemeinschaftsarbeit all der durchaus vorhandenen positiven Aspekte nicht dagegen an, dass die Gesamtkonzeption unüberschaubar, unüberlegt und im Geiste unfertig wirkt. Beim nächsten Mal einfach ein paar Vorzeigeeffekte weniger (ein Drache am Anfang wäre nicht nötig gewesen) und für das hierdurch eingesparte Geld einen kompetenten Drehbuchautoren engagieren.

 


Schattenkrieger_Hauptplakat

“Schattenkrieger – The Shadow Cabal“

Originaltitel: Curse Of The Shadow
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 100 Minuten
Regie: John Lyde

Darsteller: Danielle Chuchran, Richard McWilliams, Paul D. Hunt, James C. Morris, Eve Mauro, Danny James, Nichelle Aiden

DVD/Blu-ray Start: 18. Juni 2013
Im Netz: ascot-elite.de


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