Filmkritik

“Safe – Todsicher” von Boaz Yakin

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© Concorde / Catherine Chan und Jason Statham in "Safe - Todsicher"

Als Frank Martin in der „Transporter“-Reihe wurde Jason Statham zum Actionstar, etablierte seinen Ruf als Chev Chelios in „Crank“, Crawford in „War“, Terry Leather in „Bank Job“ oder Lee Christmas in „The Expendables“. Auch andere Titel wie „The Mechanic“, „Killer Elite“ oder „Blitz“ unterscheiden sich nur selten voneinander. Jason Statham funktioniert, wie er funktionieren soll. Als einsamer Kämpfer, der mit brachialer Gewalt und immer einer Knarre in der Hand gegen Unrecht kämpft, welches ihm zugefügt wird. Daher muss man auch von seinem neuen Film „Safe“ nicht allzu viel Innovation erwarten. Hier wird der harte Draufgänger mit einem schlauen Mädel kombiniert um die Handlung voranzutreiben. Aber irgendwann beginnen die vielen Filmtitel und gleichen Handlungsabläufe selbst den geneigten Jason Statham-Fan zu verwirren und langweilen.

Dieses Mal stellt man ihm Catherine Chan zur Seite, die in ihrem Spielfilmdebüt das chinesische Mädchen Mei spielt. Das begnadete Mathematik-Wunderkind wurde von Han Jiao (James Hong), dem Oberhaupt einer kriminellen Triaden-Vereinigung, nach Amerika entführt und dort aufgrund ihrer außergewöhnlichen Gedächtnisfähigkeiten mit einem komplizierten, streng geheimen Code betraut. Unwiderruflich gerät sie dadurch auch ins Visier der russischen Mafia. Denn der Code ist für einen prall gefüllten Safe bestimmt, den die gefährliche Untergrundorganisation für sich beansprucht. Nachdem Mei nur knapp einer erneuten Entführung entkommt, trifft sie auf den verzweifelten Kampfsportler und Ex-Cop Luke Wright (Jason Statham), dessen Frau ebenfalls Opfer der russischen Mafia geworden ist. Intuitiv nimmt er sich des Mädchens an, um sie zu beschützen.

Jason Statham als Luke Wright

Ein Potpourri aus Action-Zutaten, ohne einen klaren Fokus: Es gibt die russische Mafia, die chinesische Untergrund-Triade, die korrupte Polizei New Yorks darf auch noch mitmischen, Jason Statham gibt den gefallenen Schläger, ein gekidnapptes Mädchen an seiner Seite, eine ermordete Ehefrau und natürlich die Beute, sicher in einem Safe verwahrt. Da weiß der Zuschauer gar nicht, welchem Handlungsstrang er zuerst folgen soll. Aber „Safe“ bietet Abhilfe, lässt binnen kürzester Zeit so manch interessante Hintergrundinformation wieder fallen und besinnt sich auf den herum wütenden Jason Statham. Dabei scheint am Anfang noch alles so anders zu sein, wenn die kleine Mei durch die New Yorker U-Bahn irrt, nur kurz den Blickkontakt zu Luke Wright sucht, hier noch ein fremder Mann, der bedrohlich nahe am U-Bahn Schacht steht um sich selbst in den Tod zu stürzen. Hier nimmt sich die eigentliche Handlung eine kurze Auszeit, der Film springt in zwei Flashbacks zurück und erzählt die jeweiligen Geschichten des Kampfsportlers und des kleinen Mädchens. So werden zwei dramatische Schicksale parallel aufgebaut. Wenn der Zuschauer Mei beim Essen sieht, schneidet der Film danach zu Luke bei derselben Tätigkeit, wenn Mei entführt im Auto zwischen ihren Peiniger sitzt, sehen wir Luke im Polizeiwagen, wie er gerade abtransportiert wird. Ein künstlerischer Parallelschnitt, durch den „Safe“ nicht viel Zeit verliert, sondern schnell in die jüngere Vergangenheit seiner Protagonisten einführt und zugleich noch die vielen Gauner präsentiert, mit denen es die beiden zu tun haben werden.

Inmitten diesen multiplen Bandenkriegs stehen Jason Statham und Catherine Chan als einsame Menschen, die von allen Freunden, von Familie und ihrem Lebensmut verlassen wurden. Leider sieht man es Statham an, das er selbst hilflos gegenüber anspruchsvollem Schauspiel ist. Seinen gebeutelten Helden versucht er mit gesenkten Kopf, Tränen in den Augen und Alkohol trinkend zu verkörpern, nur um wenige Sekunden später schon wieder auf einem Zugdach herum zu klettern und Mei hinterher zu eilen, die er aus einem immensen Instinkt heraus zu beschützen versucht. Es genügt ein kurzer Blickkontakt für Statham um zu wissen, dass es diesem Mädchen nicht gut geht und dass er anscheinend ihre einzige Hoffnung ist. Schnell ist der Gutmensch also zurück in seinem Genre, darf sich in der U-Bahn mit Russen prügeln, auf der Straße mit Polizisten und irgendwo, es ist ja eigentlich auch egal, noch die Chinesen zusammen schlagen. Für ein gut durch konzipiertes Drama wäre das Aufeinandertreffen dieser vielen Parteien der Anlass für einen hochkarätigen Gangsterfilm gewesen, hier ist es nur der Versuch, Jason Statham möglichst viele Gegner vor die Füße zu werfen.

Somit ist „Safe“ erneut das ewig Selbe von Jason Statham, innovativ wird sein Schauspiel nicht mehr werden. Das kleine Mädchen haben Schauspieler wie Jackie Chan und Chris Tucker in „Rush Hour“ oder Jean Reno in „Leon – Der Profi“ schon besser beschützt, aber man darf dennoch gespannt sein, wie man sich die Konzeption der kommenden Statham-Filme vorstellt: „Parker“ und „Hummingbird“ sollen sie heißen und die Statham-Fans, die ihn als erbarmungslosen Schlägertypen sehen wollen, werden von diesen Filmen sicherlich ebenso zufrieden gestellt werden, wie auch von „Safe“.

Denis Sasse

‘Safe – Todsicher‘

Originaltitel: Safe
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 95 Minuten
Regie: Boaz Yakin
Darsteller: Jason Statham, Catherine Chan, Robert John Burke, James Hong, Anson Mount, Chris Sarandon, Joseph Sikora, Igor Jijikine, Reggie Lee, Matt O’Toole

Deutschlandstart: 31. Mai 2012
Offizielle Homepage: safe-derfilm.de

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