Filmkritik

“Gangster Squad” von Ruben Fleischer

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© Warner Bros. Pictures Germany / Die Gangster Squad: Giovanni Ribisi, Josh Brolin, Ryan Gosling, Anthony Mackie, Michael Peña & Robert Patrick (v.l.n.r.)

© Warner Bros. Pictures Germany / Die Gangster Squad: Giovanni Ribisi, Josh Brolin, Ryan Gosling, Anthony Mackie, Michael Peña & Robert Patrick (v.l.n.r.)

Sam Raimis “Spider-Man” traf es 2001. Nach der terroristischen Attacke auf das New Yorker World Trade Center wurde der Teaser zu Spideys erstem Auftritt vom Markt genommen, ein extra produzierter Mini-Film, in dem die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft eine Gruppe von Bankräubern, die in einem Helikopter flüchten, in einem gigantischen Spinnennetz zwischen den Twin Towers einfängt. Ähnlich erging es Ruben Fleischers („Zombieland“) neuem Film „Gangster Squad“, der unter dem Amoklauf in einem Kino in Aurora, Colorado zu leiden hatte. Hier war jedoch nicht nur der Trailer betroffen, sondern sogleich auch eine Szene im eigentlichen Film: Wenn sich die Gangster Squad mit Maschinenpistolen durch die Filmleinwand des Grauman’s Chinese Theaters schießen, die Waffen auf das Publikum gerichtet. Die Szene wurde gestrichen, das Veröffentlichungsdatum nach hinten verschoben. Nachdrehs wurden angeordnet, in denen die Schießerei in ein neues Setting – Chinatown – überführt wurde.

Wie so viele Filme dieser Tage beruht auch „Gangster Squad“ auf einer wahren Geschichte, erzählt von einer Gruppe von Polizisten des Los Angeles Police Departments, die in den 1940er und 1950er Jahren damit beauftragt wurden die Stadt vor dem Kriminellen Mickey Cohen und seiner Gang zu schützen. Der Film zeigt den schnellen Aufstieg Cohens, hier intensiv und brutal von Sean Penn gespielt, der sein Gangsterimperium auf Drogen, Waffenhandel und Prostitution errichtet. Der ehemalige Boxer erhält dabei nicht nur Unterstützung von bezahlten Schlägertruppen, sondern kann auch jederzeit auf korrupte Polizisten und Politiker zurückgreifen. Doch ein kleiner zusammengewürfelter Haufen von rechtschaffenden Gesetzeshütern, die sich unter der Leitung von Sgt. John O’Mara (Josh Brolin) formieren, möchte Cohen endgültig hinter Gittern sehen.

Josh Brolin als Sgt. John O’Mara

Josh Brolin als Sgt. John O’Mara

Ruben Fleischer zeigt dass er die Actionsequenzen, die Schießereien und Schlägereien visuell eindrucksvoll inszenieren kann, irgendwo zwischen „Sin City“ und seinem eigenen „Zombieland“. Einstellungen, die in Zeitlupe gedreht sind, vereinen sich mit coolen Choreographien, mit Kamerabildern die immer bei den Protagonisten bleiben, ganz gleich wie verzwickt die Einstellung auch erscheinen mag. Zum Leidwesen des Regisseurs stecken zwischen diesen Sequenzen aber noch reichlich Dialogszenen, die durch ihre hölzerne Abgedroschenheit arg in die Länge gezogen wirken. Hier ist kein Gangster-Epos entstanden, kein neuer „Heat“ oder ein „L. A. Confidential“, sondern ein Comicabenteuer (bei dem die Musik oftmals an Christopher Nolans “The Dark Knight”-Trilogie erinner), eher bunt und überzogen als so dreckig und schmutzig wie Fleischer es wohl gerne gehabt hätte.

Darüber hinaus schafft er es gerade einmal den Fokus auf vier seiner Darsteller zu halten: ein stark spielender Sean Penn, versteckt unter einer Maske, die ihn zum kantigen Boxer und Gangster werden lässt, ein wahres Gesicht der Unterwelt entsprungen. Josh Brolin, der Mann der die „Gangster Squad“ zusammenführen und anleiten soll, das exakte Gegenstück zum Gangsterboss Cohen. Seine Schwachstelle ist seine schwangere Ehefrau, die irgendwann aus der Stadt fliehen muss, während O’Mara jedem noch so kleinen Verbrechen nachgeht. Er ist die Verkörperung des Gesetzes. Weniger sauber spielt Ryan Gosling den Cop Jerry Wooters, der am Krieg zerbrochen ist. Er trägt seine Marke nur noch zum Schein, vertreibt sich die Zeit in Bars, Kneipen und Etablissements, in denen leicht bekleidete Mädchen für ihn tanzen. Zumindest so lange, bis er Grace Faraday trifft, die Geliebte von Mickey Cohen, die ihm nicht nur den Kopf verdreht, sondern auch die Hoffnung hegt, dass er sie aus Mickeys Armen befreien kann. Hier kommt die vierte im Bunde hinzu: Emma Stone, in die sich Ruben Fleischer mitsamt Kameramann Dion Beebe verliebt zu haben scheint. Wenn sie das erste Mal im Film auftaucht, nennt Gosling sie zu Recht eine Tomate, mit ihrem rot-glitzernden langen Kleid, den verführerischem roten Lippenstift und den roten Haaren. Emma Stone als personifizierter Sex. Kein Wunder dass sie schon bald mit Goslings Wooters im Bett landet. Sie wird zur Antriebskraft für den antriebslosen Polizisten. Hier nutzt Fleischer die gute Chemie zwischen Gosling und Stone, die sich bereits in „Crazy Stupid Love“ manifestierte, um seiner Erzählung eine charmante Liebesgeschichte hinzuzufügen.

Emma Stone als Grace Faraday und Ryan Gosling als Sgt. Jerry Wooters

Emma Stone als Grace Faraday und Ryan Gosling als Sgt. Jerry Wooters

Dann wären da aber auch noch Giovanni Ribisi, Michael Peña, Robert Patrick und Anthony Mackie, die übrigen Mitglieder der Gangster Squad, die sich unterrepräsentiert mit wenigen Worten charakterisieren lassen: Ribisi ist das Technik Genie, Patrick der Revolverheld, Peña dessen Schützling und was Anthony Mackie macht, außer mit einem kleinen Messer herum zu fuchteln, wird nicht so recht deutlich. Nicht alle werden es bis zum Ende des Films schaffen, dem Zuschauer wird es egal sein, zu wenig umspannt Fleischer seine Figuren mit Wahrhaftigkeit, mit Emotionen, mit Geschichten die den Zuschauer mitfühlen lassen würde. Das Resultat sind Figuren, die egal sind, die sterben dürfen, die wahllos, lieblos und entbehrlich in das Drehbuch geschrieben wurden.

Das alles macht „Gangster Squad“ aber nicht zu einem schlechten Film, nur zu einem gefühlt sehr langen Film. Fleischer kann Regie führen, das hat er mit „Zombieland“ bewiesen. Nur dieses ernstere Territorium liegt ihm nicht, weder kommt er mit der Masse an Schauspieltalenten zurecht, noch mit der Verknüpfung von Story und Action. Er ist am Höllenschlund Los Angeles zerbrochen.

Denis Sasse

Gangster Squad_Hauptplakat

“Gangster Squad“

Originaltitel: Gangster Squad
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 112 Minuten
Regie: Ruben Fleischer
Darsteller: Josh Brolin, Sean Penn, Ryan Gosling, Emma Stone, Giovanni Ribisi, Michael Peña, Robert Patrick, Anthony Mackie, Nick Nolte

Deutschlandstart: 24. Januar 2013
Offizielle Homepage: warnerbros.de/gangstersquad

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